IPhone ist Wackeldackel des 21 Jahrhunderts

Wackeldackel App? | © dudek - Fotolia.com

Was braucht der Mensch, um zu leben? Brot und Spiele, würde man meinen. Von Vespasian über die Hexenverbrennungen bis zur Bild-Zeitung und iPhone. Nur Show und Angeberei.

Wie früher, als unsere Väter samt Frau, Kind und Kegel in den (wohlverdienten) Urlaub fuhren. Der (wohlverdiente) Opel Rekord C glänzte vor dem (wohlverdienten aber nicht abbezahlten) Reihenhäuschen in der Sonne. Wohlgeformtes Frauchen und die lieben Kinderchen schleppten den halben Haushalt heran, während „Pater Familias“ mit wichtiger Miene um das Fahrzeug herumstolzierte und Anweisungen erteilte. Essensvorräte, Wasser, Reservekanister – aber auch Geschirr, Klopapier, eigene Bettwäsche und mindestens eine Kiste von dem heimischen Bier musste nebst Familie in der Blechkiste verstaut werden und fand seinen Platz. Schließlich wollte man seinen Mitmenschen zeigen, dass es einem an nichts fehlt, dass man es zu was gebracht hat. Und als man dann endlich los fuhr, war das Letzte was manch ein neidischer Nachbar erblickte die rhythmische Kopfbewegung des Wackeldackels auf der hinteren Ablage.

Heute leben wir viel schneller. Schnellere (nicht unbedingt schönere) Autos, schnelle Menschen, schneller Konsum. Auch und insbesondere Informationskonsum. Unterwegs, zu Haus, auf dem Klo, beim Sex, im Supermarkt. Informationen werden modifiziert, weiter gegeben, wobei man das Gefühl nicht los wird, dass vielen Menschen die Möglichkeit selbst am weltweiten Datenwahnsinn Teil zu haben, viel wichtiger ist als der Informationsgehalt selbst.

Um sein Geltungsbedürfnis zu befriedigen, schafft der Wohlstands-Homo-Sapiens die neuen „Kult-Objekte“ wie das iPhone, bei dem es schon lange nicht um Qualität oder Nutzbarkeit, sondern lediglich um den „Must have“-Faktor geht. Der Besitz eines solchen Gerätes suggeriert die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kreis (GAU – Glückliche App User) mit entsprechender Signalwirkung auf die Umgebung. Auf Deutsch: ein Wackeldackel-Effekt mit Belästigungslevel 10!

Da wäre z.B. eine Katze, die man auf dem Bauch kraulen kann, als App, versteht sich! Bubble. Auch als App. Und so was Tiefsinniges wie verschiedene Frage-Antwort-Spiele. Findest du Maja geil? Würde Klaus sein letztes Hemd für ein Date mit Pamela Anderson hergeben? Was weiß ich! Maja kenne ich nicht und Klaus hat ja nichts Besseres verdient. Er ist nämlich so einer, der den ganzen Tag mit seinem Wackeldackel-App angibt.