China

China und Google. Wie geht es weiter? | © moonrun - Fotolia.com

Google stellt sein China-Geschäft auf einmal in Frage. Angeblich will sich der Datensammler aus Mountain View nicht länger den Zensurforderungen der chinesischen Regierung beugen und nimmt dafür auch einen Rückzug aus dem chinesischen Markt in Kauf. Der gemeine Güngling* wird in seinem Glauben bestätigt, die anderen werden die Meldungen darüber aufmerksamer weiterlesen.

Internet World z.B. schreibt: „Google hat damit gedroht, den chinesischen Markt aufzugeben, wenn die Zensurbestimmungen nicht gelockert werden.“ Erst in dem zweiten Satz gesellt sich ein wenig Licht zu dem Knall. Der Auslöser war keine moralische Kehrtwende (manche würden auch von moralischer Pflicht sprechen) sondern ein Hackerangriff.

Ein Hackerangriff aus China? Was soll daran so außergewöhnlich sein? – fragt sich der gesunde Internetverstand. Gibt es täglich. Ah, was! Stündlich. Ja schon, aber es wurden Mail-Accounts von chinesischen Menschenrechtlern angegriffen! Hillary Clinton soll sich auch eingemischt haben. Hm, damit ich sehe, ob ich das so richtig verstanden habe? Google zensiert seit 4 Jahren brav das Internet über die Google.cn. Aber jetzt soll alles anders werden nur wegen ein paar Mail-Accounts. Sorry, aber das leuchtet mir immer noch nicht ein.

Es sei denn… Es sei denn, die Hacker waren erfolgreich. Verschiedene Quellen (siehe Wall Street Journal – z. B.) schreiben davon, dass bei dem Angriff auch „wichtige Teile des Quellcodes gestohlen worden, mit denen potenziell Zugang zu anderen Daten gewonnen werden kann“. Wie üblich, von Google nur Andeutungen: „… from China that resulted in the theft of intellectual property from Google“ (Quelle: http://googleblog.blogspot.com/2010/01/new-approach-to-china.html) Sprich: „… aus China, dass Diebstahl von Googles geistigem Eigentum darstellt.“ Also, doch. So gesehen, bin ich froh dass ich nicht die Google Analytics benutze – sonst könnte mich womöglich jemand verklagen weil er Spam-Mails aus China bekommt.

Na ja, so oder so, niemand wird ernsthaft glauben (die Chinesen am wenigsten) dass Google tatsächlich vor hat (von taktischem Geplänkel mal abgesehen) den einzigen Markt, der groß genug ist die Gier des Giganten in den kommenden Jahren zu stillen, fallen zu lassen. Moralische Bedenken hin oder her – Google kann sich das einfach nicht leisten. Die Größe des Gimperiums* ist in zwischen auch sein Fluch. Das Tempo, bei dem das Unternehmen immer neue Groodukte* entwickelt, droht sich zum Bumerang zu entwickeln, weil die Märkte bald nicht mehr benötigte Absatzzahlen liefern werden können. Die Welt ist für Google einfach zu klein.

Allerdings, gibt es Argumente, die eine (vorübergehende, versteht sich) Scheidung zwischen China und Google bewirken könnten. Erstens ist es der Marktanteil von Google in China: 25% von 340 Millionen Nutzern. Lese oben – für Google Maßstäbe ist das zu wenig. Zweitens, Google muss eine vernünftige „Defence Strategy“ ausarbeiten. Offensichtlich hat man die Gegner bis dato gewaltig unterschätzt. Dies wird Geld (kein Problem) und Zeit (großes Problem) kosten.

Ein Rückzug aus China ist jedoch wenig wahrscheinlich, weil es so gut wie sicher ist, dass es keine Rückfahrt geben würde. Wir können uns das zwar schwer vorstellen, aber es könnte eines Tages jemanden geben, der noch Googligantischer* ist und mit Sicherheit aus China kommt. Und das weiß man in Mountain View. Ein Ausstieg aus dem chinesischen Markt taugt höchstens als eine PR-Aktion- und zwar als eine leichtsinnige.

* siehe Wörterbuch