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	<title>Medienkompetenz im Netz &#187; Bildung</title>
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	<description>Blog für Medienkompetenz, Kommunikation und Medienkritik</description>
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		<title>Genauso begabt wie andere Menschen auch</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Oct 2010 09:02:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Z. LJepojevic</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Genauso begabt wie andere Menschen auch, werden sie häufiger diskriminiert und erfahren Benachteiligung. In Deutschland sind 8 Millionen Menschen von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. In dem Trailer des BVL werden fünf betroffene Jugendliche, episodisch in einzelnen Situationen vorgestellt, in denen &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/genauso-begabt-wie-andere-menschen/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Genauso begabt wie andere Menschen auch, werden sie häufiger diskriminiert und erfahren Benachteiligung. In Deutschland sind 8 Millionen Menschen von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. In dem Trailer des <a class="fadeout" title="BVL" href="http://www.bvl-legasthenie.de">BVL</a> werden fünf betroffene Jugendliche, episodisch in einzelnen Situationen vorgestellt, in denen sie ihren Hobbys nachgehen. Ausschlaggebend für die Wahl der Laiendarsteller (zwischen 14 und 17 Jahren alt) war die Bereitschaft, zu ihrer Legasthenie oder Dyskalkulie zu stehen und sie durch den Film öffentlich zu machen. Es wurden bewusst die Interessen der Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt, um die Botschaft das Trailers, &#8220;Macht was aus euren Stärken&#8221; zu vermitteln.<span id="more-694"></span></p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://medienkompetenz-blog.de/genauso-begabt-wie-andere-menschen/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
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		<title>Medienkompetenz Teil VI &#8211; künstlerisch intendierte Medienprojekte</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 07:06:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit der Beherrschung der digitalen Werkzeuge und dem Wissen um die gesellschaftliche Funktion von Kommunikation verfügen wir über ein komplexes Instrumentarium des digitalen Gestaltens. Es ist deshalb notwendig, die Erfahrungen und das Wissen der einzelnen digitalen Disziplinen zusammenzufassen. Wenn Medienkompetenz &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-6/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Beherrschung der digitalen Werkzeuge und dem Wissen um die  gesellschaftliche Funktion von Kommunikation verfügen wir über ein  komplexes Instrumentarium des digitalen Gestaltens. Es ist deshalb  notwendig, die Erfahrungen und  das Wissen der einzelnen digitalen Disziplinen zusammenzufassen. Wenn  Medienkompetenz über die rein funktionale Anwendung von digitalen  Werkzeugen und  ihre ausschließlich kommerziell ausgerichtete Verwendung hinaus gehen  soll, müssen Arbeitsprozesse &#8211; interdisziplinär &#8211; in Kunst und  Wissenschaft initiiert und künstlerisch orientierte Strategien  werden.<span id="more-97"></span></p>
<p>MediaLab: Konzept<br />
Das  Medialab ist ein Ort der experimentellen medialen Gestaltung für die  Fachbereiche Design und visuelle Kommunikation, gewissermaßen die  Schnittstelle zwischen  Wissenschaft und Kunst. Als  Werkstatt für den Entwurf virtueller Welten  und raumbezogener Installationen untersucht es die Darstellung und  Gestaltung von der Fläche in die Tiefe des virtuellen Raumes und &#8211; damit  verbunden &#8211; die veränderte  Wahrnehmung und Entwicklung neuer Sprachen und Anwendungen für den  medialen Raum. Die Gegenüberstellung real &#8211; virtuell führt zu neuen  Wahrnehmungsformen und neuen sinnlichen Erfahrungen. Analoge und  digitale Arbeitsmethoden  werden experimentell vergleichend herausgearbeitet. Schlüsselwörter sind  Interface,  Interaktion, Immersion und Imagination.</p>
<p>MediaLab: Ziele<br />
Das MediaLab verbindet einzelne  digitale Disziplinen wie Text, EBV und Lay-Out, 2D  und 3D Grafik, Sound und Video, sowie CAD und Programmiersprachen zu  einem  digitalen (Gesamtkunst)Werk, das durch seine Präsentation im realen   resp. medialen  Raum eine neue Darstellungsqualität erreicht. Sein Ansatz ist,  künstlerische Strategien für die Entwicklung von Medientechnologien und  umgekehrt medientechnologische Forschung für die Kunst und ihre  angewandten Bereiche produktiv zu machen.  Das MediaLab soll darüber hinaus zur Diskussion und Weiterentwicklung  der Medienlehre, der Medienkunst und des Informations-Design beitragen.</p>
<p>Durch  die enge Verknüpfung zur Medientheorie entstehen dabei – sozusagen als  Nebenprodukt &#8211; explorative Wissensräume.</p>
<p>MediaLab: Anwendungen<br />
Die Projekte  und Produkte des MediaLab befassen sich mit Interaktivität, Interface- design, Kommunikationsdesign sowie der Entwicklung von Strategien zur  Verbindung von realem und virtuellem Raum (Mixed Reality). Daraus  ergeben sich im wesentlichen 4 große Anwendungsfelder:</p>
<p>1. Interface-Design<br />
Das Interface  ist der Schlüssel zum medialen Werk. Das Spektrum des Interface  reicht von der 2D-Benutzer-Oberfläche zum interaktiven Display für  3D-Modelle.  Dazu gehören ebenso Designstudien zur Ergonomie von Sicht- und  Navigationssystemen wie Medienarchitekturen.  Mögliche Projekte und Präsentation: Alle innovativen  2D-Benutzer-Oberflächen, die  auch einen Bezug zum realen Raum herstellen (z.B. über Beamer, Sound).  Als sinnliche „Verlängerung“ kann das Interface-Design zusätzlich (oder  explizit) auch auf  traditionelle Weise als Ausstellungsdesign oder im öffentlichen Raum  (Cultural Jamming) präsentiert werden.</p>
<p>2. Interaktions-Design<br />
Interaktions-Design meint das  Denken in szenischen Bildern. Was geschieht, wenn  &#8230; ? Entwurf von Interfaces, Szenarien und Interaktionen, ein Drehbuch  sozusagen.  Interaktions-Design ist Design für Handlungs- und Funktionsabläufe, die  Aktionen  hervorrufen. Interface und Interaktion stehen in engem Zusammenhang. Die  Qualität des Interface bestimmt die Funktionalität der Interaktion  ebenso wie die Programmierung der Funktionsabläufe selbst.  Mögliche Projekte und Präsentation: zum einen eher  funktional-anwendungsbezogene Konzepte, die dem Benutzer/Betrachter ein  intuitives Handeln ermöglichen,  d.h. eine Benutzung ohne über die Funktionsabläufe im Einzelnen  nachdenken zu  müssen, zum anderen eher spielerisch-künstlerische Konzepte, bei denen  der Benutzer/Betrachter durch seine eigenen Aktionen (im Raum) bestimmte  Funktionsabläufe  auslöst. Als Präsentationsform sind hier sowohl rein rechnerbasierte  Werke als auch  mediale Rauminstallationen denkbar.</p>
<p>3. Film/Video/3D-Design<br />
Film/Video/3D-Design bezieht  sich auf die Möglichkeiten des digitalen Videoschnitts  ebenso wie auf die Erfindung neuer Welten mittels 3D-Technik. Das  audio-visuelle  Werk setzt sich aus Texten, Bildern, Sprache, Sound, Raum, Bewegung im  Raum und  bewegten Bildern zusammen. Das digitale Studio mit seinen virtuellen  Kulissen bietet hierfür vielfältige und innovative Möglichkeiten.  Mögliche Projekte und Präsentation: In erster Linie 2D und 3D Werke, die  entweder  auf dem Monitor als adäquates Präsentationsmedium oder mittels Projektor  im  Raum gezeigt werden. Als werbewirksame „Verlängerung“ in den  öffentlichen  Raum sind auch ungewöhnliche Präsentationsorte und –formen denkbar (z.B.  U- Bahnprojekt Zoo-Hansaplatz), die bei der Projektkonzeption jedoch schon  von An- beginn berücksichtigt werden sollten.</p>
<p>4. Kommunikations-Design<br />
Zukünftige  Formen der Kommunikation benötigen geeignete Kommunikationsräume. Neue  Technologien eröffnen dem Kommunikations-Designer Möglichkeiten,  neue Kommunikations-Modelle zu entwickeln und zu präsentieren (z.B.  WebCams,  Chat-Rooms, Videokonferenzen, Internet-Telefonie).  Mögliche Projekte und Präsentation: WebCam-basierte Übertragungen von  öffentlichen Räumen/Events, Entwicklung neuer Formen von ChatRooms,  Video-Konferenzen unter Einbeziehung des Benutzers/Betrachters,  WebCam-Projekte und deren  Übertragung in den realen Raum.</p>
<p>Die  helle Kammer: Zusammenfassung</p>
<p>&#8220;Die helle Kammer&#8221; – der  Titel ist eine Anlehnung an das gleichnamige medientheoretische Werk von  Roland Barthes &#8211; soll die Schnittstelle zwischen Wissenschaft  und Kunst, zwischen studium und punctum bilden. In theoretischer  Hinsicht ist sie  ein Denk- und Wahrnehmungsgebäude, in dem medientechnologische Forschung  für die Kunst und ihre angewandten Bereiche zugänglich gemacht wird  (studium);  in angewandter Form ist sie ein Experimentierfeld für die Entwicklung  künstlerischer Strategien zur Schaffung und Erweiterung von  Medientechnologien, eine  Collage aus den Bausteinen individueller Themen und Konzepte (punctum). Im Ergebnis sollen durch die Kombination von Computer, Projektion und  sensorischen Präsentationsformen interaktive, raumbezogene  Installationen, zeitbasierte  reagierende Umgebungen und veränderliche Bildräume entstehen, die sich  dem Benutzer/Betrachter durch geeignete Sichtsysteme erschließen.</p>
<p>Das  Finden und Erfinden narrativer Handlungsrahmen und die Entwicklung  intuitiver  Interfaces sind neben der Gestaltung der Modelle die wesentlichen  Elemente der  künstlerischen Artikulation in diesem Projekt. &#8220;Helle Kammer&#8221; steht als  Weiterentwicklung für eine Zeit- und Raum-Struktur mit unterschiedlichen  Wahrnehmungsebenen: das Erlebbar-Machen von Szenarien, bestehend aus  Texten, Bildern, Geräuschen, Bewegungen in dreidimensionalen Räumen.</p>
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		<title>Medienkompetenz Teil IV &#8211; Die visuelle Rhetorik des Bildes / audio-visuelle Bildung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 06:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Untersuchung einer Bildsprache, die den Fokus nicht auf die Fotografiegeschichte und die Besten ihrer Repräsentanten legt, muss sich zwangsläufig mit den medialen Distributationskanälen einschließlich ihrer wildesten Auswüchse befassen. Die Anleitung in einer Fachzeitschrift „Ein Bild machen à la Monet &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-4/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Untersuchung einer Bildsprache, die den Fokus nicht auf die  Fotografiegeschichte und die Besten ihrer Repräsentanten legt, muss sich  zwangsläufig mit den medialen Distributationskanälen einschließlich  ihrer wildesten Auswüchse befassen. Die  Anleitung in einer Fachzeitschrift „Ein Bild machen à la Monet mit 3  Klicks!“, ist exemplarischer Ausdruck einer radikal veränderten  Produktions- und Rezeptionsästhetik, die kein Innehalten mehr kennt:  Vilém Flussers kritische Vision von 1981,  nämlich die einer an den Funktionen der Programme und der Distribution  der Information orientierten Kreativitätspraxis, hat heute in der  Endlosschleife des product placement seine adäquate Ausdrucksform  gefunden. Gleichwohl bestimmt diese &#8211;  wie gerade aufgezeigt &#8211; zunehmend unsere kulturelle Identität.<span id="more-86"></span></p>
<p>Ein Großteil der Anstrengungen in der heutigen Medienkultur dient in  erster Linie  der Bildung von Identifizierungen. Massenkultur und Schnelllebigkeit  sind ihrem  Wesen nach das Gegenteil davon. Somit wird über die permanente  Wiederholung  und allgegenwärtige Präsenz in den Medien versucht, das Defizit der  kulturellen Identität in eine (kurzlebige) markenabhängige  Identifizierung zu überführen. Eine  ästhetische Orientierung in der Medienpädagogik geht in der Regel davon  aus, das Bilder unser Denken und damit unsere Wirklichkeitskonstruktion  beeinflussen &#8211; Bilder in einem erhöhten Maße, weil über sie Emotionen  und Gefühle ideal transportierbar sind. Marlboro verkauft demnach nicht  Zigaretten, sondern das Gefühl von  Freiheit, Benetton klärt dich doch nur auf, Apple verkauft nicht  Computer, sondern einen hippen und coolen Lebensstil, und Nike ist der Anwalt aller  Subkulturen. Wir sehen: Markenidentität als Substitut für die verloren gegangene  kulturelle Identität.</p>
<p>Wie aber gewinnt man aus solchen  Erkenntnissen praktische Medienkompetenz?</p>
<p>Um den Anforderungen  der modernen Mediengesellschaft gerecht werden zu können, muss es ein  zentrales Anliegen von Bildungsinstitutionen sein, die Fähigkeit zu vermitteln, Bilder rezipieren, dechiffrieren und mit ihnen kommunizieren  zu können Neben dem Fernsehen dürften zukünftig auch im Internet bewegte und  unbewegt Bilder als wichtige Darstellungsform und als komplexes Transportmittel  für Informationen mehr und mehr genutzt werden. Spätestens zu diesem  Zeitpunkt wird die  Fähigkeit, Bilder und Bildzusammenhänge einschätzen und nach dem  Informationsgehalt filtern zu können, zu einem maßgeblichen Bestandteil  praktischer Medienkompetenz.</p>
<p>Christian Doelker schlägt als  Begriff “Bild-Pädagogik” oder “Bild-Bildung” vor (ich  würde eher zu “Visueller Bildung” tendieren, weil der Begriff “Bild”  alle visuellen  Zeichensysteme nur ungenügend erfasst). In jedem Fall muss eine solche  pädagogische Ausrichtung versuchen, die Rezeptionsfähigkeiten des  Wahrnehmenden eben so zu fördern wie seine mediale Handlungskompetenz. Bildung für das  Visuelle  meint demnach auch Schulung, Kultivierung und praktische Umsetzung von  Wahrnehmungsaspekten.</p>
<p>Visuelle Bildung bezieht vor allem auch die  trivialen Kommunikationskanäle wie zum  Beispiel die Werbung mit ein. Betrachtet man Werbung als vorrangiges  Medium der  bildsprachlichen Kommunikation, ergibt sich eine neue medienpädagogische  Sichtweise: Wie häufig in der Kunst, geht es in der Werbung um Überraschung,  Irritation, enttäuschte Erwartungshaltungen, um metaphorische und  absurd-surrealistische  Botschaften, die im Bild visuell kodiert sind und die durch den  Betrachter dekodiert  werden müssen. Als Techniken der visuellen Rhetorik werden die Methode  der Verzerrung, der Übertreibung und vor allem die der Verschiebung auf  Meta-Ebenen  angewandt. Nichts anderes also als das, was in vielen Bereichen der  Kunst schon seit  langem praktiziert wird (freilich ohne auch nur annähernd ähnliche  technische Voraussetzungen oder analoge Distributationskanäle zu haben).</p>
<p>Die Bildsprache in der Werbung ist ein Spiel mit Gewohnheiten  und Erwartungen, ist  Irritation und Überraschung. Werden Inhalte allerdings eins zu eins  transportiert,  funktioniert die Botschaft nicht. Nur wenn sie sich in unserer  Wahrnehmung ver- hakt, uns zum Denken bringt, nehmen wir die Botschaft wahr. Alles andere  ist redundantes Rauschen und verpufft wirkungslos. Gute visuelle  Rhetorik aktiviert eine  autonome Denkleistung beim Rezipienten und muss gegen die Macht der  Gewohnheit intrigieren, um wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Im besten Fall  gewinnt Werbung also unsere Aufmerksamtkeit &#8211; das kostbarste Gut  der Informations- und Kommunikationsgesellschaft – und hat damit ihren  Platz in  unserem kulturellen Gedächtnis erobert (das zu leugnen, ist vielleicht  verlockend,  weil man sich damit wieder in bester Gesellschaft mit der bürgerlichen  Kultur und  der hohen Kunst befindet, entspricht aber keinesfalls den Realitäten).</p>
<p>Visuelle  Rhetorik konzentriert sich allerdings nicht nur auf Werbebotschaften  oder  deren künstlerische Umkehrung. Botschaften sind auch in Bildzeichen  enthalten, die  nicht auf konkrete Objekt referieren, sondern in Relation zu einer  Aussage stehen.  Der weiße Stock steht für die Aussage „ich bin blind“, das Rot der  Verkehrsampel  für die Aufforderung „stehenbleiben“. Visuelle Rhetorik als Bildsprache  ist demnach  die “Kunst der Sprechenden Bilder”, und Piktogramme wären die  prototypischen  Medien dieser Art der Bildkonzeption (darauf werden wir noch später  zurück kommen).</p>
<p>Dabei geht es gerade nicht darum, zu irritieren,  zweideutig zu sein oder Divergenz  zu erzeugen. Vielmehr ist es das Ziel einer solchen Bildsprache,  komplexe Aussagen  und Botschaften in einem Superzeichen zusammenzufassen, Konvergenz zu  schaffen und Orientierungshilfe zu leisten. Dabei werden die zeitlich  realisierten Sprachbotschaften in das räumliche System der Bilder  transformiert, Botschaften fürs Ohr  in Botschaften für das Auge übersetzt. Im Gegensatz zu fotografischen  Bildern oder  werbestrategischen Irritationen, die gleichermaßen vom “Inhalt” leben,  sollen diese  Bilder für sich selbst sprechen, ohne den fragwürdigen Ballast der  Interpretation.</p>
<p>Die visuelle Rhetorik der Piktogramme,  Navigationen und lexikalischen Indices ist  ebenso Bestandteil der visuellen Kommunikation wie die irritierenden  Bildbotschaften, allerdings mit anderen Absichten und für andere Zwecke  konzipiert. Von daher  lassen sich zwei Pole verorten, zwischen welchen sich das Potential der  visuellen  Rhetorik entfaltet: Mimikry und Intrige, Selbsterklärung und Irritation,  Eindeutigkeit  und Zweideutigkeit. Und jede dieser Methoden – wenn man sie denn so  unterscheiden will &#8211; ist eine Kunst für sich. Beide stehen aber immer in  einem kulturellen Kontext und sind nicht beliebig verstehbar. D.h. der  Betrachter muss die visuellen Kodes seines Umfelds kennen, um  Irritationen als solche wahrnehmen und entschlüsseln oder die Aussagen  der Piktogramme richtig deuten zu können. Da wir nie außerhalb unseres  kulturellen Umfeldes und damit Diskurses stehen, vergessen wir das  aufgrund der Selbstverständlichkeit manchmal.</p>
<p>Zusammenfassend:  Die Vermittlung medienpädagogischer Konzepte wie etwa “Visuelle Bildung”  kann verdeutlichen, welche Bedeutung es haben kann, mit Bildern  zu täuschen und mit Bildern zu enttäuschen. Es wird damit die Fähigkeit  vermittelt,  mit Bildern kommunizieren und Bilder diskutieren zu können – eine  Vorstellung da- von zu haben, wie Bilder zustande kommen, auf welche Weise sie Meinungen  evozieren und wie sich Bild/Text-Verhältnisse zu der emotionalen  Rezeption von schein- bar objektiven Medienbotschaften verhalten.</p>
<p>Die Art und Weise,  wie eine Information vermittelt wird, sagt dabei sehr viel über  die Intentionen des Urhebers aus. Kennt man die Spezifika der  Ausdrucksformen, so  kann man leichter suggestive Elemente herausarbeiten und beurteilen und  dadurch  den eigentlichen Subtext des Mediums &#8211; sei es ein Bild, ein Film oder  ein Musikstück  &#8211; erkennen. Sowohl reflexive als auch produktionstechnische Aspekte der  Informationsvermittlung sind daher primär zu vermitteln, um den  spezifischen Informationscharakter von Medien erkennen zu können.</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil V" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-5/">Medienkompetenz Teil V – Medienbasiertes Lernen</a></p>
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		<title>Medienkompetenz Teil III &#8211; Ästhetik als medienpädagogischer Orientierungsrahmen</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-3/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2009 19:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211; Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg, Juli &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-3/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle  Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211;  Kommission für Bildungsplanung  und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung  und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg,  Juli 1999.<span id="more-82"></span></p>
<p>Zunächst ist zu klären, was Kulturelle Bildung ist und  inwieweit man diesen Begriff  auf die oben dargestellte Medienkompetenz beziehen kann. Gemäß den  Richtlinien  des Bundesministeriums für Frauen und Jugend/Kinder und Jugendplan des  Bundes  vom 20.12. 93 wäre demnach folgende Definition gültig:</p>
<blockquote><p>„Kulturelle Bildung soll Kinder und  Jugendliche befähigen, sich mit Kunst, Kultur  und Alltag phantasievoll auseinanderzusetzen. Sie soll das  gestalterisch-ästhetische  Handeln in den Bereichen Bildende Kunst, Film, Fotografie, Literatur,  elektronische Medien, Musik, Rhythmik, Spiel, Tanz, Theater, Video u. a.  fördern. Kulturelle Bildung soll die Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe  soziale Zusammenhänge entwickeln, das Urteilsvermögen junger Menschen  stärken und sie zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der  Gesellschaft ermutigen.”</p></blockquote>
<p>Dieser Definition ist unbedingt  zuzustimmen, beinhaltet sie doch das ganze Rüstzeug, um auf die bildungsrelevanten Herausforderungen des  Medienzeitalters an- gemessen reagieren zu können und Medienkompetenz im oben gemeinten Sinn  herzustellen. Allein ihre Interpretation resp. praktische Umsetzung legt  ein Schatten  auf den sonst so wohlgemeinten Ansatz. Bereits Pazzini &#8211; der dieser  Definition explizit zustimmt &#8211; schränkt den theoretischen Bezugsrahmen  für Kulturelle Bildung ein:</p>
<blockquote><p>“Kulturelle  Bildung betont die Notwendigkeit des Bezugs von Bildung auf die  unterschiedlichen Künste. Sie ist eine notwendige Ergänzung zu den  technischen Veränderungen durch die neuen Medien. Ohne den Bezug zu den  Künsten können die  Chancen der neuen Medien nicht ausgeschöpft werden. Im Gegenteil, es  besteht  ohne einen solchen Bezug die Gefahr der Verdummung und eine schon  deutlich  wahrnehmbare Disqualifikation von Arbeitskräften&#8230;&#8230;”</p></blockquote>
<p>Interessant  ist in diesem Zusammenhang der explizite Bezug der kulturellen Bildung  zur Kunst auf der einen, und die Disqualifizierung ihres Gegenteils &#8211;  “Verdummung”  genannt &#8211; auf der anderen Seite. Dies ist für die Definition des  Begriffs “Kultur” von  ebenso weit reichender Bedeutung wie für die Erlangung von  Medienkompetenz.</p>
<blockquote><p>Noch einmal Pazzini: “Kulturelle Bildung eröffnet die Teilhabe an Werken der Kunst,  an den in ihnen eingeschlossenen Forschungsergebnissen,  Produktionsprozessen  und Rezeptionsmöglichkeiten. Sie sensibilisiert für weit greifende  Veränderungsprozesse eben durch die neuen Medien und macht Zusammenhänge  anders als begrifflich deutlich. Kulturelle Bildung beinhaltet  Möglichkeiten und Ressourcen, die in den  Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der Mathematik und  den  technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht oder nur untergründig zur  Verfügung stehen.”</p></blockquote>
<p>Wir sehen hier, dass kulturelle Bildung  den Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der  Mathematik und den technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht  zugebilligt wird. Tauglich erscheinen allein die Verfahren der Kunst  resp.  der ihr zugrunde liegenden (Geistes)Wissenschaften wie z.B. die  Kunstgeschichte,  die Semiotik oder die Medientheorie.</p>
<p>Konsequenterweise bezieht  Pazzini den Kulturbegriff in diesem Zusammenhang &#8211;  wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste. Das  romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren  (Hölderlin im Turm etwa), das seine Herkunft vom Geist der Romantik und  des Bürgertums nicht verhehlen kann, wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier  Prozesse verstanden werden, die sich in Werken niederschlagen, die  angeregt sind  durch Prozesse und Werke aus den unterschiedlichen Künsten: Musik,  Bildende  Kunst, Tanz, Theater, Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini  das Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Erziehung” im  Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Das steht in einem gewissen  Widerspruch zu Baackes’ Modell, das ja allein den adäquaten Gebrauch von  Medien &#8211; also die Fähigkeit zur Mediennutzung &#8211; als Teil der  Medienkompetenz anerkennt. Um den Widerspruch deutlich zu machen: Müssen   Jugendliche, die in der virtuosen Handhabung eines Joy-Sticks oder in  der perfekten  Beherrschung eines “Games” unschlagbar sind, bereits als  “medienkompentent”  bezeichnet werden? Oder sind Künstler, die zwar in der Lage sind, die  ganze Weltgeschichte in Stein zu meißeln, aber nicht die Fähigkeit haben  eine Internetseite zu  besuchen, in diesem Sinne hoffnungslos inkompetent?</p>
<p>Auf der einen  Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der hohen  Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr ausschließlich  aus dem  ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern vielmehr durch den neuen  “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness repräsentiert wird),  auf der anderen  Seite steht die triviale Pop-, Design- und Kitschkultur, die mit  kultureller Bildung offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber  mit der der moderne Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>Neil  Postman konstatiert 1988, dass jenes Medium die kulturelle Ausprägung  einer  Kultur bestimme, welches es schaffe, Gedanken im kommunikativen  Austausch am  bequemsten zu transportieren. Und jene Gedanken, die sich bequem  ausdrücken  ließen, würden dann unweigerlich zum wesentlichen Inhalt einer Kultur  (iPod, iPod,  und nochmals iPod). Deswegen seien die „Wahrheitsbegriffe  jeweils sehr eng mit  den Perspektiven bestimmter Ausdrucksformen verknüpft“. Damit  lehnt er sich eng  an Marshall McLuhans “Das Medium ist  die Botschaft” an.</p>
<p>In diesem Kontext stehen auch die  Segnungen der Markenmultis und des Designs,  hier vor allem des industriell gefertigten Designs, das eigentlich in  der Lage sein soll- te, die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die  Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu ermöglichen  (wie z. B.  noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von ungefähr ist heute alles  Design,  was in irgendeiner Weise gefertigt wird, ob Hair-Design, Schmuck- oder  Fingernagel-Design, Grafik- oder Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design,  vom Food-Design  ganz zu schweigen. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem  Jugendliche  über Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen.</p>
<p>Zwischen der Leitkultur einer bürgerlich  kanonisierten Gesellschaft und den subkulturellen Lebensformen einer  zunehmend durch Massenmedien geprägten Jugend  liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie Leistung,  Höflichkeit  und Toleranz steht die Integration durch Einbeziehung aller auch noch so  trivialen  kulturellen Auswüchse &#8211; und damit aller Mitglieder der Gesellschaft &#8211;  entgegen. Wie  aber schafft man es, “Rappern” oder “Gamern” die Schönheit einer  Klaviersonate  von Schumann beizubringen?</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil IV" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-4/">Medienkompetenz Teil IV – Die visuelle Rhetorik des Bildes / audio-visuelle Bildung</a></p>
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		<title>Medienkompetenz Teil I &#8211; Was sind die sog. &#8216;Neuen Medien&#8217;?</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2009 04:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Worum geht es? Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie bildet den Hintergrund eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels, des Wandels von der Industriegesellschaft zur Informations- und Wissensgesellschaft. Mit diesem Begriff verbindet man gemeinhin die Vorzüge neuer Informations- und Kommunikationstechniken. Das bedeutet &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-1/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Worum geht es? Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie bildet den Hintergrund eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels, des Wandels von der Industriegesellschaft zur Informations- und Wissensgesellschaft. Mit diesem Begriff verbindet man gemeinhin die Vorzüge neuer Informations- und Kommunikationstechniken. Das bedeutet Vorteile für diejenigen, die die Fähigkeiten besitzen, neue Medien nutzen zu können. Ein wichtiges gesellschafts- und bildungspolitisches Ziel ist daher die Steigerung von Medienkompetenz. Interessant ist bereits an dieser Stelle die Gleichsetzung von “Wissen” und “Bildung”, die so gar nicht dem humanistischen Bildungsideal der aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft des 19. und 20 Jahrhunderts entspricht. Wir kommen später darauf zurück.<span id="more-24"></span></p>
<p>Mit der gesellschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten bauen Kommunikati- onsprozesse zunehmend auf der Verarbeitung von Information und Wissen auf. Wir stehen heute bereits einem sehr breit gefächerten multimedialen Informationsange- bot gegenüber. Die Herausforderung ist nun, aus dieser kaum zu überblickenden Bilder- und Textflut die wichtigen und richtigen Informationen herauszufiltern. Ein maßgeblicher Konflikt, dem unsere Gesellschaft dabei ausgesetzt ist, liegt darin, dass sich die Befähigung der Bürger im Umgang mit Informationsmedien nicht kongruent zu deren technischer Entwicklung ausgebildet hat. Medienkompetenz ist das Zauberwort, das hierbei Abhilfe schaffen soll.</p>
<p>Im erweiterten globalen Kontext geht es um die sog. “nachhaltige Medienkompetenzförderung zur Überwindung der digitalen Spaltung”, die im letzten Jahr als “Politikziel mit hoher Priortät” postuliert wurde (UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft 2005 in Tunis). Hier ging es darum, durch die Bereitstellung von beschränkungsfreien (Netz)Zugängen soziale und kulturelle Gestaltungskriterien für breite Gesellschafts- und Bevölkerungsschichten bereit zu stellen und in den technologisch hochgerüsteten Ländern die rein technikbasierte Förderpolitik abzulösen.</p>
<p><strong>Was sind die sog.&#8221;Neuen Medien&#8221;?</strong></p>
<p>Neue Medien setzen voraus, dass es alte gibt. Die alten Medien sind die sog. “klassischen Medien”, also Radio und TV, die allerdings häufig mit dem Begriff “Neue Medien” assoziiert werden. Anfänglich wurde damit nur das Radio bezeichnet, in den Anfängen des Fernsehens wurde er für dieses gebraucht, und mit dem Aufkommen von Videotext und BTX wurden diese als Neue Medien ausgezeichnet.</p>
<p>Der Mediengebrauch reicht allerdings viel weiter zurück, im Grunde bis zur Höhlen- malerei, Moses’ Gebotstafeln oder der Gutenberg-Bibel. (hier die Diplomarbeit von Jens Reinke “Analogien bei byzantinischen Ikonen und Neuen Medien” erwähnen, die ein beiderseitiges “multimediales Paradigma” beleuchtet / Film abspielen).</p>
<p>Wie unterscheiden aber “Neue” von “Klassischen” Medien? Als Kennzeichen der Neuen Medien lassen sich die rechnergestützte Handhabung, das digitale Vorliegen der Daten sowie die Interaktivität beim Umgang mit diesen Daten festhalten. Erst die Digitalisierung von Informationen, Ton, Bild, Bewegtbild, etc. und die schnelle Weiterentwicklung der Kompressionsverfahren ermöglichten die Bewältigung der enorm großen Datenmengen, wodurch der Übergang von der Dienstleistungsgesell- schaft in die Informationsgesellschaft eingeleitet wurde.</p>
<p>Seit Mitte der 90er Jahre ist der Begriff der Neuen Medien für die digitalen Medien bzw. die verschiedenen Formen der Internet-Kommunikation gebräuchlich. Als Neue Medien werden heute demnach meist Medien bezeichnet, die auf Daten in digitaler Form zugreifen, also z.B. email, Internet, DVD, CD-ROM, iPod, SmartPhones etc.</p>
<p>Manchmal wird auch der Begriff Multimedia durch den der Neuen Medien ersetzt, da durch die Digitalisierung die Integration von allen möglichen Kommunikations- wegen wie Sprache und Text, Video und Audio, Telekommunikation, Unterhaltungs- elektronik und Computertechnik geschehen kann. Dieses Zusammenwachsen ist ebenso bezeichnend für die Angebote der neuen Informations- und Medienwelt wie für die kreativen Gebrauchsweisen und die neuen Disziplinen innerhalb der Kunst.</p>
<p>So beinhaltet die aktuelle Medienkunst ein so umfangreiches Spektrum ihrer Sparten, dass sich allein aus ihrer Katalogisierung und Erforschung ein eigener Studiengang ableiten ließe: Experimentalfilm, Expanded Cinema (beinhaltend Filminstallationen, Multiprojektion, Filmperformances), Videobänder, Videoinstallationen, Inter- aktive Closed Circuit Installationen (aktive Einbeziehung des Besuchers), Videoperformances, Computerkunst, Computergrafik, Computeranimation, CD-Rom, Internet- und Webkunst, Immersion und Virtual Reality, Machinimas, Sound Art, Multi- Media Installationen und -Perfomances, Netradio und Net-TV, Video-Clips und Live- Broadcast (MTV und Viva lassen grüßen), VJ-Raves bis hin zu Fon- und Faxart können alle zur Sparte der Medienkunst gezählt werden.</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil II" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-2/">Medienkompetenz Teil II – Was versteht man unter ‘Medienkompetenz’?</a></p>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil V: Lösungen</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-5-loesungen/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 22:19:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Türcke]]></category>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Lehren aus PISA wurden zum Teil gezogen, die Verbesserungen beim letzten PISA-Test scheinen das zu belegen. Aber dies betrifft &#8211; wie gezeigt &#8211; nur die Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer, bei den Kernkompetenzen Lesen und Schreiben sowie der sozialen &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-5-loesungen/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Lehren aus PISA wurden zum Teil gezogen, die Verbesserungen beim  letzten PISA-Test scheinen das zu belegen. Aber dies betrifft &#8211; wie  gezeigt &#8211; nur die Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer, bei  den Kernkompetenzen Lesen und Schreiben sowie der sozialen  Gerechtigkeit sieht es nach wie vor düster aus.</p>
<p>Die meisten Ansätze zur Verbesserung zielen auf Leistungsförderung ab, die Diskussion um das beste Schulsystem reißt nicht ab (Gesamtschule, 2- oder 3-gliedriges Schulsystem, Zwergschulen mit individueller Förderung, aktive statt passive Schulen &#8211; um nur einige Beispiele zu nennen). Für das Viertel von Schülern, die weder Lesen noch Schreiben noch sich richtig artikulieren kann und das Problem der Integration wurden bislang noch keine adäquaten Lösungen angeboten.<span id="more-350"></span></p>
<p>Hier  scheint der Computer einen Ausweg zu bieten, mit der flächendeckenden  EDV-Bestückung aller Lehreinrichtungen und des damit einhergehenden  Erwerbs von Medienkompetenz sollen diese Probleme gelindert werden.  Allein: das Bedienen-können eines Operating Systems oder bestimmter  Programme ist noch lange kein Garant für das Verstehen, im Gegenteil  besteht die Gefahr , zu bloßen “Apparat-Funktionären” (Flusser) oder  “funktionalen Analphabeten” (Weizenbaum) zu mutieren. Eine Beobachtung,  die ich im übrigen bei meinen Studenten immer wieder bestätigt finde.</p>
<blockquote><p>Josef  Weizenbaum, langjähriger Leiter des M.I.T., wendet sich ab vom  High-Tech und plädiert für eine Renaissance der Sprache und des  kritischen Denkens: “Es wird viel  geredet über Medienkompetenz. Was wir brauchen ist die Kompetenz,  kritisch zu denken und kritisch zuzuhören. Und das beruht alles auf der  Kompetenz der Sprache&#8230;. Die erste Priorität für unsere Schulen ist:  Wir müssen das kritische Denken unterstützen. Es geht darum, eine Art  Skepsis zu lehren.  Damit Kinder und Jugendliche lernen zu fragen und zu hinterfragen. Das  Wort Informationsgesellschaft &#8211; what the hell does it mean? Was ist denn  überhaupt Information? Was Sie in der Zeitung lesen, was im Computer so  rumflackert, das sind Signale. Nur der Mensch kann Informationen  herstellen. Er interpretiert diese Signale. Die Kunst zu interpretieren  ist die Kunst, kritisch zu denken.”</p></blockquote>
<p>Christoph Türcke,  Philosoph und Medientheoretiker an der HGB Leipzig, merkt an, dass sich ‘Sinn nur über den Kontext’ erschließt.  Schrift, ihres Sinns beraubt, verliert ihren Hinweischarakter als  Offenbarungsmedium und wird wie das moderne Bild zur Botschaft ihrer  selbst, zum bloßen Symbol, zum marktgerechten Werbeimpuls. &#8211; Dies lässt  sich im heutigen Schriftgebrauch &#8211; der so genannten “modernen  Typografie” &#8211; sehr häufig nachweisen.</p>
<p>Was wir also haben,  ist eine Medienkultur ohne Kompetenz. Die von der Bund-Länder-Kommission  in Auftrag gegebene Pazzini-Expertise geht in die richtige Richtung und  hat viele brauchbare Ansätze zu Tage gefördert. Sie an dieser Stelle zu  diskutieren, würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen. Dennoch einige  kurze Empfehlungen daraus:</p>
<p>Der so genannte „Delors-Bericht”  (UNESCO-Bericht zur Bildung im 21. Jahrhundert) spricht von „vier Säulen  der Bildung”:</p>
<ol>
<li>Lernen, Wissen zu erwerben</li>
<li>Lernen, zu handeln</li>
<li>Lernen, zusammen leben zu können</li>
<li>Lernen für das Leben.</li>
</ol>
<p>Es ist offensichtlich, dass hier ein Bildungsverständnis zugrunde  liegt, welches weit über ein enges Konzept schulischer und/oder  beruflicher Qualifizierung hinausgeht.</p>
<p>Max Fuchs schlägt am Ende  seiner Untersuchung zur Pazzini-Expertise „Kulturelle Bildung im  Medienzeitalter” ein Programm vor, das aus verschiedenen Förderfeldern  besteht.</p>
<p>1. Förderfeld Neues  Lernen: hier könnten innovative Projekte gefördert werden, die  den Gedanken der kulturellen (auch beruflichen) Grundbildung forcieren.  „Neues Lernen” heißt auch, Bewältigung von Komplexität, Denken in  vernetzten Strukturen. Die Integration alter und neuer Kulturtechniken  lässt erahnen, dass hier der alte pädagogische Traum eines  selbstgesteuerten Lernens kreativ umgesetzt werden kann.</p>
<p>2.  Förderfeld Neue Subjektivität: Hier sind solche Projekte zu  unterstützen, die sich auf die elementaren oder auch komplexen Prozesse  der Wahrnehmung und Bewertung, des Erkennens, der Sinnbildung einlassen.  Was heißt „Wirklichkeit”, welche „Wirklichkeit” hat wofür Relevanz, wie  schafft man eigene „Wirklichkeiten”: all dies sind relevante  Forschungsfragen, zu denen auch die Frage der Identitätsbildung mit  Hilfe Neuer Medien gehört.</p>
<p>3. Förderfeld Ästhetik – Künste und neue  Medien im Vergleich: hier hat der Verf. keine Ausführungen  gemacht, also: Schiller gegen Bill Gates? Mies van der Rohe gegen den  iPod?</p>
<p>4. Förderfeld  Zielgruppenspezifische Umgangsweisen: alt-jung; Mann-Frau;  ethnische Herkunft etc.</p>
<p>5. Förderfeld Kooperation: Entwicklung  und Erprobung neuer Kooperationen; Frage der Partizipation;  Interdisziplinäre Arbeitsansätze.</p>
<p>6. Förderfeld Qualifizierung: Neue  Modelle der Aus- und Fortbildung der Pädagogen/Multiplikatoren und der  Weiterbildung.</p>
<p>7. Förderfeld  neue und alte technische Medien: Entwicklung der Fotografie, des  Films, des Fernsehens, des Radios unter Nutzung der Neuen Medien (Anm.  des Verf.: z.B. Video on Demand, Handy-Fernsehen, etc.).</p>
<p>8. Förderfeld Information/Dokumentation:  Sichtung und Verfügbarmachen entwickelter Modelle und Programme.</p>
<p>Speziell  für den Fotografie-, DTP- und Kunst-Bereich habe ich bereits bei einem  früheren Vortrag einen Katalog der “Vermittlungspraxis” genannt, der  wesentlich aus den Säulen “Produktionsästhetik” und “Rezeptionsästhetik”  besteht und den ich an dieser Stelle zusammen fassen möchte:</p>
<p>1. Vermittlungspraxis Technik  (Produktionsästhetik)</p>
<ul>
<li>Vermittlung der digitalen Aufnahmetechniken (sofern Geräte dafür  zur Verfügung stehen).  Die Besonderheiten digitaler Kameras, One-Shot-  Verfahren, HMI-Licht u.a.</li>
<li>Vermittlung der notwendigen Hardware-Voraussetzungen  (Eingabegeräte, Prozessoergeschwindigkeit, Monitore, Ausgabegeräte,  Transfer- und Speichermedien u.a.)</li>
<li>Vermittlung von EBV-Softwarekenntnissen (welches Programm für  welchen Zweck, Techniken für Screen-Design, Web-Publishing, Techniken  für Druck-Ausgabe, Datentransfer zwischen Programmen, Dateiformate u.a.)</li>
</ul>
<p>2. Vermittlungspraxis Bildästhetik  (Rezeptionsästhetik)</p>
<p>Was ist Fotografie? &#8211; Worin besteht  die Glaubwürdigkeit eines Fotobildes? &#8211; was bewirkt, dass ein Foto  glaubwürdig erscheint? &#8211; Was ist ein schönes Bild? &#8211; Was ist ein gutes  Bild? &#8211; Was ist Design? Kommerz? Kitsch? &#8211; Sind Designer Künstler? &#8211; Was  sind reine Verfahren, was hybride? &#8211; Ist Fotografie Kunst, wenn ein  Foto 1&#215;1 m gross ist? &#8211; Worin liegt die Funktion der Zentralperspektive?  &#8211; Was geschieht, wenn die Perspektive aufgehoben wird? &#8211; ist ein  unscharfes Foto gleichbedeutend mit &#8220;schlechter Fotografie&#8221;? &#8211; was  geschieht, wenn auf einem Bild kein Gegenstand mehr zu erkennen ist?  Diese Fragen werden in thematischen Kursen innerhalb der Bereiche  Fotografie, Foto-Design, Kommunikation und Kunst behandelt und  reflektiert.</p>
<ul>
<li>Thema 1: Fotografien/Bilder sind Berichte, die einen Vorgang  schildern, ohne Berichterstatter zu benennen (z.B. Passbilder,  Objektaufnahmen für einen Katalog)</li>
<li>Thema 2: Fotografien/Bilder sind Geschichten (die narrative  Funktion, als Einzelbild, Serie, Tableau, Sequenz u.a.)</li>
<li>Thema 3: Fotografien/Zeichen/Plakate sind eindeutige Botschaften  (Semiotik: Syntax, Se-mantik, Pragmatik)</li>
<li>Thema 4: Fotografien/Bilder/Werbekampagnen sind Inszenierungen  (Irritation, Aufmerksamkeit)</li>
<li>Thema 5: Eine Welt aus 2., 3. und 4. Hand &#8211; Recycelte Bilder, die  Aura der reproduzierten Reproduktion, aus dem das Medium selbst spricht  (Copy &amp; Paste)</li>
</ul>
<p>Wer nun glaubt, mit einem solchen Instrumentarium die aufgezeigten  Probleme lösen zu können, geht natürlich fehl. Es ist die  selbstverständliche Aufgabe von Pädagogen und Lehrern, sich Gedanken  darüber zu machen, auf welche Weise Schülern (und Studenten und  Erwachsenen, muss man hinzufügen) das Lernen vermittelt werden kann.  Begreift man “Lernen” als lebenslange Aufgabe und in der Folge als die  erste Kulturtechnik schlechthin, kommt man an einer Integration aller  außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen und der uns  umgebenden kulturellen Realität nicht vorbei. Um eine Metapher aus dem  EDV-Bereich zu bemühen: neben der “Hardware” (das sind unsere  traditionellen Lehrstätten mit ihren Lehrplänen, Curricula, dem  Basiswissen) führt die “Software” (das ist das individuelle Erleben und  Erfahren, die Tradition, die Straße, der Markt) ein mindestens  gleichberechtigtes Dasein. Die Aufgabe ist nun, diese bisher  vernachlässigten Größen als gleichwertige Kulturtechnik begreifbar und  ver-mittelbar zu machen. Zugleich müssen wir uns eingestehen, dass die  Medien die Kunst überrollt haben und die “hohe” Kunst als elementare  Kulturtechnik der Bildung ausgedient hat. Diese hat im Museum ihren  Platz gefunden, und vor den Museumstüren tobt das Leben.</p>
<p>Das  Schlusswort überlasse ich Thomas E. Schmidt, der mit seinem ebenso  brillianten wie messerscharfen Essay “Mit der Rasierklinge ins Auge”  allerdings keinen allzu großen Optimismus verbreitet:</p>
<blockquote><p>“Bedeutende Kunst steht in einem Verhältnis  misstrauischer , wenn nicht aggressiver Gleichgültigkeit zur heutigen  Gesellschaft. Die Welt soll ja gar nicht mehr ästhetisiert werden, die  Träume der Avantgarden sind ausgeträumt. Jede politisch geschürte  Kampfeslust der Künste hat sich verbraucht&#8230; Wo ein Künstler über einen  langen Zeitraum hinweg seine private Mythologie entfaltet, wo er sich  als Talkshow-Gast, als Kritiker und als Kommentator Zurückhaltung  auferlegt, da gibt es ein gewisses Indiz für das Vorkommen von Kunst&#8230;  Bestenfalls geht es in der Kunst ums geistige Überleben, um eine andere  Weise wahrzunehmen, zu fühlen, vielleicht auch zu denken. Man kann nicht  einmal benennen, worin die Belohnung des Ästhetischen für denjenigen  besteht, der sich ihm ausliefert. Große Kunst bleibt für den  gegensäkularen Zeitgeist eine schlechte Verbündete, und zwar nicht nur,  weil sie vollkommen weltlich, sondern auch, weil sie radikal  individualistisch ist: Kunst redet von Flucht, nicht von Utopie.”</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil IV: Kunst und Kultur</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 23:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Computerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Josef Pazzini]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und zugleich auf die &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-4-kunst-und-kultur/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural  Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was  Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die  “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und  zugleich auf die klassische resp. museal anerkannte Kunst hinlenkt. In  diesem Kulturbegriff gehört das Kulturelle nicht mehr zum Objekt wie  etwa der Finger zu seinem Abdruck (André Bazin zur Ontologie des  fotografischen Bildes). Vielmehr entsteht Kultur in der Spannung  zwischen Macher , Werk und Betrachter: was passiert, wenn wir etwa  durchs Museum gehen, was geschieht, wenn wir lesen oder ein Bild  betrachten? Denn wie das Verstehen selbst als produktiver Akt das  Kunstwerk erst in uns hervorbringt, redet das Werk zu uns &#8211; wenn wir es  lassen &#8211; und beeinflusst unsere Sicht der Dinge. Kultur , das ist für  Mielke Bal genau dieses Geschehen (aus: Mieke Bal: Kulturanalyse,  Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2002, Zusammenfassung aus Zeit 26/2003).<span id="more-343"></span></p>
<p>Das entspricht etwa dem aus der Semiotik bekannten Modell  “Sender-Werk-Empfänger” und  setzt voraus, dass beim Empfänger die Bereitschaft resp. Sensibilität  zur “kulturellen Annäherung resp. Auseinandersetzung” vorhanden ist.  Trotz der Bezugnahme auf die “Alltagskunst” ist bei Bal eine gewisse  Sympathie für die “hohe Kunst” (die Sinnhaftigkeit, das Lesen und  Betrachten, der Werkbegriff) nicht zu übersehen. Kultur &#8211; eine  individuelle Lebenstechnik also und damit ein Luxusgut?</p>
<p>Pazzini  grenzt den Begriff der Kultur vom “Luxus” ab und greift einen  Zusammenhang auf, der uns auch noch später begegnen wird: “Man könnte meinen, es gehe bei kultureller  Bildung um eine luxurierende Zutat. Dem ist nicht so. Kunst entsteht  nicht erst im Überfluss, sondern ist Luxus aus der Not heraus, um diese  Not zu wenden, bzw. Not nicht entstehen zu lassen”.  Konsequenterweise bezieht Pazzini den Kulturbegriff in diesem  Zusammenhang &#8211; wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste.  Das romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren (Hölderlin im Turm etwa), das seine  Herkunft vom Geist der Romantik und des Bürgertums nicht verhehlen kann,  wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier Prozesse verstanden werden, die sich in Werken  niederschlagen, die angeregt sind durch Prozesse und Werke aus den  unterschiedlichen Künsten: Musik, Bildende Kunst, Tanz, Theater ,  Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini das  Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Bildung” im Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Mit  einem so benutzten Kulturbegriff kehren wir wieder an den Ausgang jener  bürgerlich de- terminierten Epoche zurück, welche mit Kultur alle Wunden dieser Welt  glaubte heilen zu können. Seit dem 18. Jahrhundert ist die bürgerliche  Kultur mit einem umfassenden, universalen Anspruch aufgetreten. Ihre  Werte wie Leistung und Disziplin, Bildung und Benehmen, Höflichkeit und  Toleranz sollten den Maßstab für Glück und gelungenes Zusammenleben quer  durch die ganze Gesellschaft bilden. Die industrielle Arbeiterschaft  machte sich das bürgerliche Werte-, Verhaltens- und Kulturmodell seit  der Mitte des 19. Jahrhunderts als Leitbild zu Eigen und propagierte es  in ihrer eigenen Avantgarde, der sozialdemokratischen und  gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Auf historisch beispiellose Weise  partizipierten untere Schichten an der Demokratie des 20. Jahrhunderts  und ließen dadurch die Vision einer universellen bürgerlichen  Gesellschaft greifbar nahe erscheinen.</p>
<p>Seit den 60er und 70er  Jahren ist das Leitbild der Verbürgerlichung in den unteren Schichten  immer stärker zerbröckelt. Nicht zuletzt deshalb, weil das bürgerliche  Kulturmodell in den bürgerlichen Schichten selbst an Überzeugungskraft  einbüßte. Zugleich löste sich die alte Klassengesellschaft auf, die eng  an die jeweilige Arbeit des Menschen gekoppelt war . Damit war auch die  Auflösung der kulturellen Identität verbunden. Thomas E. Schmidt setzt  im Kern bei dem romantisch-bürgerlichen Künstlerbild an, zieht aber eine  gänzlich andere Schlussfolgerung wie Pazzini, weil dieses Bild für die  heutige Zeit nicht mehr passt. Sein pessimistisches Fazit ist für  jedwelchen Ansatz zur Etablierung “Kultureller Bildung” partout nicht  geeignet: “Die Wahrheit ist: Kunst und Kultur sind zwei vollkommen  unterschiedliche Formen des Lebens. Kultur ist für sich auch wichtig,  aber sie ist weiß Gott nicht die Schiene, auf der die Kunst in die  Gesellschaft flutscht und mit ihr der vermisste Sinn des Ganzen.  Außerdem ist Kunst etwas, das nur selten vorkommt, viel seltener, als  die meisten  vermuten. Und sie macht das Leben auch nicht leichter für den, der sich  auf sie einlässt, sondern eher schwieriger. sie verkompliziert das  Dasein. Auf schmerzliche Weise konfrontiert sie mit den Gebresten (den  Nöten, der Verf.) des eigenen Ich. Sie sorgt nicht für soziale  Gleichheit und stiftet keine Gemeinschaften im Zeichen irgendeines  weltanschaulichen Konsenses.”</p>
<p>Genau das aber &#8211; soziale  Gleichheit, Gemeinschaft, weltanschaulicher Konsens und Toleranz &#8211; sind  die Ziele, die sich mit kultureller Bildung &#8211; gleichsam als Nebenprodukt  von Pisa &#8211; verbinden. Wie nun soll diese eingelöst werden, wenn Kunst  offensichtlich ein höchst subjektives, und dazu noch schmerzhaftes Tun  ist (sowohl für den Sender als auch den Empfänger)? Der ausschließliche  Bezug auf die Künste scheint hierbei wenig tauglich zu sein, und dennoch  schrauben sich die Ansprüche, die von der Kultur an die Kunst gerichtet  werden, immer höher: Kunst soll den Stress der modernen Gesellschaften  lindern, sie soll Sinn stiften, möglichst normative Eindeutigkeit  herstellen und zuletzt auch noch die Kinder zu Friedensengeln erziehen.</p>
<p>Pius  Knüsel gibt diesem Anspruch den letzten Rest und fordert zugleich die  Kenntnisnahme der Kultur von allen für Alle, im Ergebnis also die  Akzeptanz der “niedrigen” Künste, der vermeintlichen “Verdummung”:  Kulturbetriebe, öffentlich oder privat, müssten sich wie  Unterhaltungsbetriebe gebärden, brauchten Events und Skandale und  müssten sich nach dem Publikum strecken. Als Selbstverteidigung betreibe  das kulturelle Establishment eine noch schärfere Trennung von Kunst und  Unterhaltung, von Geist und Kommerz. Kulturpolitik, auf Breite  angelegt, verenge sich auf die Förderung der Künstler , auf Seinshilfe  für das Schwierige und Unverstandene. Der Innovation verschrieben,  schließe sie weite Bereiche von der Kunst aus, indem sie das in den 70er  Jahren so beklagte Gefälle zwischen hoher und niedriger Kunst bestärke.  Knüsel: “Sie intellektualisiert den Kunstgenuss, indem sie Kunst zu  einer von der Bildung abhängigen Verstehensleistung emporhebt und  Emotionalität als Anzeichen von Kitsch deutet; sie rehabilitiert die  Elite und verteufelt den Erfolg, sie negiert die Tradition als ordnende  Kraft und verachtet das Populäre&#8230;&#8230;.Die Entwicklung hat, und hier  liegt die eigentliche Tragik, zu einer fundamentalen Umdeutung des  Kunstbegriffs geführt: Kunst kann nur dort sein, wo auch Subvention ist.  Alles andere ist Kommerz, Folklorismus oder Entertainment”.</p>
<p>Auf  der einen Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der  hohen Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr  ausschließlich aus dem ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern  vielmehr durch den neuen “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und  Showbusiness repräsentiert wird), auf der anderen Seite steht die  triviale Pop-, Design- und Kitschkultur , die mit kultureller Bildung  offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber mit der der moderne  Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>In enger  Beziehung zum subkulturellen Charakter dieser Trivialkultur steht das  PISA-Ergebnis, dass rund 1/4 der deutschen Schüler die  Basis-Kulturtechniken Lesen und Schreiben nicht beherrschen und nicht in  der Lage sind, eine Bewerbung selbst zu schreiben. Dass dieses Defizit  vor allem auch an sozialer Ungerechtigkeit liegt, wurde mit PISA  gezeigt, über die Herkunft dieses Viertels darf spekuliert werden, die  Richtung liegt jedoch nahe: unten. Womit wir wieder bei der Verbindung  zwischen Kultur und Not wären, und damit ein Erklärungsmuster für den  Siegeszug der Medien hätten.Tatsächlich stehen Kultur und Not in einem  engen Zusammenhang: Nach Adolf Muschg haben-Menschen höheren Aufwand  treiben gelernt, um sich gröberen vom Hals zu halten. Der Sammelbegriff  für diese Aktivität sei &#8216;Kultur’ , die sich nicht in bloßer Ökonomie  erschöpfe. Kultur in vollem Wortsinn gebe es nicht ohne Überfluss und  fange vielleicht erst da richtig an, wo dieser Überfluss nötig,  notwendig, lebenswichtig gefunden wird.</p>
<p>Der Bedeutungsverlust der  Arbeit (nicht nur in Form von Arbeitslosigkeit oder  Wochenstunden-Quantität, sondern in der verbreiteten gesellschaftlichen  Minderschätzung als Job) haben ebenfalls dazu beigetragen, dass  persönliche Identität und soziale Zugehörigkeit in wachsendem Maße  kulturell statt sozialökonomisch definiert werden. Deshalb ist die neue  Massenkultur zugleich zu einer Klassenkultur der neuen Unterschichten &#8211;  Sub-Kultur oder Sub-Proletariat genannt &#8211; geworden.</p>
<p>Das  Freizeitverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen war in den  letzten Jahren  tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt. Zentral ist dabei vor allem die  wachsende Bedeutung der Medien für die Gestaltung der Freizeit. Die  neuen Unterschichten werden fast ausschließlich von den Medien gespeist  und bedient. Ob Fast Food oder Pay-TV, Nike oder H&amp;M, Rapper 50 Cent  oder auch Sir Simon Rattle: alles ist Kultur , und mit Kultur lässt  sich alles verkaufen und verramschen.</p>
<p>In diesem Kontext stehen  auch die Segnungen der Markenmultis und des Designs, hier vor allem des  industriell gefertigten Designs, das eigentlich in der Lage sein sollte,  die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu  ermöglichen (wie z. B. noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von  ungefähr ist heute alles Design, was in irgendeiner Weise gefertigt  wird, ob Hair-Design,  Schmuck- oder Fingernagel-Design, Grafik- oder  Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design, vom Food-Design ganz zu schweigen.  Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem Jugendliche über  Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen. Während die einen also eine neue “Leitkultur”  einfordern und ihre ästhetischen Gärten sorgsam pflegen (das ist die  eingangs erwähnte “Kulturseligkeit” des Establishments), reklamieren  andere gerade die Ausdehnung des Kulturbegriffs auf die Massen.</p>
<p>Dazu  schreibt Paul Nolte in der Leitkultur-Position: “Wir stehen vor einem  Neubeginn, einem  Paradigmenwechsel im politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind  zu lange einem  Konzept gefolgt, das man als fürsorgliche Vernachlässigung bezeichnen  könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge der  Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und kultureller  Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein, Kulturen der Armut und  der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der Unselbstständigkeit nicht  sich selbst zu überlassen, sondern sich einzumischen, sie  herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um Integration in die  Mehrheitsgesellschaft, aber auch &#8211; für viele ein heikleres Thema &#8211; um  die Vermittlung kultureller Standards und Leitbilder &#8230; Die  Bildungspolitik ist wahrscheinlich das wichtigste Feld, auf dem ein  gewisser Integrationszwang ausgeübt werden muss &#8211; siehe die Debatte um  deutsche Sprachkompetenz und rechtzeitige Sprachförderung”.</p>
<p>So  sei Literatur nicht nur Goethe, Mozart auf seine Weise auch Pop. Und  doch könnten wir der Frage nach der Bewertung und Rangordnung von Kultur  nicht ausweichen. Lesen sei tatsächlich besser als Fernsehen oder  Gameboy, und die Lektüre eines guten Romans oder Sachbuchs wiederum  besser als die von Trivialliteratur oder der allgegenwärtigen Ratgeber .  Besser habe dabei nichts mit Bildungsdünkel zu tun, sondern lasse sich  konkret übersetzen in: Kreativität fördernd, soziale Kompetenzen  stärkend, individuelle Chancen eröffnend”. Es überrascht nicht, wenn  Nolte am Ende feststellt: “Es ist kein Zufall, dass dieser kulturelle  Katalog eine bürgerliche Herkunft und auch weiterhin ein bürgerliches  Gepräge besitzt.” (Paul Nolte, Zeit 52/2003)</p>
<p>Gegen dieses  “bürgerliche Gepräge” der Kultur argumentiert Pius Knüsel, indem er  fordert,  dass kulturelle Intelligenz erst dann möglich wird, wenn der Großteil  der Bevölkerung von der Kultur eben nicht ausgeschlossen wird, wenn  begriffen wird, dass Kultur zum Großteil vor , und nicht hinter den  Museumstüren stattfindet: “In der Club-Music, am Computer , in den  Weblogs, den Online-Games, den Jugendhäusern und den Amateurtheatern und  Freizeitorchestern und  den TV-Serien manifestiert sich Kultur genauso wie im experimentellen  Video; ihre scheinbare Einfachheit behindert ihre Aussagekraft nicht, im  Gegenteil. &#8230;&#8230; Dabei ist klar , dass Computerspiele eine prägende  Kulturform der Gegenwart sind. Dass jeder dritte Jugendliche sich  intensiv damit beschäftigt. Und dass Games ganz wichtige  Projektionsflächen sind für Verhaltensmodelle. Dass sie die Wahrnehmung  prägen und ästhetische Muster liefern, die zunehmend unsern Alltag  prägen&#8230;&#8230;.. Also muss eine zukunftsorientierte Kulturpolitik sich  damit auseinander setzen. Sie muss sich nicht der Durchsetzung von  kulturellen Standards – die immer einem zufälligen Kanon entsprechen –  widmen, sondern der Hebung der Intelligenz”.</p>
<p>Zwischen der  Leitkultur einer bürgerlich kanonisierten Gesellschaft und den  subkulturellen Lebensformen einer zunehmend durch Massenmedien geprägten  Jugend liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie  Leistung, Höflichkeit und Toleranz steht die Integration durch  intelligente Einbeziehung aller Spielarten &#8211; und damit aller Mitglieder  der Gesellschaft &#8211; entgegen. &#8211; Sicher ist, dass die bürgerlich geprägte  Mittel- und Oberschicht eine moralisch-soziale Verantwortung für  Randgruppen aufbringt, ja aufbringen muss. Wie aber schafft man es,  “Rappern” oder “Gamern”die Schönheit einer Klaviersonate von Schumann  beizubringen? In diesen offenbar unversöhnlichen Positionen spiegelt  sich das ganze Dilemma der skizzierten Kulturdiskussion wider: “Geiz ist  geil” lässt sich eben nicht mit den Wertmaßstäben einer bürgerlich  geprägten Kultur verschmelzen, das eine ist Ware, das andere Kunst. Mit  anderen Worten: es geht hier um den alten Kampf des Guten gegen das  Böse.</p>
<p>So einfach ist es indes nicht, denn der Übergang von der  traditionell-bürgerlichen zur modernen multikulturellen Gesellschaft  lässt zwar viel Raum für solchermaßen polarisierende Planspiele, hat  aber keinen Platz für die wichtigste Voraussetzung von Kultur , nämlich  die Identität. Übrig bleibt nur noch ein leerer Rahmen für kurze und  laute Identifizierungen, die so schnell wechseln wie die Marken in den  Medien.</p>
<p>In einem bemerkenswerten Essay zu Kafka und Moderne  schreibt Zafer Senocak: “In der modernen Welt denkt man nicht mehr , um  dazuzugehören, sondern um sich abzusondern. Gemeinschaft ist nur  möglich, wenn Denken ersetzt wird von einer Chiffrierung des Geistes, in  der das Formelhafte das Prozesshafte ablöst, nicht hinterfragbare  Symbole allgewaltig Macht ausüben und die innere Struktur des Ich von  außen nicht mehr erreichbar ist&#8230;.. Es ist der Grundzustand der  modernen menschlichen Seele, die in einem immer leistungsfähigeren  Kör-per ein Exilantendasein führt.” (TAZ vom 25.1.2004)</p>
<p>Denken  wir an die zu einem einzigen Werbeträger umfunktionierte moderne  Gesellschaft und die durch Marken identifizierte Jugend, wird die  kulturelle Bedeutung des Symbols &#8211; des Logos, des Markenzeichens &#8211;  offensichtlich. Lassen wir andererseits die schmerzhafte Erkenntnis zu,  dass sich die uns vertrauten Strukturen in allen Bereichen des Lebens in  Auflösung befinden, uns der historische Boden unter den Füßen  weggerissen und die Tradition kein Garant für Kultur und Bildung mehr  ist, entschwindet das Fundament für Identität. “Wenn die Sprache ihre  Deutungshoheit über die Zeichen verliert”, schreibt Zafer Senocak weiter  , “zieht sich die Überlieferung der Tradition auf Symbole zurück”. Die  einzige Funktion des Symbols ist die einer Markierung, indem es die  gesetzte, vorgeschriebene Identität markiert. Durch den Verlust der  Tradition und deren einstige Gesetze entstehen Angst und  Orientierungslosigkeit, die wiederum durch schnelllebige  Marken-Identifikationen und flüchtige Reize sublimiert werden. 1970  verkleideten sich Terroristen als Spießer , um nicht aufzufallen. Heute  werden Models als Terroristen verkleidet, um aufzufallen. Mittlerweile  ist auch die RAF zu einem Pop-Phänomen geworden. In dem Film “Baader”  erscheint Baader als cooler Dandy, posieren Models als Terroristen. Da  liegt dann der tote Schleyer im Kofferraum, daneben stehen zwei Models,  Andreas und Gudrun, und im Text heißt es: “Andreas trägt Sandalen von  Woolworth&#8230;..”</p>
<p>In der noch immer zunehmenden und kaum noch zu  entkommenden Überflutung durch Medien, Waren und Werbung gewinnen alte  Werte allerdings neue Bedeutung. Die Religion ist wieder ein ernst zu  nehmender Zufluchtsort, aber auch die Kunst, und damit einhergehend die  Tradition und Identität. So groß ist das Unbehagen an der Welt, dass der  Verfall der Moral, die Zerstörung der Welt durch die Globalisierung,  die Verschmutzung der Städte und des Geistes durch Werbung, die  Auswüchse der Wissenschaft, die Verblödung der Massen, kurz: die alles  umfassende Sinnentleerung anscheinend nur noch durch eine Rhetorik des  Hochheiligen oder des Letztgültigen im Zaum gehalten werden kann.</p>
<p>Ob  Pabst-krankheit, Pabst-tod, Pabst-wahl, Pabst-krönung, Pabst-andachten  bei kirchlichen Massenveranstaltungen, oder die langen Schlangen vor den  Museumstüren bei den großen  Werken der Kunst: hier bahnt sich ein Paradigmenwechsel an, eine neue  Sinnsuche. Inmitten dieses gleitenden Übergangs markiert die Kunst eine  Grenze. Sie ist weltlich, aber es umgibt sie mehr denn je eine Aura die  Gegenwart überschreitender, transzendenter Wahrheit. Noch immer bildet  sie den geistigen Mittelpunkt des geltenden Kulturbegriffs: Ars longa,  vita brevis, die Kunst währt lange, das Leben kurz.</p>
<p>Die Realität  zeitgenössischer Kunst aber heißt nicht “große Kunst”, sondern Anpassung  an den großen, satt machenden Kulturbetrieb. Milliarden fließen  jährlich in ihn hinein &#8211; und für viele wieder heraus. Für seine  Protagonisten lautet die Devise daher, dem Publikum gefallen statt es  aufzuklären, die Schönheit inszenieren statt politischer Information,  Service und Kundenfreundlichkeit statt Reflexion. Nie zuvor hatten so  viele Menschen Gelegenheit, Kunst wahrzunehmen und Kunst zu erleben; auf  der Produktionsseite als Künstler zu leben mit der einzigartigen  Chance, über die Medien ein tausendfaches Publikum zu erreichen.</p>
<p>Die  Kunst ist zweckfrei, ihre Freiheit durch das Grundgesetz geschützt.  Theoretisch müssten  wir in einem goldenen Zeitalter leben, aber der überwiegende Anteil an  der zeitgenössischen  Kunst ist nichts anderes als &#8211; Kunstgewerbe oder schlichtweg Schrott. Es  wird hergestellt und produziert, was das Zeug hält &#8211; um den Markt der  Bücher, Kunsthandlungen und Galerien zu bedienen, oder auch nur, um den  Kulturbetrieb in seiner jetzigen Form am Leben zu erhalten. Ganz nach  dem Motto: Kultur ist affirmativ, die Kunst provokativ. Künstlerische  Provokationen und ästhetische Kontroversen sind daher nötig, aber bloß,  um die Diskussion in Schwung zu halten.  “Das Traurigste ist” sagt Franziska Augstein, Tochter des  Spiegel-Gründers, “dass man keinen Ärger mehr riskieren will.”</p>
<blockquote><p>Jörn  Vanhöfen, Leiter und Dozent der Schule “Fotografie am Schiffbauerdamm”  in Berlin, bemerkt hierzu speziell für den Bereich der Fotografie: “Neben den  äußerlichen Merkmalen hat  sich die inhaltliche Bedürfnislage der Fotografen verändert. Waren in  den 80er Jahren wesentliche Merkmale der fotografischen  Hochschulausbildung auf Autorenschaft sowie soziale und  gesellschaftliche Verortung gelegt, vertraut man heute fast  ausschließlich den eigenen gestalterischen und ästhetischen  Möglichkeiten im Sinne der Anpassung an Moden und Märkte” (Photo-News  12/2005).</p></blockquote>
<p>Darin scheint die kulturelle Funktion des Ästhetischen  zu liegen: Solange Kultur funktioniert als öffentlich sichtbare  Bestätigung, dass überhaupt noch irgendein Sinn produziert wird, dass  die Gesellschaft munter weiter plaudert und kein Blut fließt, sind auch  Politik und Wirtschaft beruhigt: So schlimm kann’s doch gar nicht sein. &#8211;  Kulturelle Kompetenz freilich wird dadurch nicht erzeugt!</p>
<blockquote><p>“Wir stehen an einem Wendepunkt”,  fasst Pius Knüsel zusammen. “Unsere  Kulturpolitik erreicht weite Teile der Gesellschaft nicht. Das gewaltig gewachsene  Angebot hat aber auch den Status des Kunstwerks wie seines Erschaffers  verändert. Letzterer ist nicht mehr der Empfänger heiliger Inspiration  mit direktem Draht zu Gott und zum Konto seines Mäzens. Er ist,  gefördert oder nicht, Anbieter eines Produkts. Genauso die  Institutionen. Alle stehen in Konkurrenz zu allen. Daraus erwächst eine  Vielfalt von Konzepten und Ansätzen, in der die Maßstäbe sich auflösen.  Alles, fast alles kann heute Kunst sein, je nach Standpunkt des  Betrachters.”</p></blockquote>
<p>Das verwirrt in der Tat!</p>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil III: Warum kulturelle Bildung im Medienzeitalter?</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 23:43:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Karl-Josef Pazzini]]></category>
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		<description><![CDATA[Zunächst ist zu klären, was Kulturelle Bildung ist. Gemäß den Richtlinien des Bundesministeriums für Frauen und Jugend/Kinder und Jugendplan des Bundes vom 20.12. 93 wäre demnach folgende Definition gültig: Kulturelle Bildung soll Kinder und Jugendliche befähigen, sich mit Kunst, Kultur &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-ueber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-3-warum-kulturelle-bildung-im-medienzeitalter/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zunächst ist zu klären, was Kulturelle Bildung ist. Gemäß den  Richtlinien des Bundesministeriums für Frauen und Jugend/Kinder und  Jugendplan des Bundes vom 20.12. 93 wäre demnach folgende Definition  gültig: Kulturelle Bildung soll Kinder und Jugendliche befähigen, sich  mit Kunst, Kultur und Alltag phantasievoll auseinanderzusetzen. Sie soll  das gestalterisch-ästhetische Handeln in den Bereichen Bildende Kunst,  Film, Fotografie, Literatur , elektronische Medien, Musik, Rhythmik,  Spiel, Tanz, Theater , Video u. a. fördern. Kulturelle Bildung soll die  Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe soziale Zusammenhänge entwickeln, das  Urteilsvermögen junger Menschen stärken und sie zur aktiven und  verantwortlichen Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen.<span id="more-310"></span></p>
<p>Dieser Definition ist unbedingt zuzustimmen, beinhaltet sie doch das  ganze Rüstzeug, um auf die bildungsrelevanten Herausforderungen des  Medienzeitalters angemessen reagieren zu können. Allein ihre  Interpretation resp. praktische Umsetzung legt ein Schatten auf den  sonst so wohlgemeinten Ansatz, der &#8211; wie am Ende aufzuzeigen sein wird &#8211;  im weiten Feld nebulöser Kulturseligkeit verschwinden wird. Bereits  Pazzini &#8211; der dieser Definition explizit zustimmt &#8211; schränkt den  theoretischen Bezugsrahmen für Kulturelle Bildung ein: “Kulturelle Bildung betont die Notwendigkeit  des Bezugs von Bildung auf die unterschiedlichen Künste. Sie ist eine  notwendige Ergänzung zu den technischen Veränderungen durch die neuen  Medien. Ohne den Bezug zu den Künsten können die Chancen der neuen  Medien nicht ausgeschöpft werden. Im Gegenteil, es besteht ohne einen  solchen Bezug die Gefahr der Verdummung und eine schon deutlich  wahrnehmbare Disqualifikation von Arbeitskräften&#8230;&#8230;”</p>
<p>Interessant  ist in diesem Zusammenhang der explizite Bezug der kulturellen Bildung  zur Kunst auf der einen, und die Disqualifizierung ihres Gegenteils &#8211;  “Verdummung” genannt &#8211; auf der anderen Seite. Dies ist für die  Definition des Begriffs “Kultur” von weit reichender Bedeutung, und kann  &#8211; wie wir später sehen werden &#8211; natürlich auch ganz anders gefasst  werden.</p>
<p>Kulturelle Bildung eröffnet die Teilhabe an Werken der  Kunst, an den in ihnen eingeschlossenen Forschungsergebnissen,  Produktionsprozessen und Rezeptionsmöglichkeiten. Sie sensibilisiert für  weit greifende Veränderungsprozesse eben durch die neuen Medien und  macht Zusammenhänge anders als begrifflich deutlich. Kulturelle Bildung  beinhaltet Möglichkeiten und Ressourcen, die in den Wissenschaften,  insbesondere den Naturwissenschaften, der Mathematik und den technisch  ausgerichteten Wissenschaften nicht oder nur untergründig zur Verfügung  stehen.</p>
<p>Wir sehen hier , dass kulturelle Bildung den  Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der Mathematik und  den technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht zugebilligt wird.  Tauglich erscheinen allein die Verfahren der Kunst resp. der ihr  zugrunde liegenden Wissenschaften wie z.B. die Kunstgeschichte, die  Semiotik oder die Medientheorie. Dies steht in einem gewissen Gegensatz  zu den Forderungen der PISA-Kommentatoren.</p>
<p>Die Veränderung und  Innovation im Medienbereich hat erhebliche Veränderungen im  institutionellen Gefüge der Bildung selbst zur Folge. Auch die  kulturellen Formen ändern sich. Das hat Konsequenzen für die Veränderung  von Wahrnehmung. Es gilt andere Wahrnehmungsmöglichkeiten zu  entwickeln. Dies zu untersuchen und zu formulieren ist Gegenstand der  unterschiedlichen Künste und kann in der meist pragmatischen Perspektive  der anderen Wissenschaften nicht oder kaum formuliert werden.</p>
<p>Das  bedeutet, dass sich im Prozess der Änderung der medialen Möglichkeiten  auch das gesamte kulturelle Umfeld, die Art und Weise, wie Subjekte auf  Objekte Bezug nehmen, zum Beispiel, wie wir privat und öffentlich  wahrnehmen, radikal ändert. Diese Veränderungen müssten durch kulturelle  Bildung erkannt und geformt werden. “Denn”,  so Pazzini weiter , “von der  Intensität und der Förderung der kulturellen Bildung hängt nicht zuletzt  auch die Konkurrenzfähigkeit unserer Gesellschaft in ökonomischer  Perspektive ab”.</p>
<blockquote><p>Dieser Gedanke entspricht dem  ökonomischen Interesse unseres derzeitigen Bundespräsidenten, der die  Bedeutung der Bildung für den Fortbestand des gesellschaftlichen  Wohlstands erkannt hat und nunmehr versucht, bei allen Beteiligten  Begeisterung für die Bildung zu wecken. Horst Köhler: “Nur mit ständig erneuertem Wissen, das wir  schnell in Entwicklung und Produktion umsetzen, werden wir uns in der  Welt der Globalisierung behaupten. Wir müssen um so viel besser sein,  wie wir teurer sind. Wir brauchen Lehrer, die darauf brennen, ihren  Schülern etwas beizubringen &#8211; und Schüler , die sich begeistern lassen.  Wir brauchen Eltern, die ihre Kinder zur Wissbegierde erziehen und auch  einmal verstehen, wenn nach dem Experimentieren der Teppich ein Loch  hat. Wir brauchen Ausbilder, die Freude daran wecken, ein Handwerk  wirklich zu beherrschen. So kommen solides Wissen und kritisches Denken,  Neugier und Experimentierfreude in die Welt.”</p></blockquote>
<p>Aber wie  motiviert man Hauptschullehrer, seine besten Schüler so fit zu machen,  dass sie auf die Realschule kommen, weil sie dann ihre Leistungsträger  los sind? Und der Gymnasiallehrer kann weiter nach der typisch deutschen  Devise verfahren: Mein Unterricht ist gut, ich habe nur die falschen  Schüler.</p>
<p>Pius Knüsel, Direktor der Schweizer Kulturstiftung “Pro  Helvetia”, ergänzt diese Perspektive aus kulturpolitischer Sicht: “Draussen wartet das grosse Publikum. Die  Politik, mit der Evaluation der Staatstätigkeit im weitesten Sinne  befasst, konstatiert: Nur etwa 5% der Bevölkerung nutzen die kulturellen  Angebote intensiv, 45% selten, 50% nie. Die eben publizierte Statistik  zum Freizeitverhalten besagt, dass ein Drittel nie, die Hälfte nur sehr  selten Theater , Oper oder Museen von innen sieht. Auch dem Kino geht’s  mit 71% (Fast-) Abstinenten nicht besser (bezogen auf die Schweiz,  Statistik von 2003).&#8221;</p>
<p>Knüsel reicht die von Pazzini  geforderte Kulturelle Bildung nicht aus und fordert darüber hinaus  “Kulturelle Intelligenz” ein: “Um  kulturelle Intelligenz fördern zu können, benötigt Kulturpolitik erst  mal einen andern Kunstbegriff. Nicht Kultur der wenigen für alle kann  das Thema sein, sondern Kultur von allen für alle. Kulturpolitik muss  mehr sein als Kunstpolitik; die Förderung des professionellen  künstlerischen Schaffens kann nur ein Bruchstück sein daraus. Als  zweites müssen wir uns entscheiden, welche Wirkungen wir mit  Kulturförderung erreichen wollen. Wenn z.B. der ideale Citoyen kulturell  gebildet ist, dann muss kulturelle Bildung einen Schlüsselplatz in den  Lehrplänen aller Stufen einnehmen. Hier verzeichnen wir unter dem Druck  von PISA und wirtschaftlichen Ansprüchen nur noch Rückschritte.”</p>
<p>Damit  sind einige elementare Feststellungen getroffen, mit denen wir in die  nächste Runde gehen und die Frage stellen können: was ist Kultur , was  ist Kunst?</p>
<ol>
<li>PISA hat bewiesen, dass die deutschen Schüler besser geworden  sind, allerdings nur in Mathe und in den Naturwissenschaften, bei den  grundlegenden Fächern Lesen und Schreiben hat sich nichts getan.</li>
<li>Forscher und Politiker sind sich einig, dass sich in der Bildung,  im Schulsystem etwas ändern muss, über das Wie gehen die Meinungen  allerdings weit auseinander.</li>
<li>Bildung nach PISA führt nur zu einer Olympiade der Leistung, die  sich auf die Kernfächer  konzentriert. Sie schließt vor allem sozial Schwache aus und führt zur  Ellenbogengesellschaft. Bildung darf nicht auf die Basisfächer  beschränkt bleiben, sondern muss insbesondere im Zeitalter der Neuen  Medien die “Kulturelle Bildung” berücksichtigen.</li>
<li>Kulturelle Bildung benötigt den Bezug zu den Künsten.</li>
<li>Weite Teile der Bevölkerung sind von kultureller Bildung  ausgeschlossen, weil diese sich an der Kunst orientiert. Kulturelle  Intelligenz wäre Kultur von allen für alle.</li>
</ol>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil II</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 22:41:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was ist PISA? Pisa untersucht unter anderem die Lesekompetenz, die mathematische und die naturwissenschaftliche Grundbildung von 15−jährigen Schülern. Bei der Pisa−Erhebung 2003 stand die Mathematik im Mittelpunkt, bei der vorangegangenen Untersuchung im Jahr 2000 war es das Lesen. Zusätzlich wurde &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-2/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist PISA? Pisa untersucht unter anderem die Lesekompetenz, die  mathematische und die naturwissenschaftliche Grundbildung von  15−jährigen Schülern. Bei der Pisa−Erhebung 2003 stand die Mathematik im  Mittelpunkt, bei der vorangegangenen Untersuchung im Jahr 2000 war es  das Lesen. Zusätzlich wurde 2003 die so genannte Problemlöse-kompetenz  der Schüler getestet. Der Testkonzeption liegt die Vorstellung von  lebenslangem Lernen zugrunde und betont das Verstehen und die flexible,  situationsgerechte Anwendung des Wissens.<span id="more-303"></span></p>
<p>Pisa 2000 löste bei der Veröffentlichung im Dezember 2001 in Deutschland  den so genannten Pisa-Schock aus: Die Leistungen der hiesigen Schüler  waren im internationalen Vergleich nur unteres Mittelmaß, sie sind sehr  stark an die soziale Herkunft der Schüler gekoppelt, und hierzulande ist  die »Risikogruppe« besonders groß; fast ein Viertel der Schüler genügt  den Mindestanforderungen im Lesen und Rechnen nicht. Pisa E (“E” für  Erweiterung) 2000 offenbarte dann das innerdeutsche Leistungsgefälle  (Bayern oben, Bremen unten). Pisa 2003, veröffentlicht im Dezember 2004,  zeigte eine leichte Verbesserung der deutschen Leistungen im  internationalen Vergleich. Und Pisa 2003 E macht nun den Anteil der  einzelnen Bundesländer an dieser Verbesserung sichtbar.</p>
<p><strong>Sind die Pisa−Ergebnisse wirklich so wichtig?</strong></p>
<p>Ja.  Sie zeigen, wie gut die Schüler grundlegende Kulturtechniken  beherrschen, die im Leben  gebraucht werden. Getestet werden die Lesefähigkeit, das Verständnis von  Mathematik und den Naturwissenschaften sowie die Fähigkeit zum Lösen  fächerübergreifender Probleme. Natürlich muss die Schule mehr  vermitteln, aber wer über diese Basiskompetenzen nicht verfügt, wird es  in Beruf, Familie und Gesellschaft schwer haben.</p>
<p><strong>Sind die Schüler tatsächlich besser geworden?</strong></p>
<p>Ja.  So weit die kurze Antwort. Die längere geht so: Es gibt Grund zu  vorsichtigem Optimismus. In Mathematik und in den Naturwissenschaften  sind die deutschen Schüler messbar besser geworden, kein Bundesland ist  zurückgefallen. Beim Lesen hat sich im Bundesdurchschnitt nicht viel  getan, dafür aber beieinigen Bundesländern. In allen Bereichen besser  geworden sind Sachsen−Anhalt, Bremen, Brandenburg, Sachsen und  Thüringen. In Mathematik und Naturwissenschaften legten zu: Bayern,  Mecklenburg−Vorpommern, Niedersachsen und das Saarland. In den  Naturwissenschaften verbesserten sich Nordrhein−Westfalen und  Schleswig−Holstein, Hessen in einem Teilbereich der Mathematik. Keine  nennenswerten Veränderungen gibt es in  Baden−Württemberg und Rheinland−Pfalz.</p>
<p><strong>Und was gibt es zu mäkeln?</strong></p>
<p>Deutsche  Schulen werden sozial immer ungerechter. Der PISA−Bericht zeigt: Die  soziale  Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg  eines Kindes&#8230; Bereits der erste PISA-Test hatte belegt, dass in keinem anderen  Industriestaat der Welt das  Schulsystem bei der Förderung von Arbeiter− und auch Migrantenkindern so  versagt wie in  Deutschland. Auf dem Weg zum Abitur ist in Bayern die  Chancenungleichheit besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der  Oberschicht haben dort eine 6,65 Mal größere Chance, das Gymnasium zu  besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus einem  Facharbeiterhaushalt. Und: Dort, wo die Leistung zunahm,  wuchsen auch die sozialen  Ungerechtigkeiten. Vergleichsweise sozial ausgewogen präsentieren  sich bei diesem Vergleich auch die Schulen in Niedersachsen (2,63),  Hessen (2,71) und Schleswig-Holstein (2,88).</p>
<p>Am besten schneidet  Brandenburg mit einem Wert von 2,38 ab. Das Land hatte jedoch beim  bundesweiten Vergleich der Schülerleistungen einen der letzten  PISA-Plätze belegt. Bayerns Schüler sind Spitze im Lesen, in Mathematik,  den Naturwissenschaften und im Problemlösen. Gleichzeitig ist Bayern  zusammen mit Brandenburg der deutsche Gerechtigkeitssieger &#8211; wenn es  darum geht, was etwa die Einwanderer- oder Arbeiterkinder als 15-Jährige  wissen und können. Es gelingt den Südstaatlern also am besten, wie  die Bildungsforscher sagen, die Leistung von der sozialen Herkunft zu  entkoppeln.  Andererseits baut Bayern &#8211; zusammen mit Schleswig-Holstein &#8211; die höchste  soziale Hürde vor dem Gymnasium auf. Noch immer ist der Weg über das  Gymnasium der leichteste auf dem Weg zum Abitur , dem entscheidenden  Abschluss, der den Zugang zum Studium ermöglicht. Bayern ist also  besonders ungerecht in der Übergangs- oder Abschlussgerechtigkeit. Das  ist besonders ärgerlich, weil die soziale Ungerechtigkeit tatsächlich  die klaffende Wunde unseres Schulsystems ist; das hat die erste  Pisa-Studie aus dem Jahr 2000 klar belegt.</p>
<p>Für das Hauptproblem  der deutschen Schule deutet sich noch keine befriedigende Lösung an: die  Existenz einer großen Gruppe (ein knappes Viertel) so genannter  Risikoschüler, die nicht einmal eine Bewerbung um eine Lehrstelle  schreiben können. Jahr um Jahr verlassen sie die Schule, ohne die  Chance, im Berufsleben Fuß zu fassen. In seiner Rede vor Vertretern der  Wirtschaftsverbände stellte Bundespräsident Horst Köhler am 15.3.2005  fest: “Fast 9 Prozent aller  Schülerinnen und Schüler &#8211; das sind jährlich rund 85.000 &#8211; bleiben ohne  Abschluss. Unternehmer klagen darüber, dass immer mehr Bewerber nicht  richtig rechnen und schreiben können. Unsere Schulen und Universitäten  sind im internationalen Vergleich bloß noch Mittelmaß. Wie lange wollen  wir noch zusehen?”</p>
<blockquote><p>Andreas Schleicher, Leiter der  PISA-Studie, kommentierte das PISA-Ergebnis zusammenfassend: “Sicher ist die Qualität des Unterrichts der  Schlüssel zu besseren Lernergebnissen. Aber es wäre naiv, zu glauben,  dass sich die Qualität des Unterrichts allein oder auch nur maßgeblich  mit neuen didaktischen Konzepten oder Lehrerbildungsmaßnahmen  beeinflussen ließe. Den Unterricht nachhaltig verbessern werden nur  wirksame Motivations− und Unterstützungssysteme in den Schulen, die  Lehrern und Schülern helfen, voneinander und miteinander zu lernen, und  die Perspektiven für professionelle Entwicklung bieten und Kreativität,  Innovation und Verantwortung einfordern. Das lässt sich in gegliederten  Systemen wie dem deutschen nur schwer realisieren&#8230;&#8230;..Viele der  erfolgreichen Staaten setzen heute weniger auf von oben verordnete  Maßnahmen, sondern bieten den Schulen Maßstäbe für den Erfolg von  Bildungsleistungen an, gekoppelt mit größeren Freiräumen und wirksamen  Unterstützungsinstrumenten. Sie erwarten von den Schulen dann aber auch  wesentlich mehr Verantwortung für den Bildungserfolg.” (Zeit  08/2005).</p></blockquote>
<p>Zusammenfassend ergibt sich folgende These: PISA hat zu  einem Erfolgs- und Leistungsdruck geführt, der nur die Basiskompetenzen  berücksichtigt, aber das notwendige und auch geforderte “frühe Lernen, mehr individuelle Förderung,  vergleichbare und international anerkannte Bildungsstandards, mehr  Wettbewerb und Autonomie der einzelnen Schulen und Universitäten,  Förderung in der Breite und an der Spitze, lebenslanges Lernen”  in der notwendigen Breite nicht ermöglicht. PISA resp. seine  Kommentatoren verkennen, dass Bildung heute eine weithin von den Medien  abhängige Kulturtechnik ist, die sich außerhalb der Institution Schule  resp. Universität ereignet und auch dort erworben (oder auch nicht  erworben) wird. Die Fragestellung muss also lauten, wo findet Kulturelle  Bildung statt, welche sind ihre Bedingungen, welches ihre Qualitäten?  Um diese Fragen geht es im folgenden Kapitel, das sich auf die Expertise  „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211;  Länder &#8211; Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung im  Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, verfasst von  Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg, Juli 1999, stützt.</p>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil I</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Mar 2009 22:16:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über PISA zu sprechen, scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, wo wir uns zuallererst mit Fotografie befassen möchten. Sie wundern sich vielleicht? Das würde ich an ihrer Stelle auch tun, aber Schreiben und Lesen hat substanziell auch etwas mit Bilderzeugung &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-ueber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-1/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über PISA zu sprechen, scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, wo wir  uns zuallererst mit Fotografie befassen möchten. Sie wundern sich  vielleicht? Das würde ich an ihrer Stelle auch tun, aber Schreiben und  Lesen hat substanziell auch etwas mit Bilderzeugung und  Bildinterpretation zu tun. Weil unser Leben zunehmend mit Millionen von  Bildern überschüttet, von Bildern gelenkt und durch Bilder bestimmt wird  &#8211; egal wo wir auf sie treffen &#8211; liegt es nicht fern, dass wir lernen  müssen, die Bilder zu verstehen.</p>
<p>Mehr noch: da Bilder nicht mehr  nur noch als Bild auftauchen, sondern als Ersatz für Texte und oft  verkleidet und getarnt als multimediales Medienprodukt, müssen wir  lernen, diese neuen Sprachformen zu dechiffrieren, um uns in dem  fließenden Strom der Bilder zurecht zu finden.<span id="more-294"></span></p>
<p>Es ist daher  legitim, hier von der Notwendigkeit einer neuen Kulturtechnik zu  sprechen: kulturelle Kompetenz. Und weil eine solche Kompetenz in den  Lehrplänen der Kultusminister und im täglichen Schulunterricht nicht  vorkommt, hat auch PISA unmittelbar damit etwas zu tun. Sie wundern sich  jetzt nicht mehr? Gut so, denn diese Aufmerksamkeit werden Sie im  folgenden auch brauchen.</p>
<p>Mit Fragen dieser Art beschäftige ich  mich schon lange. 1994 habe ich in dem Vortrag “DER FRAGENDE BLICK &#8211;  Anmerkung zur Fotografie” die aufkommende Unsicherheit beim Übergang zur  digitalen Fotografie thematisiert. Damals ging es um ein neues  Selbstverständnis für das Mediums am Ende der “alten Fotografie”. Der  Verlust des Glaubens an die Fotografie als Fotografie spielte hierbei  die größte Rolle. Die einstmals scharfen Grenzen zwischen den  künstlerischen und kreativen Disziplinen &#8211; sei es Malerei, Plastik,  Design oder eben Fotografie – waren und sind überflüssig geworden, die  Begriffe &#8220;Interkunst&#8221; oder &#8220;MultiMedia&#8221; sind Kennzeichen dieses  Auflösungsprozesses.</p>
<p>Zugleich waren sie zum Synonym für einen  allgemeinen Kunstbegriff geworden, der auch heute keine autonome  künstlerische Disziplin mehr kennt. Und das war damals der eigentliche  Schock (heute hat man sich daran gewöhnt und arbeitet entsprechend  “multimedial”).</p>
<p>Dieser Schock ist zweifellos eine Frage der  Rezeptionsästhetik, also der Wirkung und Interpretation von Bildern.  Damit wollte ich deutlich machen, dass nicht Technik oder neue  Technologien, sondern Ästhetik, Wahrnehmung und Interpretation die  entscheidenden Faktoren für eine Neubewertung des Mediums Fotografie  sind.</p>
<p>In weiteren Vorträgen wie “Fotografie goes Fotodesign &#8211;  Unterrichtspraktische Erfahrungen und Vorstellung von Schülerarbeiten  aus der Medienausbildung” (1998), “Didaktische Konzepte für die  Erwachsenenbildung &#8211; Zusammenspiel und Unterschiede zwischen  Traditioneller Fotografie und Digitaler Bildbearbeitung” (2003) oder der  Vorlesung “Visuelle Kommunikation” setzte ich mich mit den Bedingungen  für das Chiffrieren und Dechiffrieren von Bildern auseinander.</p>
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