In den letzten Jahren lässt sich ein interessantes Handlungsschema in der Politik ausmachen. Meinungen und Haltungen werden am laufenden Band gewechselt je nach Stimmungslage und Bildzeitung – Schlagzeile. Die Gesetze werden ausgehebelt, aus überzeugten Lobbyisten werden über Nacht Atomkraftgegner. Solange es dem eigenen Erhaltungstrieb und den Interessen der entsprechenden Lobbyisten-Organisationen nicht widerspricht ist alles erlaubt. Die „Karriere“ in den sogenannten Volksparteien hängt viel mehr von der Loyalität gegenüber der Parteistrukturen und/oder der Führung als von den Wählern ab.

Auf der anderen Seite sieht sich die Politik mit einer Art „rund um“ Kommunikation (Facebook, twitter, etc.) konfrontiert das keinen Spielraum für Schwächen (Westerwelle), Unentschlossenheit (Merkel) oder den Betrug (Aufstieg und Fall des fränkischen Sonnenkönigs) lässt.

So kommt es, wie es kommen muss. Die Politiker versuchen mit der Geschwindigkeit des Alltags schritt zu halten und ihr eigenes Profil an den gesellschaftlich umstrittenen Themen zu schärfen. Und damit wäre ich schon bei dem heutigen Thema: Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich hat gestern wohl die Islamkonferenz mit einem Bierzelt verwechselt.

Nur so könnte man einigermaßen glaubhaft das Debakel von gestern erklären. Oder war es eine Art von misslungener Aufklärungsmission des Ministers? Wollte er vielleicht das Bierzelt und die Weißwurst zu unverzichtbaren Teilen der Leitkultur erklären? Auf der Pressekonferenz redete er dann von einem Missverständnis. Manche, wie die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz von der SPD, sind ja wohl jetzt schon der Meinung – er wäre das Missverständnis.

<Guttenberg>Ausdruck: „Geistige Kernschmelze“ habe ich von Erwin Pelzig aus der Sendung „Neues aus der Anstalt“ vom 22. März 2011 in mühseliger Kleinarbeit abgeschrieben.</Guttenberg>