Was man alles für seine Kinder macht! So sitze ich im Vereinskaffee und wie so oft warte ich auf meine Tochter, die sich mit ihren zehn Jahren schon als Fußballweltmeisterin 2019 sieht, als mein Leidensgenosse (auch ein Vater einer zukünftigen Weltmeisterin) offensichtlich belustigt mit dem Finger auf die Zeitungswerbung für einen VW Van zeigt und sagt: „Ist der so oft kaputt?“ Auf der ganzseitigen Werbebotschaft ist ein schöner, blauer Van zu sehen mit der Botschaft „Damit Sie ADAC auch sieht!“.

Was sollte uns (drei Väter, mit jeweils zwei oder drei Kindern, um die 40, fest im Berufsleben stehend) die besagte Botschaft vermitteln? War die berühmte Pannenstatistik des ADAC gemeint? „Wenn Sie unser Auto fahren, dann sind Sie ganz oben auf der Liste – also ein Gewinner“? Egal, bei uns ist es nicht angekommen. Die Werbung, egal in welcher Form, ist in erster Linie die Macht der Assoziation und das taten wir auch – instinktiv assoziierten wir das Wort ADAC mit dem Gelben Pannenwagen des Autoclubs.

Es gibt natürlich verschiedene Strategien im Marketing. Es werden jährlich Millionen und Milliarden für Konsumentenforschung ausgegeben. Die Resultate fließen dann in die Konzepte für die Entwicklung von neuen Strategien, und immer mehr, und immer teurer. Die Spirale des sich unermüdlich vermehrenden Geldes schaukelt sich immer weiter nach oben. Egal, welche Strategie man wählt- und welche schlauen Ideen die Marketingindustrie immer wieder zu Tage fördert, es gibt immer ein Problem: Der Konsument nimmt zunehmend weniger Notiz von der Werbung. Das durchschnittliche ‚Zielobjekt’, sprich der Konsument, ist übersättigt.

VW Anzeige ADAC Zeitung

VW Anzeige ADAC Zeitung

Was bedeutet das für die Werbetreibenden und die Marketingbranche? Es bleibt immer weniger Zeit, die Botschaft rüber zu bringen. Zwei Sätze sind heute zuviel! Umso wichtiger der Assoziationsaspekt. Und wenn der nicht einschlägt, dann lacht die Zielgruppe statt Leasingangebote zu studieren.

Neugierig geworden, schaute ich schon genauer z.B. in die neueste Ausgabe der ADAC Zeitschrift, Ausgabe März 2008. Und siehe da, noch eine ganzseitige Anzeige von VW. Diesmal geht es um den VW-Service. Der Aufbau der Anzeige ist schon bekannt – man soll lesen („würde man zweitklassigen Service nur immer so schnell erkennen“) – dann weiter lesen („Besser: Jahresinspektion vom Volkswagen Service“).

Ich assoziiere: „Auto auf dem Kopf auf der Bühne + zweitklassiger Service“ = Blödsinn = weiter blättern!“ Wenn die Macher dieses Kunstwerks ein wenig Glück haben, dann werde ich weiter blättern bevor ich das VW- Logo unten rechts sehe, sonst bleiben – zumindestens vorübergehend – die Worte „zweitklassiger Service“ und VW Logo in meinem Kopf „zusammengeschweißt“.

In diesen Beispielen geht es um Autos und VW. Ein Konzern mit treuer Kundschaft, zweifellos guten Produkten und enormen Werbeetat. Kleinere Werbepannen werden die ja schon verkraften. Schlimmer wird es schon für die kleinen Geschäfte, wenn man zwar in guter Absicht handelt, aber voll daneben greift. Einige Straßen von unserer Wohnung entfernt befindet sich ein Bestattungsinstitut in einer Einkaufsstraße mit vielen Passanten. Die Fenster waren bis vor Kurzem mit verschiedenen Botschaften (Bibelzitate, Gedichte, etc.) dekoriert- eigentlich geschmackvoll und passend. Nur dieser Spruch auf dem größten Paneel, mittig im Fenster, ein absoluter „Eyecatcher“, verursachte in der Nachbarschaft heftiges Schmunzeln: „Heinz, ich komme!“ stand dort.

Und wenn ich schon bei dem Thema bin: Im Fenster eines anderen Bestattungsinstituts sah ich neulich Folgendes: „Tag und Nacht für Sie bereit –Tel…“. Für mich nicht. Danke!

AdSense Werbung zu Noro Virus

AdSense Werbung zu Noro Virus

Wer denkt, dass die Online-Werbung dank „intelligenten Agents“ von Pech und Pannen verschont ist, der irrt. Obwohl man uns seitens großer Werbeunternehmen wie Google klar machen möchte mit z.B. AdSense-Keywords Anzeigen den ultimativen Marketing-Gral entdeckt zu haben, kommt es in der Praxis sehr schnell zu Ernüchterung, weil sämtliche Mechanismen (Algorithmen) für die Werbeeinblendungen sehr schnell ihre Grenzen erreichen. Nämlich immer dann, wenn die Einblendung in Bezug auf den Kontext einer Seite und nicht zu den einzelnen Suchbegriffen auf der Seite erfolgen soll.

Im vergangenen Winter, wie konnte es auch anders sein, schleppte uns unsere Jüngste den berühmten Noro-Virus nach Hause. Zwei Tage später lag auch unser Sohn flach und jeweils einen Tag später meine Frau, ich, und das Fußballtalent aus der Anfangsgeschichte. Nun denn, wir informierten uns über den Virus. Natürlich im Internet.

Zu den ganzen ‚netten’ Auswirkungen dieser Erkrankung blendet Google auf einer recht ansprechenden Gesundheitsseite (ah, wie passend) ein: „1 Monat bis 16 kg. abnehmen – Der neue Fettkiller. 100% Garantie“. Danke, ich hab schon einen Fettkiller.

Die Herausforderung an die Technologie war und ist, die menschlichen Denkprozesse nachzuahmen. Zurzeit sind wir davon viel entfernter, als uns lieb ist. Die Suchmaschinen sind in der Lage lediglich einen einfachen Wort-zu-Wort-Vergleich vorzunehmen. Den Kontext zu begreifen, ist (Gott sei Dank!) dem Menschen vorbehalten.

So kommt auf die Werbetreibenden ein neues Problem zu. Auch wenn man selbst keine Panne produziert, gibt es keine Möglichkeit zu verhindern, dass die Werbung (und Geld) sinnlos vergeudet wird. Das Argument, daß man AdWords und ähnliche Werbeformen auch nicht bezahlt, wenn die nicht angeklickt werden, ist kein Argument. Wer schon einen Werbeetat hat, der möchte das Geld auch ausgeben und im Gegenzug seine Kundschaft erreichen, und zwar in einem bestimmten Zeitraum, verteilt auf eine bestimmte Zielgruppe, und mit messbaren Folgen für das Geschäft. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass die Suche nach dem heiligen Marketing-Gral erst beginnt.