to boldly go where no one has gone before

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Da war es also. Das gesammelte Wissen der Welt. Ich erinnere mich genau. Der Duft von altem Leder. Mit der Fingerspitze deutend fuchtelte ich an der Schrankwand meiner Eltern herum und fand den Buchstaben, die Insignie des Wortes, zu dem es mir nach einer Erklärung war. Kaum schlug ich den dicken, schweren Band auf, habe ich auch schon bald vergessen wonach ich eigentlich suchen wollte. Ich erinnerte mich plötzlich vielmehr daran, das dort wesentlich mehr Begriffe standen, über die es viel zu erfahren gab.

Das Alphabet als ein eigentliches Zufallsprinzip. Gott würfelt nicht? Ganze Schrankwände voller Enzyklopädien werden heute durch die kleine Google-Suchmaske ersetzt. Für umfangreiche und, wenn man Glück hat, redigierte Lexikon-Artikel hilft uns Wikipedia. Es fällt gar schwer zu glauben, das es jemals anders war. Wir erinnern uns ungern, aber haben wir nicht sogar schon Windows Vista vergessen?

Die entscheidende Frage

Ist alles, was wir im Netz finden können, nicht auch ein Stück weit gefährliches Halbwissen, und wenn ja, wieso sollte es sich mit den 180 Kilo bedrucktem Papier anders sein? Früher besaß all das, von dem man behauptete, in Büchern gelesen zu haben, unglaubliche Autorität. So als könnte Papier, einmal bedruckt, nicht mehr lügen. Liegt die Wahrheit nicht eher im Auge des Betrachters und ist sie nicht eher ein fluider Zustand, auf dessen Oberfläche sich die Zeichen der Zeit spiegeln und sich so ein sich ewig unstetes Bild ergibt? Also, kurz gesagt?

So haben wir die Frage auf Wahrheitsanspruch erst einmal beiseite geschoben und widmen uns dem eigentlich Interessanten: Wenn alles, was es zu wissen gibt, durch einen sich immer verändernden Algorhythmus geformt und konkretisiert wird, was macht das mit unserer Art, zu denken? Und wie ist es für Heranwachsende, eben nur noch das Doktrin zu kennen, das Google ihre Suche in hierarchische Ordnung setzt, und so dem Leser gleich offenbart, wie sich die Schwarmintelligenz über die Relevanz der Dinge entschieden hat?

Intelligenz ist die Fähigkeit, die Dinge in den richtigen Kontext zu setzen

Um an dieser Stelle mit dem Vorurteil aufzuräumen, Bildung sei die Summe der Dinge, die man weiß, belehrt uns auch hier das Netz: Intelligenz ist die Fähigkeit, die Dinge in den richtigen Kontext zu setzen. Zu ordnen. Wir denken dabei an IQ-Tests: welcher dieser Gegenstände passt nicht in die Reihe: Stuhl, Tisch oder Quarktorte? Der eigentliche Gedanke ist aber das wir diese Art der Kontextualisierung ständig neu erfahren. Wir lernen durch Beobachtung und beobachten uns dabei, wie wir uns angewöhnt haben, Dinge zu suchen und bei dieser Suche vorzugehen wie Google. Gerade für Jugendliche eröffnet sich so die Möglichkeit, vom Computer auch ein kleinwenig das Lernen zu lernen. Den Kontext zu erahnen. Schüler gehen schon optimierter mit den ihnen zur Verfügung stehenden Applikationen um. Möglicherweise erklären unsere Kinder uns die Technik, wie wir Sie damals unseren eigenen Eltern erklärt haben. Es ist zu erwarten, das eben jene Kinder aus dem eher spielerischen Umgang später Dinge entwickeln die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Waren wir früher nicht auch fasziniert von den Klickgeräuschen unserer Tele-Spiele und stellten uns die Frage, wie das mit diesen 2 Balken nur funktioniert und entwickeln heute womöglich selbst Spiele im 3D-Raum? Eben.

Lassen Sie uns also beobachten, was unsere Kinder aus dem Wissen und dem Know-how machen, mit dem Sie aufwachsen können, und lassen Sie uns hoffen, das wir eines Tages uns selbst wieder verwundert die Augen reiben, um zu fragen, wie das nur wieder gemacht worden ist. Gerade Bildung und Lernen ist ein Zustand, der auch durch seine Struktur geprägt wird. Schreibt sich gar eine Art Trial and Error Algorhythmus in die Köpfe der Jugendlichen? Junge Menschen lernen auch einen ganz anderen Bezug zu Freundschaften durch die Kommunikation mit Social Media und SMS. Auch hier können wir beobachten, das junge Menschen einen ehrlicheren Umgang mit Beziehungen pflegen, als wir es gelernt haben. Die Welt wird zwar zum Dorf, aber im Dorf musste man sich mit allen gut stellen und bei einer gewissen Auswahl an sozialen Kontakten können die Kids entscheiden, wer ihre Posts lesen darf und wer nicht. Und wie man das geschriebene Wort in Freundschaften dazu benutzt zu trösten, zu ermuntern, zu flirten oder auch mal Dampf abzulassen.

Komprimierungsprozesse

Kann es sein, das die heutige Jugend mehr schreibt, als die 2 Generationen vor ihnen zusammen? Auch hier findet oft ein erstaunlicher Komprimierungsprozess statt: Vor allem dadurch, das Kids hauptsächlich Kurznachrichten versenden, wird weniger geschwafelt und mehr komprimiert. Das wichtige an der Botschaft ist das, was versendet wird. Vielleicht nicht innerhalb der Maßstäbe der Erwachsenenwelt, aber darum geht es gar nicht. Es handelt sich dabei einfach wieder um ein verkürzen von Gedanken auf das Wichtige, so wie auch Technik sich in den vergangen Jahrzehnten um eine immer verkürztere Maschinesprache drehen musste, um immer besser, kleiner, portabler und praktischer zu werden.

Lassen Sie uns also die Enzyklopädien zur Seite schieben, unsere Kinder beobachten und uns von ihnen in die Zukunft weisen.