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	<title>Medienkompetenz im Netz &#187; Frauen</title>
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	<description>Blog für Medienkompetenz, Kommunikation und Medienkritik</description>
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		<title>Medienkompetenz Teil III &#8211; Ästhetik als medienpädagogischer Orientierungsrahmen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2009 19:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Definition]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Baacke]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211; Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg, Juli &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-3/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle  Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211;  Kommission für Bildungsplanung  und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung  und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg,  Juli 1999.<span id="more-82"></span></p>
<p>Zunächst ist zu klären, was Kulturelle Bildung ist und  inwieweit man diesen Begriff  auf die oben dargestellte Medienkompetenz beziehen kann. Gemäß den  Richtlinien  des Bundesministeriums für Frauen und Jugend/Kinder und Jugendplan des  Bundes  vom 20.12. 93 wäre demnach folgende Definition gültig:</p>
<blockquote><p>„Kulturelle Bildung soll Kinder und  Jugendliche befähigen, sich mit Kunst, Kultur  und Alltag phantasievoll auseinanderzusetzen. Sie soll das  gestalterisch-ästhetische  Handeln in den Bereichen Bildende Kunst, Film, Fotografie, Literatur,  elektronische Medien, Musik, Rhythmik, Spiel, Tanz, Theater, Video u. a.  fördern. Kulturelle Bildung soll die Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe  soziale Zusammenhänge entwickeln, das Urteilsvermögen junger Menschen  stärken und sie zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der  Gesellschaft ermutigen.”</p></blockquote>
<p>Dieser Definition ist unbedingt  zuzustimmen, beinhaltet sie doch das ganze Rüstzeug, um auf die bildungsrelevanten Herausforderungen des  Medienzeitalters an- gemessen reagieren zu können und Medienkompetenz im oben gemeinten Sinn  herzustellen. Allein ihre Interpretation resp. praktische Umsetzung legt  ein Schatten  auf den sonst so wohlgemeinten Ansatz. Bereits Pazzini &#8211; der dieser  Definition explizit zustimmt &#8211; schränkt den theoretischen Bezugsrahmen  für Kulturelle Bildung ein:</p>
<blockquote><p>“Kulturelle  Bildung betont die Notwendigkeit des Bezugs von Bildung auf die  unterschiedlichen Künste. Sie ist eine notwendige Ergänzung zu den  technischen Veränderungen durch die neuen Medien. Ohne den Bezug zu den  Künsten können die  Chancen der neuen Medien nicht ausgeschöpft werden. Im Gegenteil, es  besteht  ohne einen solchen Bezug die Gefahr der Verdummung und eine schon  deutlich  wahrnehmbare Disqualifikation von Arbeitskräften&#8230;&#8230;”</p></blockquote>
<p>Interessant  ist in diesem Zusammenhang der explizite Bezug der kulturellen Bildung  zur Kunst auf der einen, und die Disqualifizierung ihres Gegenteils &#8211;  “Verdummung”  genannt &#8211; auf der anderen Seite. Dies ist für die Definition des  Begriffs “Kultur” von  ebenso weit reichender Bedeutung wie für die Erlangung von  Medienkompetenz.</p>
<blockquote><p>Noch einmal Pazzini: “Kulturelle Bildung eröffnet die Teilhabe an Werken der Kunst,  an den in ihnen eingeschlossenen Forschungsergebnissen,  Produktionsprozessen  und Rezeptionsmöglichkeiten. Sie sensibilisiert für weit greifende  Veränderungsprozesse eben durch die neuen Medien und macht Zusammenhänge  anders als begrifflich deutlich. Kulturelle Bildung beinhaltet  Möglichkeiten und Ressourcen, die in den  Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der Mathematik und  den  technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht oder nur untergründig zur  Verfügung stehen.”</p></blockquote>
<p>Wir sehen hier, dass kulturelle Bildung  den Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der  Mathematik und den technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht  zugebilligt wird. Tauglich erscheinen allein die Verfahren der Kunst  resp.  der ihr zugrunde liegenden (Geistes)Wissenschaften wie z.B. die  Kunstgeschichte,  die Semiotik oder die Medientheorie.</p>
<p>Konsequenterweise bezieht  Pazzini den Kulturbegriff in diesem Zusammenhang &#8211;  wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste. Das  romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren  (Hölderlin im Turm etwa), das seine Herkunft vom Geist der Romantik und  des Bürgertums nicht verhehlen kann, wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier  Prozesse verstanden werden, die sich in Werken niederschlagen, die  angeregt sind  durch Prozesse und Werke aus den unterschiedlichen Künsten: Musik,  Bildende  Kunst, Tanz, Theater, Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini  das Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Erziehung” im  Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Das steht in einem gewissen  Widerspruch zu Baackes’ Modell, das ja allein den adäquaten Gebrauch von  Medien &#8211; also die Fähigkeit zur Mediennutzung &#8211; als Teil der  Medienkompetenz anerkennt. Um den Widerspruch deutlich zu machen: Müssen   Jugendliche, die in der virtuosen Handhabung eines Joy-Sticks oder in  der perfekten  Beherrschung eines “Games” unschlagbar sind, bereits als  “medienkompentent”  bezeichnet werden? Oder sind Künstler, die zwar in der Lage sind, die  ganze Weltgeschichte in Stein zu meißeln, aber nicht die Fähigkeit haben  eine Internetseite zu  besuchen, in diesem Sinne hoffnungslos inkompetent?</p>
<p>Auf der einen  Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der hohen  Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr ausschließlich  aus dem  ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern vielmehr durch den neuen  “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness repräsentiert wird),  auf der anderen  Seite steht die triviale Pop-, Design- und Kitschkultur, die mit  kultureller Bildung offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber  mit der der moderne Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>Neil  Postman konstatiert 1988, dass jenes Medium die kulturelle Ausprägung  einer  Kultur bestimme, welches es schaffe, Gedanken im kommunikativen  Austausch am  bequemsten zu transportieren. Und jene Gedanken, die sich bequem  ausdrücken  ließen, würden dann unweigerlich zum wesentlichen Inhalt einer Kultur  (iPod, iPod,  und nochmals iPod). Deswegen seien die „Wahrheitsbegriffe  jeweils sehr eng mit  den Perspektiven bestimmter Ausdrucksformen verknüpft“. Damit  lehnt er sich eng  an Marshall McLuhans “Das Medium ist  die Botschaft” an.</p>
<p>In diesem Kontext stehen auch die  Segnungen der Markenmultis und des Designs,  hier vor allem des industriell gefertigten Designs, das eigentlich in  der Lage sein soll- te, die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die  Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu ermöglichen  (wie z. B.  noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von ungefähr ist heute alles  Design,  was in irgendeiner Weise gefertigt wird, ob Hair-Design, Schmuck- oder  Fingernagel-Design, Grafik- oder Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design,  vom Food-Design  ganz zu schweigen. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem  Jugendliche  über Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen.</p>
<p>Zwischen der Leitkultur einer bürgerlich  kanonisierten Gesellschaft und den subkulturellen Lebensformen einer  zunehmend durch Massenmedien geprägten Jugend  liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie Leistung,  Höflichkeit  und Toleranz steht die Integration durch Einbeziehung aller auch noch so  trivialen  kulturellen Auswüchse &#8211; und damit aller Mitglieder der Gesellschaft &#8211;  entgegen. Wie  aber schafft man es, “Rappern” oder “Gamern” die Schönheit einer  Klaviersonate  von Schumann beizubringen?</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil IV" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-4/">Medienkompetenz Teil IV – Die visuelle Rhetorik des Bildes / audio-visuelle Bildung</a></p>
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