Kommunikation im Medienzeitalter – Unbegrenzt, unverbindlich – unmenschlich?

Kommunikation in Medienzeitalter | © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Kommunizieren bis der Arzt kommt

Kommunizieren wo, wann und mit wem man will. Technisch gibt es heute kaum noch Grenzen. Das Handy ist längst zum multimedialen Kommunikationsapparat avanciert und stellt uns auch dann die lebenswichtige Leitung zum World Wide Web her, wenn Computer oder Laptop in weiter Ferne liegen. Um sich mit Freunden auszutauschen oder Nachrichten zu senden, wird der heiße Draht der Social Networks, wie Facebook oder StudiVZ, aktiviert. So weiß jeder Freund zu jeder Zeit und an jedem Ort, was mich gerade beschäftigt.

Einfach in Facebook einloggen, Nachrichten lesen, antworten oder Neues berichten. Simpel und unverbindlich gestaltet sich die Kommunikation im heutigen Medienzeitalter. Eine Untersuchung vom Institut für Demoskopie Allensbach stellt fest, dass sich durch die Technik das Kommunikationsverhalten verändert. Die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) 2009 zeigt, dass die technikgestützte Kommunikation einen immer größeren und wichtigeren Teil des persönlichen Austausches einnimmt. Außerdem steigt durch die neuen Technologien die Häufigkeit an Kontakten, wobei sich deren Länge allerdings verkürzt.

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, welche Qualität diese „Kurz“-Kommunikation besitzt. Steht bei Facebook oder Twitter die Verständigung, das grundlegende Merkmal von Kommunikation, noch im Mittelpunkt? Oder beschränkt sich der elektronische Gedankenaustausch lediglich auf die Verbreitung von Informationen im Sinne von persönlicher Berichterstattung?

Die Studie des Instituts Allensbach fand ferner heraus, dass vor allem junge Leute häufig chatten. Besonders deutlich sticht im Vergleich der Jahre 2008 und 2009 die zunehmende Bedeutung der sozialen Netzwerke heraus. Der Gebrauch des Internets für diese Dienste stieg in der Bevölkerung (14 bis 64 Jahre) der Bundesrepublik in jenem Zeitraum um 51 Prozent.

Allgemein zeigt sich somit ein Trend hin zur vermehrten Kommunikation auf elektronischem Weg. Bei der Betrachtung des Nutzens dieses Austausches am Beispiel von Statusmeldungen auf Facebook oder einer Nachricht auf Twitter, stellt sich die Frage, ob diese Art der Kommunikation einen Dialog eröffnen kann oder ob sie nicht lediglich der individuellen Selbstdarstellung dient.

Der Austausch mittels persönlicher Nachrichten, E-Mails und Chats können hingegen eher zur Verständigung führen. Allerdings besitzen sie ebenfalls eine Einschränkung, die auf die gesamte schriftliche Kommunikation zutrifft. Menschliche Attribute, wie Gestik oder Mimik, treten in den Hintergrund. Mittels Smileys wird zwar versucht Akzente zu setzen, um seiner Aussage die richtige Tonfärbung zu verleihen. Ein Teil des Gesprächs, genau genommen der Interpretationshintergrund der Aussage, geht durch die auf Text begrenzte Kommunikation stückweise jedoch verloren. Der Trend zur Kürze der Kontakte sollte hierbei kaum Platz für Erklärungen einräumen.

Insgesamt betrachtet erfährt die Kommunikation im Medienzeitalter somit eine Standardisierung durch Technologisierung und Trends wie soziale Netzwerke. Da der Kommunikation der menschliche Ausdruck genommen wird, sollte sich die persönliche Verständigung auf Dauer schwieriger gestalten, wenn sich das Kommunikationsverhalten weiter in diese Richtung entwickelt.

Abzuwarten bleibt, ob die Vorteile der flexiblen, allgemeinen und „entmenschlichten“ Kommunikation auch zukünftig überwiegen werden und ob letztere die direkte persönliche Verständigung und das soziale Verhalten der kommenden Generationen beeinflussen wird.

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2 Responses to Kommunikation im Medienzeitalter – Unbegrenzt, unverbindlich – unmenschlich?

  1. Twitter hat den seit Jahren zunehmenden Trend der „Masse statt Klasse“ auf die Spitze getrieben. Um auf sich und den eigenen Angebot aufmerksam zu machen, gilt die Devise: “Schrei so laut du kannst, vielleicht hört dich jemand”. Leider sind die potenziellen Zuhörer auch damit beschäftigt zu schreien. Somit entsteht eine 08.15 Kakophonie aus weitergeleiteten und weiterverbreiteten Informationen aber nicht eine halbwegs annehmbare Kommunikation. So gesehen sind die Einwände über die Sinnhaftigkeit der Social-Hysterie durchaus berechtigt.

    Übrigens, tolles Artikel, herzlichen Dank.

  2. A.Krol says:

    Ein interessantes Beitrag zum Thema “Trend zu Informationsschnipseln” – Papier ist geduldig, der Leser ungeduldig – behandelt die möglichen Veränderungen in Journalismus und damit auch der Kommunikationswege durch das neue iPad. http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-papier-ist-geduldig-der-leser-ungeduldig-1.949944

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