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	<title>Medienkompetenz Blog &#187; Kultur</title>
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	<description>Blog für Medienkompetenz, Kommunikation und Medienkritik</description>
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		<title>Interkulturelle Kommunikation</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 09:35:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>K. Nordt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Längst sind die Mauern in Europa und zum größten Teil auch weltweit gefallen. Billigflieger und Langstreckenflugzeuge bevölkern die Lüfte und sorgen jeden Tag für einen Umschlag von tausenden von Menschen weltweit. Der  Urlauber kann meist die ersten 3 Wörter aus seinem Reiseführer stammeln, welcher schon bald die Staubflocken im Zimmer erhaschen wird. Das Arbeiten in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_242" class="wp-caption alignleft" style="width: 354px"><a href="http://hypercommerce.de/wp-content/uploads/2010/04/interkulturell.jpg"><img class="size-full wp-image-242   " title="interracial business handshake ©foto ARts" src="http://hypercommerce.de/wp-content/uploads/2010/04/interkulturell.jpg" alt="Interkulturelle Kommunikation" width="344" height="229" /></a><p class="wp-caption-text">Interkulturelle Kommunikation</p></div>
<p>Längst sind die Mauern in Europa und zum größten Teil auch weltweit gefallen. Billigflieger und Langstreckenflugzeuge bevölkern die Lüfte und sorgen jeden Tag für einen Umschlag von tausenden von Menschen weltweit.</p>
<p>Der  Urlauber kann meist die ersten 3 Wörter aus seinem Reiseführer stammeln, welcher schon bald die Staubflocken im Zimmer erhaschen wird. Das Arbeiten in einem fremden Land oder in einem internationalen Team setzt bedeutend mehr Kommunikationsfähigkeit, genau genommen interkulturelle Kompetenz, voraus, die heute immer öfter eine Anforderung im Arbeitsalltag darstellt.<span id="more-236"></span></p>
<p>Interkulturelle Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, anderen Kulturen positiv gegenüberzutreten, in interkulturellen Situationen angemessen zu kommunizieren und sein eigenes Verhalten entsprechend dem kulturellen Kontext anpassen zu können. Der Austausch auf internationaler Ebene erfordert somit besondere Kommunikations-, Handlungs- und Konfliktlösungsfähigkeiten.</p>
<p>Vor allem für Unternehmen und deren Beschäftigte erhalten interkulturelle Kompetenzen zunehmend einen höheren Stellenwert. Denn sowohl die externe Kommunikation, z. B. zu internationalen Kunden, als auch die interne Verständigung in einem multikulturellen Team erfordern Verständnis  und Toleranz für die Traditionen und die Kultur des anderen. Eine Person mit interkultureller Kompetenz muss deshalb Fertigkeiten hinsichtlich Gesprächsführung und Konfliktmanagement besitzen, damit die Kommunikation reibungslos funktioniert. Wer möchte schon unbewusst einen Skandal, wie den der Mohammed-Karikaturen provozieren? Oder mit einem Film zwei Nationen verärgern, wie 2002 mit dem James Bond Blockbuster „Die Another Day“ in Korea geschehen. Die Südkoreaner boykottierten damals 145 Kinos, in denen der 007-Film lief.</p>
<p>Für Deutschland als Zuwanderungsland, in dem laut Statistischem Jahrbuch 2009 jeder Fünfte einen Migrationshintergrund besitzt, kommt den interkulturellen Kompetenzen eine besondere Bedeutung zu. Der Forschungsschwerpunkt Interkulturelle Kompetenz der Fachhochschule Köln stellt dazu folgende These auf:</p>
<blockquote><p>„Gelingt es einer Gesellschaft nicht, solche Kompetenzen für die wichtigsten Organisationen und deren Personal zu entwickeln, wird sie (…) möglicherweise auch globale Wettbewerbsnachteile hinnehmen müssen.“</p></blockquote>
<p>Laut der Kritik von Migrationsverbänden bestehen aufgrund mangelnder interkultureller Kompetenz gegenwärtig bereits Nachteile in der deutschen Gesellschaft. Die Migrationsverbände kritisieren die mangelhafte Schulung von Lehrern in diesem Bereich und fordern die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zuge ihrer derzeitigen Bildungsreise auf, sich in Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund ein Bild zu verschaffen.</p>
<p>Doch bekanntlich, weiß jeder, dass die Mühlen der Politik langsam mahlen. Einfacher ist es sich selbst gegenüber anderen Kulturen zu öffnen und nicht nur Eindrücke von Sonne, Strand und Pool, sondern auch von der Kultur des Urlaubslandes mitzubringen und bei Bedarf abzurufen. Und wer ganz forsch ist, kann sich im Urlaub direkt in interkultureller Kommunikation üben &#8211; jeden Morgen am Pool bei der Handtuchschlacht um die Sonnenliegen.</p>
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		<title>Medienkompetenz Teil V &#8211; Medienbasiertes Lernen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 07:53:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
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		<description><![CDATA[Welche curricularen Einbettungen gibt es für Medienkompetenz fördernde Angebote? (Schule, Universitär, FH’s, EWB, Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen.) 5.1 Vermittlungspraxis Fähigkeit zur aktiven Kommunikation Erlernen und Anwenden spezifischer Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten und journalistischer Methoden; Fähigkeit zur aktiven Kommunikation mit audiovisuellen Medien von der Planung und Recherche über die Produktion und Gestaltung bis zur Fähigkeit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Welche curricularen Einbettungen gibt es für Medienkompetenz fördernde  Angebote?  (Schule, Universitär, FH’s, EWB, Projektarbeit mit Kindern  und Jugendlichen.)<br />
5.1  Vermittlungspraxis</p>
<ul>
<li>Fähigkeit zur aktiven Kommunikation</li>
<li>Erlernen und Anwenden spezifischer Ausdrucks- und  Gestaltungsmöglichkeiten  und journalistischer Methoden; Fähigkeit zur aktiven Kommunikation mit  audiovisuellen Medien von der Planung und Recherche über die Produktion  und Gestaltung  bis zur Fähigkeit der Verbreitung eigener audiovisueller Erzeugnisse.</li>
<li>Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen</li>
<li>Fähigkeit im Umgang mit den technischen und den organisatorischen  Bedingun- gen von der schriftlichen Fixierung bis zur Organisation und Verbreitung  der eigenen  Medienprodukte.</li>
<li>Kompetente Rezeption</li>
<li>Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung, verbunden mit der  Fähigkeit zur Filterung und Analyse audiovisueller Informationen</li>
<li>Vermittlung von Format- und Genrewissen</li>
</ul>
<p><span id="more-94"></span><br />
5.2 Medienbasiertes Lernen<br />
Konzeption  und Gestaltung medienbasierten Lernens: Leitfragen für die  Entwicklung eines virtuellen Lernszenarios, Bedarfserfassung:</p>
<ul>
<li>Welche Inhalte bzw. Kompetenzziele sollen vermittelt werden?</li>
<li>Wieviele Lernende sollen geschult werden?</li>
<li>Verfügen diese über ausreichend technische und methodische  Kompetenzen, um  Neue Medien für ihr Lernziel erfolgreich nutzen zu können?</li>
<li>Welche organisatorischen Rahmenbedingungen sind zu  berücksichtigen?</li>
</ul>
<p>Konzeptentwicklung</p>
<ul>
<li>Welche Vermittlungsmethoden sollen angewandt werden? Systematische  darbietende Wissensvermittlung (Vorlesung, Frontalunterricht) oder  problemorientierter  Wissenserwerb (Übung, Praktikum, Seminar)?</li>
<li>Welche Form des Medieneinsatzes soll realisiert werden?  (Anreicherungskonzept,  integratives Konzept, virtuelles Konzept)</li>
<li>Wie soll die gesamte Lehrveranstaltung organisiert sein?</li>
<li>Welche Kommunikationskanäle sollen genutzt werden und wofür?</li>
<li>Welche Möglichkeiten soll die medienbasierte Lernumgebung bieten?</li>
</ul>
<p>Ressourcenplanung</p>
<ul>
<li>Notwendige personellen Ressourcen für eine qualitativ hochwertige  Realisierung  der medienbasierten Veranstaltung</li>
<li>Erforderliche Infrastruktur, Hardware, Software</li>
<li>Zeitraum der Realisierung</li>
</ul>
<p>Rollenverteilung und  Qualifizierungsplan</p>
<ul>
<li>Über welche notwendigen Voraussetzungen verfügen die Lernenden?  Welche Ein- schulungsmaßnahmen sind erforderlich?</li>
<li>Welche Rollen und Aufgaben übernehmen Lehrende?</li>
<li>Erforderliche Kompetenzen von Tutoren</li>
<li>Erforderliche Kompetenzen von Autoren</li>
<li>TechnikexpertInnen zur Einrichtung und Wartung der erforderlichen  Hard- und  Software-Tools</li>
</ul>
<p>Contententwicklung</p>
<ul>
<li>Empfehlungen zur Vorgehensweise bei der Contententwicklung</li>
<li>Gestaltung von selbstinstruierenden Online-Materialien Kontinuierliche Betreuung der Lernenden</li>
<li>Strategien zum Schnittstellenmanagement</li>
<li>Unterstützung in technischen, methodischen und inhaltlichen Fragen</li>
<li>Möglichkeiten und Anregung zur Teamarbeit</li>
<li>Unterstützung beim Aufbau von Lernstrategien</li>
</ul>
<p>5.3 Projekte / Projektarbeit /  Themenauswahl</p>
<ul>
<li>Medienkompetenz als zentrales Operationsfeld von Projekten</li>
<li>Neue Medien und kulturelle Bildung  • Medienkompetenz als präventiver Jugendschutz</li>
<li>Projekte als Formen der Medienarbeit</li>
<li>Alice im Cyberland</li>
<li>Baukasten &#8220;Kinder und Werbung&#8221;. Medienkompetenz für Kindergarten,  Grund- schule und Familie</li>
<li>Das digitale Kinder− und Jugendmuseum</li>
<li>Games bis Augen weg</li>
<li>In eigener Regie</li>
<li>news 4u – Journalistentraining für Youngster</li>
</ul>
<p>5.4. Praktischer Ansatz: Lernen  durch Zeichenarten</p>
<p>1. Das  Bild: Das Bild &#8211; bildet das Objekt mit hoher Übereinstimmung ab.  Seine Information kann  unmittelbar erfasst werden. z.B. Fotos, Gemälde, Grafiken.</p>
<p>2.  Das Wappen: Wappen und Fahnen fungieren als Erkennungsmerkmal  oder Zugehörigkeitszeichen  für Gruppen oder Stände. Die Informationsübermittlung erfolgt indirekt,  d.h. erst  nach einem Lernprozess. z.B. Stadtwappen von Dresden oder Fahne der europäischen Gemeinschaft.</p>
<p>3. Das Piktogramm: Unter einem  Piktogramm versteht man &#8211; im erweiterten Sinn &#8211; ein Bildsymbol, im  engeren Sinn ein formelhaftes, für alle Sprachen verständliches Symbol.  Der Begriff  setzt sich aus dem lateinischen &#8220;pictus&#8221; (=Bild) und dem griechischem  &#8220;gramm&#8221;  (=Geschriebenes) zusammen und bedeutet soviel wie schriftliches Bild.  Seine Infor- mation erschließt sich direkt und ist weitestgehend multikulturell  erfassbar. z.B. Piktogramm für Information.</p>
<p>4.  Das Icon: Ein Icon in der Informatik steht für ein bildhaftes  Symbol in einer grafischen Benut- zeroberfläche eines Programms oder einer Anwendung. Mit ihm verbindet  sich  meist eine bestimmte Funktion oder Operation (z.B. dem Zuweisen eines  Attribut- wertes zu einem Absatz). Seine Information erschließt sich im  Zusammenhang oder  Zusammenspiel mit dem Objekt. z.B. Icon des Internet-Explorer.</p>
<p>5.  Die Schrift: Die Schrift ist die abstrakteste und  multivariabelste Zeichenform. Sie wird in ihrer  Vielfältigkeit von keinem  Zeichen erreicht. Seine Information muss  erlernt werden  und erschließt sich über einen Dekodierungsprozess indirekt. z.B. Garamond.</p>
<p>6. Das Signet:  Ein Signet ist eine Kennzeichnung des Produktes oder der Leistung einer  Institution  mittels sprachlichem (Schrift) oder bildlichem Mittel. Die  Informationsübermittlung  erfolgt indirekt nach einem Lernprozess.z.B. Schriftzug Coca Cola oder  Nike &#8211; Signet.</p>
<p>7. Das Symbol: Symbole sind visuelle  Zeichen, die keinen direkten Bezug oder  mit dem darzustel- lenden Objekt haben. Seine Information muss erlernt werden. z.B. Additionszeichen.</p>
<p>8. Das  Signal: Signale werden immer dort benötigt und eingesetzt, wo ein  Handeln oder unmittel- bares Reagieren auf eine Gefahr, ein Verbot oder eine Anweisung erfolgen  soll. Die  Informationsübertragung erfolgt weitestgehend direkt und besonders mit  dem Mit- teln von Farbe und Form. Manchmal ist aber auch ein Lernprozess  notwendig. z.B. Gefahrenzeichen und Verkehrszeichen.</p>
<p>9: Das Diagramm: Diagramme sind  Zeichen zur Darstellung von Sachverhalten und Abläufen. Dia- gramme visualisieren meistens Zahlen und Statistiken. Die  Informationsübermittlung  erfolgt direkt. z.B. Liniendiagramm des DAX, Hertzsprung-Russell-Diagramm.</p>
<p>10. Die Karte: Karten sind  geografische oder topografische Darstellungen. Erkennbare Formen  werden als Umrisse dargestellt. Die Informationsübermittlung erfolgt  direkt. z.B. Stadtplan von Dresden oder Wetterkarte von Deutschland.</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil VI" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-6/">Medienkompetenz Teil VI – künstlerisch intendierte Medienprojekte</a></p>
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		<title>Medienkompetenz Teil IV &#8211; Die visuelle Rhetorik des Bildes / audio-visuelle Bildung</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 07:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Untersuchung einer Bildsprache, die den Fokus nicht auf die Fotografiegeschichte und die Besten ihrer Repräsentanten legt, muss sich zwangsläufig mit den medialen Distributationskanälen einschließlich ihrer wildesten Auswüchse befassen. Die Anleitung in einer Fachzeitschrift „Ein Bild machen à la Monet mit 3 Klicks!“, ist exemplarischer Ausdruck einer radikal veränderten Produktions- und Rezeptionsästhetik, die kein Innehalten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Untersuchung einer Bildsprache, die den Fokus nicht auf die  Fotografiegeschichte und die Besten ihrer Repräsentanten legt, muss sich  zwangsläufig mit den medialen Distributationskanälen einschließlich  ihrer wildesten Auswüchse befassen. Die  Anleitung in einer Fachzeitschrift „Ein Bild machen à la Monet mit 3  Klicks!“, ist exemplarischer Ausdruck einer radikal veränderten  Produktions- und Rezeptionsästhetik, die kein Innehalten mehr kennt:  Vilém Flussers kritische Vision von 1981,  nämlich die einer an den Funktionen der Programme und der Distribution  der Information orientierten Kreativitätspraxis, hat heute in der  Endlosschleife des product placement seine adäquate Ausdrucksform  gefunden. Gleichwohl bestimmt diese &#8211;  wie gerade aufgezeigt &#8211; zunehmend unsere kulturelle Identität.<span id="more-86"></span></p>
<p>Ein Großteil der Anstrengungen in der heutigen Medienkultur dient in  erster Linie  der Bildung von Identifizierungen. Massenkultur und Schnelllebigkeit  sind ihrem  Wesen nach das Gegenteil davon. Somit wird über die permanente  Wiederholung  und allgegenwärtige Präsenz in den Medien versucht, das Defizit der  kulturellen Identität in eine (kurzlebige) markenabhängige  Identifizierung zu überführen. Eine  ästhetische Orientierung in der Medienpädagogik geht in der Regel davon  aus, das Bilder unser Denken und damit unsere Wirklichkeitskonstruktion  beeinflussen &#8211; Bilder in einem erhöhten Maße, weil über sie Emotionen  und Gefühle ideal transportierbar sind. Marlboro verkauft demnach nicht  Zigaretten, sondern das Gefühl von  Freiheit, Benetton klärt dich doch nur auf, Apple verkauft nicht  Computer, sondern einen hippen und coolen Lebensstil, und Nike ist der Anwalt aller  Subkulturen. Wir sehen: Markenidentität als Substitut für die verloren gegangene  kulturelle Identität.</p>
<p>Wie aber gewinnt man aus solchen  Erkenntnissen praktische Medienkompetenz?</p>
<p>Um den Anforderungen  der modernen Mediengesellschaft gerecht werden zu können, muss es ein  zentrales Anliegen von Bildungsinstitutionen sein, die Fähigkeit zu vermitteln, Bilder rezipieren, dechiffrieren und mit ihnen kommunizieren  zu können Neben dem Fernsehen dürften zukünftig auch im Internet bewegte und  unbewegt Bilder als wichtige Darstellungsform und als komplexes Transportmittel  für Informationen mehr und mehr genutzt werden. Spätestens zu diesem  Zeitpunkt wird die  Fähigkeit, Bilder und Bildzusammenhänge einschätzen und nach dem  Informationsgehalt filtern zu können, zu einem maßgeblichen Bestandteil  praktischer Medienkompetenz.</p>
<p>Christian Doelker schlägt als  Begriff “Bild-Pädagogik” oder “Bild-Bildung” vor (ich  würde eher zu “Visueller Bildung” tendieren, weil der Begriff “Bild”  alle visuellen  Zeichensysteme nur ungenügend erfasst). In jedem Fall muss eine solche  pädagogische Ausrichtung versuchen, die Rezeptionsfähigkeiten des  Wahrnehmenden eben so zu fördern wie seine mediale Handlungskompetenz. Bildung für das  Visuelle  meint demnach auch Schulung, Kultivierung und praktische Umsetzung von  Wahrnehmungsaspekten.</p>
<p>Visuelle Bildung bezieht vor allem auch die  trivialen Kommunikationskanäle wie zum  Beispiel die Werbung mit ein. Betrachtet man Werbung als vorrangiges  Medium der  bildsprachlichen Kommunikation, ergibt sich eine neue medienpädagogische  Sichtweise: Wie häufig in der Kunst, geht es in der Werbung um Überraschung,  Irritation, enttäuschte Erwartungshaltungen, um metaphorische und  absurd-surrealistische  Botschaften, die im Bild visuell kodiert sind und die durch den  Betrachter dekodiert  werden müssen. Als Techniken der visuellen Rhetorik werden die Methode  der Verzerrung, der Übertreibung und vor allem die der Verschiebung auf  Meta-Ebenen  angewandt. Nichts anderes also als das, was in vielen Bereichen der  Kunst schon seit  langem praktiziert wird (freilich ohne auch nur annähernd ähnliche  technische Voraussetzungen oder analoge Distributationskanäle zu haben).</p>
<p>Die Bildsprache in der Werbung ist ein Spiel mit Gewohnheiten  und Erwartungen, ist  Irritation und Überraschung. Werden Inhalte allerdings eins zu eins  transportiert,  funktioniert die Botschaft nicht. Nur wenn sie sich in unserer  Wahrnehmung ver- hakt, uns zum Denken bringt, nehmen wir die Botschaft wahr. Alles andere  ist redundantes Rauschen und verpufft wirkungslos. Gute visuelle  Rhetorik aktiviert eine  autonome Denkleistung beim Rezipienten und muss gegen die Macht der  Gewohnheit intrigieren, um wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Im besten Fall  gewinnt Werbung also unsere Aufmerksamtkeit &#8211; das kostbarste Gut  der Informations- und Kommunikationsgesellschaft – und hat damit ihren  Platz in  unserem kulturellen Gedächtnis erobert (das zu leugnen, ist vielleicht  verlockend,  weil man sich damit wieder in bester Gesellschaft mit der bürgerlichen  Kultur und  der hohen Kunst befindet, entspricht aber keinesfalls den Realitäten).</p>
<p>Visuelle  Rhetorik konzentriert sich allerdings nicht nur auf Werbebotschaften  oder  deren künstlerische Umkehrung. Botschaften sind auch in Bildzeichen  enthalten, die  nicht auf konkrete Objekt referieren, sondern in Relation zu einer  Aussage stehen.  Der weiße Stock steht für die Aussage „ich bin blind“, das Rot der  Verkehrsampel  für die Aufforderung „stehenbleiben“. Visuelle Rhetorik als Bildsprache  ist demnach  die “Kunst der Sprechenden Bilder”, und Piktogramme wären die  prototypischen  Medien dieser Art der Bildkonzeption (darauf werden wir noch später  zurück kommen).</p>
<p>Dabei geht es gerade nicht darum, zu irritieren,  zweideutig zu sein oder Divergenz  zu erzeugen. Vielmehr ist es das Ziel einer solchen Bildsprache,  komplexe Aussagen  und Botschaften in einem Superzeichen zusammenzufassen, Konvergenz zu  schaffen und Orientierungshilfe zu leisten. Dabei werden die zeitlich  realisierten Sprachbotschaften in das räumliche System der Bilder  transformiert, Botschaften fürs Ohr  in Botschaften für das Auge übersetzt. Im Gegensatz zu fotografischen  Bildern oder  werbestrategischen Irritationen, die gleichermaßen vom “Inhalt” leben,  sollen diese  Bilder für sich selbst sprechen, ohne den fragwürdigen Ballast der  Interpretation.</p>
<p>Die visuelle Rhetorik der Piktogramme,  Navigationen und lexikalischen Indices ist  ebenso Bestandteil der visuellen Kommunikation wie die irritierenden  Bildbotschaften, allerdings mit anderen Absichten und für andere Zwecke  konzipiert. Von daher  lassen sich zwei Pole verorten, zwischen welchen sich das Potential der  visuellen  Rhetorik entfaltet: Mimikry und Intrige, Selbsterklärung und Irritation,  Eindeutigkeit  und Zweideutigkeit. Und jede dieser Methoden – wenn man sie denn so  unterscheiden will &#8211; ist eine Kunst für sich. Beide stehen aber immer in  einem kulturellen Kontext und sind nicht beliebig verstehbar. D.h. der  Betrachter muss die visuellen Kodes seines Umfelds kennen, um  Irritationen als solche wahrnehmen und entschlüsseln oder die Aussagen  der Piktogramme richtig deuten zu können. Da wir nie außerhalb unseres  kulturellen Umfeldes und damit Diskurses stehen, vergessen wir das  aufgrund der Selbstverständlichkeit manchmal.</p>
<p>Zusammenfassend:  Die Vermittlung medienpädagogischer Konzepte wie etwa “Visuelle Bildung”  kann verdeutlichen, welche Bedeutung es haben kann, mit Bildern  zu täuschen und mit Bildern zu enttäuschen. Es wird damit die Fähigkeit  vermittelt,  mit Bildern kommunizieren und Bilder diskutieren zu können – eine  Vorstellung da- von zu haben, wie Bilder zustande kommen, auf welche Weise sie Meinungen  evozieren und wie sich Bild/Text-Verhältnisse zu der emotionalen  Rezeption von schein- bar objektiven Medienbotschaften verhalten.</p>
<p>Die Art und Weise,  wie eine Information vermittelt wird, sagt dabei sehr viel über  die Intentionen des Urhebers aus. Kennt man die Spezifika der  Ausdrucksformen, so  kann man leichter suggestive Elemente herausarbeiten und beurteilen und  dadurch  den eigentlichen Subtext des Mediums &#8211; sei es ein Bild, ein Film oder  ein Musikstück  &#8211; erkennen. Sowohl reflexive als auch produktionstechnische Aspekte der  Informationsvermittlung sind daher primär zu vermitteln, um den  spezifischen Informationscharakter von Medien erkennen zu können.</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil V" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-5/">Medienkompetenz Teil V – Medienbasiertes Lernen</a></p>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil IV: Kunst und Kultur</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-4-kunst-und-kultur/</link>
		<comments>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-4-kunst-und-kultur/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 22:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Josef Pazzini]]></category>
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		<description><![CDATA[Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und zugleich auf die klassische resp. museal anerkannte Kunst hinlenkt. In diesem Kulturbegriff gehört das Kulturelle nicht mehr zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural  Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was  Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die  “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und  zugleich auf die klassische resp. museal anerkannte Kunst hinlenkt. In  diesem Kulturbegriff gehört das Kulturelle nicht mehr zum Objekt wie  etwa der Finger zu seinem Abdruck (André Bazin zur Ontologie des  fotografischen Bildes). Vielmehr entsteht Kultur in der Spannung  zwischen Macher , Werk und Betrachter: was passiert, wenn wir etwa  durchs Museum gehen, was geschieht, wenn wir lesen oder ein Bild  betrachten? Denn wie das Verstehen selbst als produktiver Akt das  Kunstwerk erst in uns hervorbringt, redet das Werk zu uns &#8211; wenn wir es  lassen &#8211; und beeinflusst unsere Sicht der Dinge. Kultur , das ist für  Mielke Bal genau dieses Geschehen (aus: Mieke Bal: Kulturanalyse,  Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2002, Zusammenfassung aus Zeit 26/2003).<span id="more-343"></span></p>
<p>Das entspricht etwa dem aus der Semiotik bekannten Modell  “Sender-Werk-Empfänger” und  setzt voraus, dass beim Empfänger die Bereitschaft resp. Sensibilität  zur “kulturellen Annäherung resp. Auseinandersetzung” vorhanden ist.  Trotz der Bezugnahme auf die “Alltagskunst” ist bei Bal eine gewisse  Sympathie für die “hohe Kunst” (die Sinnhaftigkeit, das Lesen und  Betrachten, der Werkbegriff) nicht zu übersehen. Kultur &#8211; eine  individuelle Lebenstechnik also und damit ein Luxusgut?</p>
<p>Pazzini  grenzt den Begriff der Kultur vom “Luxus” ab und greift einen  Zusammenhang auf, der uns auch noch später begegnen wird: “Man könnte meinen, es gehe bei kultureller  Bildung um eine luxurierende Zutat. Dem ist nicht so. Kunst entsteht  nicht erst im Überfluss, sondern ist Luxus aus der Not heraus, um diese  Not zu wenden, bzw. Not nicht entstehen zu lassen”.  Konsequenterweise bezieht Pazzini den Kulturbegriff in diesem  Zusammenhang &#8211; wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste.  Das romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren (Hölderlin im Turm etwa), das seine  Herkunft vom Geist der Romantik und des Bürgertums nicht verhehlen kann,  wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier Prozesse verstanden werden, die sich in Werken  niederschlagen, die angeregt sind durch Prozesse und Werke aus den  unterschiedlichen Künsten: Musik, Bildende Kunst, Tanz, Theater ,  Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini das  Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Bildung” im Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Mit  einem so benutzten Kulturbegriff kehren wir wieder an den Ausgang jener  bürgerlich de- terminierten Epoche zurück, welche mit Kultur alle Wunden dieser Welt  glaubte heilen zu können. Seit dem 18. Jahrhundert ist die bürgerliche  Kultur mit einem umfassenden, universalen Anspruch aufgetreten. Ihre  Werte wie Leistung und Disziplin, Bildung und Benehmen, Höflichkeit und  Toleranz sollten den Maßstab für Glück und gelungenes Zusammenleben quer  durch die ganze Gesellschaft bilden. Die industrielle Arbeiterschaft  machte sich das bürgerliche Werte-, Verhaltens- und Kulturmodell seit  der Mitte des 19. Jahrhunderts als Leitbild zu Eigen und propagierte es  in ihrer eigenen Avantgarde, der sozialdemokratischen und  gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Auf historisch beispiellose Weise  partizipierten untere Schichten an der Demokratie des 20. Jahrhunderts  und ließen dadurch die Vision einer universellen bürgerlichen  Gesellschaft greifbar nahe erscheinen.</p>
<p>Seit den 60er und 70er  Jahren ist das Leitbild der Verbürgerlichung in den unteren Schichten  immer stärker zerbröckelt. Nicht zuletzt deshalb, weil das bürgerliche  Kulturmodell in den bürgerlichen Schichten selbst an Überzeugungskraft  einbüßte. Zugleich löste sich die alte Klassengesellschaft auf, die eng  an die jeweilige Arbeit des Menschen gekoppelt war . Damit war auch die  Auflösung der kulturellen Identität verbunden. Thomas E. Schmidt setzt  im Kern bei dem romantisch-bürgerlichen Künstlerbild an, zieht aber eine  gänzlich andere Schlussfolgerung wie Pazzini, weil dieses Bild für die  heutige Zeit nicht mehr passt. Sein pessimistisches Fazit ist für  jedwelchen Ansatz zur Etablierung “Kultureller Bildung” partout nicht  geeignet: “Die Wahrheit ist: Kunst und Kultur sind zwei vollkommen  unterschiedliche Formen des Lebens. Kultur ist für sich auch wichtig,  aber sie ist weiß Gott nicht die Schiene, auf der die Kunst in die  Gesellschaft flutscht und mit ihr der vermisste Sinn des Ganzen.  Außerdem ist Kunst etwas, das nur selten vorkommt, viel seltener, als  die meisten  vermuten. Und sie macht das Leben auch nicht leichter für den, der sich  auf sie einlässt, sondern eher schwieriger. sie verkompliziert das  Dasein. Auf schmerzliche Weise konfrontiert sie mit den Gebresten (den  Nöten, der Verf.) des eigenen Ich. Sie sorgt nicht für soziale  Gleichheit und stiftet keine Gemeinschaften im Zeichen irgendeines  weltanschaulichen Konsenses.”</p>
<p>Genau das aber &#8211; soziale  Gleichheit, Gemeinschaft, weltanschaulicher Konsens und Toleranz &#8211; sind  die Ziele, die sich mit kultureller Bildung &#8211; gleichsam als Nebenprodukt  von Pisa &#8211; verbinden. Wie nun soll diese eingelöst werden, wenn Kunst  offensichtlich ein höchst subjektives, und dazu noch schmerzhaftes Tun  ist (sowohl für den Sender als auch den Empfänger)? Der ausschließliche  Bezug auf die Künste scheint hierbei wenig tauglich zu sein, und dennoch  schrauben sich die Ansprüche, die von der Kultur an die Kunst gerichtet  werden, immer höher: Kunst soll den Stress der modernen Gesellschaften  lindern, sie soll Sinn stiften, möglichst normative Eindeutigkeit  herstellen und zuletzt auch noch die Kinder zu Friedensengeln erziehen.</p>
<p>Pius  Knüsel gibt diesem Anspruch den letzten Rest und fordert zugleich die  Kenntnisnahme der Kultur von allen für Alle, im Ergebnis also die  Akzeptanz der “niedrigen” Künste, der vermeintlichen “Verdummung”:  Kulturbetriebe, öffentlich oder privat, müssten sich wie  Unterhaltungsbetriebe gebärden, brauchten Events und Skandale und  müssten sich nach dem Publikum strecken. Als Selbstverteidigung betreibe  das kulturelle Establishment eine noch schärfere Trennung von Kunst und  Unterhaltung, von Geist und Kommerz. Kulturpolitik, auf Breite  angelegt, verenge sich auf die Förderung der Künstler , auf Seinshilfe  für das Schwierige und Unverstandene. Der Innovation verschrieben,  schließe sie weite Bereiche von der Kunst aus, indem sie das in den 70er  Jahren so beklagte Gefälle zwischen hoher und niedriger Kunst bestärke.  Knüsel: “Sie intellektualisiert den Kunstgenuss, indem sie Kunst zu  einer von der Bildung abhängigen Verstehensleistung emporhebt und  Emotionalität als Anzeichen von Kitsch deutet; sie rehabilitiert die  Elite und verteufelt den Erfolg, sie negiert die Tradition als ordnende  Kraft und verachtet das Populäre&#8230;&#8230;.Die Entwicklung hat, und hier  liegt die eigentliche Tragik, zu einer fundamentalen Umdeutung des  Kunstbegriffs geführt: Kunst kann nur dort sein, wo auch Subvention ist.  Alles andere ist Kommerz, Folklorismus oder Entertainment”.</p>
<p>Auf  der einen Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der  hohen Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr  ausschließlich aus dem ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern  vielmehr durch den neuen “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und  Showbusiness repräsentiert wird), auf der anderen Seite steht die  triviale Pop-, Design- und Kitschkultur , die mit kultureller Bildung  offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber mit der der moderne  Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>In enger  Beziehung zum subkulturellen Charakter dieser Trivialkultur steht das  PISA-Ergebnis, dass rund 1/4 der deutschen Schüler die  Basis-Kulturtechniken Lesen und Schreiben nicht beherrschen und nicht in  der Lage sind, eine Bewerbung selbst zu schreiben. Dass dieses Defizit  vor allem auch an sozialer Ungerechtigkeit liegt, wurde mit PISA  gezeigt, über die Herkunft dieses Viertels darf spekuliert werden, die  Richtung liegt jedoch nahe: unten. Womit wir wieder bei der Verbindung  zwischen Kultur und Not wären, und damit ein Erklärungsmuster für den  Siegeszug der Medien hätten.Tatsächlich stehen Kultur und Not in einem  engen Zusammenhang: Nach Adolf Muschg haben-Menschen höheren Aufwand  treiben gelernt, um sich gröberen vom Hals zu halten. Der Sammelbegriff  für diese Aktivität sei &#8216;Kultur’ , die sich nicht in bloßer Ökonomie  erschöpfe. Kultur in vollem Wortsinn gebe es nicht ohne Überfluss und  fange vielleicht erst da richtig an, wo dieser Überfluss nötig,  notwendig, lebenswichtig gefunden wird.</p>
<p>Der Bedeutungsverlust der  Arbeit (nicht nur in Form von Arbeitslosigkeit oder  Wochenstunden-Quantität, sondern in der verbreiteten gesellschaftlichen  Minderschätzung als Job) haben ebenfalls dazu beigetragen, dass  persönliche Identität und soziale Zugehörigkeit in wachsendem Maße  kulturell statt sozialökonomisch definiert werden. Deshalb ist die neue  Massenkultur zugleich zu einer Klassenkultur der neuen Unterschichten &#8211;  Sub-Kultur oder Sub-Proletariat genannt &#8211; geworden.</p>
<p>Das  Freizeitverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen war in den  letzten Jahren  tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt. Zentral ist dabei vor allem die  wachsende Bedeutung der Medien für die Gestaltung der Freizeit. Die  neuen Unterschichten werden fast ausschließlich von den Medien gespeist  und bedient. Ob Fast Food oder Pay-TV, Nike oder H&amp;M, Rapper 50 Cent  oder auch Sir Simon Rattle: alles ist Kultur , und mit Kultur lässt  sich alles verkaufen und verramschen.</p>
<p>In diesem Kontext stehen  auch die Segnungen der Markenmultis und des Designs, hier vor allem des  industriell gefertigten Designs, das eigentlich in der Lage sein sollte,  die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu  ermöglichen (wie z. B. noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von  ungefähr ist heute alles Design, was in irgendeiner Weise gefertigt  wird, ob Hair-Design,  Schmuck- oder Fingernagel-Design, Grafik- oder  Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design, vom Food-Design ganz zu schweigen.  Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem Jugendliche über  Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen. Während die einen also eine neue “Leitkultur”  einfordern und ihre ästhetischen Gärten sorgsam pflegen (das ist die  eingangs erwähnte “Kulturseligkeit” des Establishments), reklamieren  andere gerade die Ausdehnung des Kulturbegriffs auf die Massen.</p>
<p>Dazu  schreibt Paul Nolte in der Leitkultur-Position: “Wir stehen vor einem  Neubeginn, einem  Paradigmenwechsel im politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind  zu lange einem  Konzept gefolgt, das man als fürsorgliche Vernachlässigung bezeichnen  könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge der  Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und kultureller  Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein, Kulturen der Armut und  der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der Unselbstständigkeit nicht  sich selbst zu überlassen, sondern sich einzumischen, sie  herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um Integration in die  Mehrheitsgesellschaft, aber auch &#8211; für viele ein heikleres Thema &#8211; um  die Vermittlung kultureller Standards und Leitbilder &#8230; Die  Bildungspolitik ist wahrscheinlich das wichtigste Feld, auf dem ein  gewisser Integrationszwang ausgeübt werden muss &#8211; siehe die Debatte um  deutsche Sprachkompetenz und rechtzeitige Sprachförderung”.</p>
<p>So  sei Literatur nicht nur Goethe, Mozart auf seine Weise auch Pop. Und  doch könnten wir der Frage nach der Bewertung und Rangordnung von Kultur  nicht ausweichen. Lesen sei tatsächlich besser als Fernsehen oder  Gameboy, und die Lektüre eines guten Romans oder Sachbuchs wiederum  besser als die von Trivialliteratur oder der allgegenwärtigen Ratgeber .  Besser habe dabei nichts mit Bildungsdünkel zu tun, sondern lasse sich  konkret übersetzen in: Kreativität fördernd, soziale Kompetenzen  stärkend, individuelle Chancen eröffnend”. Es überrascht nicht, wenn  Nolte am Ende feststellt: “Es ist kein Zufall, dass dieser kulturelle  Katalog eine bürgerliche Herkunft und auch weiterhin ein bürgerliches  Gepräge besitzt.” (Paul Nolte, Zeit 52/2003)</p>
<p>Gegen dieses  “bürgerliche Gepräge” der Kultur argumentiert Pius Knüsel, indem er  fordert,  dass kulturelle Intelligenz erst dann möglich wird, wenn der Großteil  der Bevölkerung von der Kultur eben nicht ausgeschlossen wird, wenn  begriffen wird, dass Kultur zum Großteil vor , und nicht hinter den  Museumstüren stattfindet: “In der Club-Music, am Computer , in den  Weblogs, den Online-Games, den Jugendhäusern und den Amateurtheatern und  Freizeitorchestern und  den TV-Serien manifestiert sich Kultur genauso wie im experimentellen  Video; ihre scheinbare Einfachheit behindert ihre Aussagekraft nicht, im  Gegenteil. &#8230;&#8230; Dabei ist klar , dass Computerspiele eine prägende  Kulturform der Gegenwart sind. Dass jeder dritte Jugendliche sich  intensiv damit beschäftigt. Und dass Games ganz wichtige  Projektionsflächen sind für Verhaltensmodelle. Dass sie die Wahrnehmung  prägen und ästhetische Muster liefern, die zunehmend unsern Alltag  prägen&#8230;&#8230;.. Also muss eine zukunftsorientierte Kulturpolitik sich  damit auseinander setzen. Sie muss sich nicht der Durchsetzung von  kulturellen Standards – die immer einem zufälligen Kanon entsprechen –  widmen, sondern der Hebung der Intelligenz”.</p>
<p>Zwischen der  Leitkultur einer bürgerlich kanonisierten Gesellschaft und den  subkulturellen Lebensformen einer zunehmend durch Massenmedien geprägten  Jugend liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie  Leistung, Höflichkeit und Toleranz steht die Integration durch  intelligente Einbeziehung aller Spielarten &#8211; und damit aller Mitglieder  der Gesellschaft &#8211; entgegen. &#8211; Sicher ist, dass die bürgerlich geprägte  Mittel- und Oberschicht eine moralisch-soziale Verantwortung für  Randgruppen aufbringt, ja aufbringen muss. Wie aber schafft man es,  “Rappern” oder “Gamern”die Schönheit einer Klaviersonate von Schumann  beizubringen? In diesen offenbar unversöhnlichen Positionen spiegelt  sich das ganze Dilemma der skizzierten Kulturdiskussion wider: “Geiz ist  geil” lässt sich eben nicht mit den Wertmaßstäben einer bürgerlich  geprägten Kultur verschmelzen, das eine ist Ware, das andere Kunst. Mit  anderen Worten: es geht hier um den alten Kampf des Guten gegen das  Böse.</p>
<p>So einfach ist es indes nicht, denn der Übergang von der  traditionell-bürgerlichen zur modernen multikulturellen Gesellschaft  lässt zwar viel Raum für solchermaßen polarisierende Planspiele, hat  aber keinen Platz für die wichtigste Voraussetzung von Kultur , nämlich  die Identität. Übrig bleibt nur noch ein leerer Rahmen für kurze und  laute Identifizierungen, die so schnell wechseln wie die Marken in den  Medien.</p>
<p>In einem bemerkenswerten Essay zu Kafka und Moderne  schreibt Zafer Senocak: “In der modernen Welt denkt man nicht mehr , um  dazuzugehören, sondern um sich abzusondern. Gemeinschaft ist nur  möglich, wenn Denken ersetzt wird von einer Chiffrierung des Geistes, in  der das Formelhafte das Prozesshafte ablöst, nicht hinterfragbare  Symbole allgewaltig Macht ausüben und die innere Struktur des Ich von  außen nicht mehr erreichbar ist&#8230;.. Es ist der Grundzustand der  modernen menschlichen Seele, die in einem immer leistungsfähigeren  Kör-per ein Exilantendasein führt.” (TAZ vom 25.1.2004)</p>
<p>Denken  wir an die zu einem einzigen Werbeträger umfunktionierte moderne  Gesellschaft und die durch Marken identifizierte Jugend, wird die  kulturelle Bedeutung des Symbols &#8211; des Logos, des Markenzeichens &#8211;  offensichtlich. Lassen wir andererseits die schmerzhafte Erkenntnis zu,  dass sich die uns vertrauten Strukturen in allen Bereichen des Lebens in  Auflösung befinden, uns der historische Boden unter den Füßen  weggerissen und die Tradition kein Garant für Kultur und Bildung mehr  ist, entschwindet das Fundament für Identität. “Wenn die Sprache ihre  Deutungshoheit über die Zeichen verliert”, schreibt Zafer Senocak weiter  , “zieht sich die Überlieferung der Tradition auf Symbole zurück”. Die  einzige Funktion des Symbols ist die einer Markierung, indem es die  gesetzte, vorgeschriebene Identität markiert. Durch den Verlust der  Tradition und deren einstige Gesetze entstehen Angst und  Orientierungslosigkeit, die wiederum durch schnelllebige  Marken-Identifikationen und flüchtige Reize sublimiert werden. 1970  verkleideten sich Terroristen als Spießer , um nicht aufzufallen. Heute  werden Models als Terroristen verkleidet, um aufzufallen. Mittlerweile  ist auch die RAF zu einem Pop-Phänomen geworden. In dem Film “Baader”  erscheint Baader als cooler Dandy, posieren Models als Terroristen. Da  liegt dann der tote Schleyer im Kofferraum, daneben stehen zwei Models,  Andreas und Gudrun, und im Text heißt es: “Andreas trägt Sandalen von  Woolworth&#8230;..”</p>
<p>In der noch immer zunehmenden und kaum noch zu  entkommenden Überflutung durch Medien, Waren und Werbung gewinnen alte  Werte allerdings neue Bedeutung. Die Religion ist wieder ein ernst zu  nehmender Zufluchtsort, aber auch die Kunst, und damit einhergehend die  Tradition und Identität. So groß ist das Unbehagen an der Welt, dass der  Verfall der Moral, die Zerstörung der Welt durch die Globalisierung,  die Verschmutzung der Städte und des Geistes durch Werbung, die  Auswüchse der Wissenschaft, die Verblödung der Massen, kurz: die alles  umfassende Sinnentleerung anscheinend nur noch durch eine Rhetorik des  Hochheiligen oder des Letztgültigen im Zaum gehalten werden kann.</p>
<p>Ob  Pabst-krankheit, Pabst-tod, Pabst-wahl, Pabst-krönung, Pabst-andachten  bei kirchlichen Massenveranstaltungen, oder die langen Schlangen vor den  Museumstüren bei den großen  Werken der Kunst: hier bahnt sich ein Paradigmenwechsel an, eine neue  Sinnsuche. Inmitten dieses gleitenden Übergangs markiert die Kunst eine  Grenze. Sie ist weltlich, aber es umgibt sie mehr denn je eine Aura die  Gegenwart überschreitender, transzendenter Wahrheit. Noch immer bildet  sie den geistigen Mittelpunkt des geltenden Kulturbegriffs: Ars longa,  vita brevis, die Kunst währt lange, das Leben kurz.</p>
<p>Die Realität  zeitgenössischer Kunst aber heißt nicht “große Kunst”, sondern Anpassung  an den großen, satt machenden Kulturbetrieb. Milliarden fließen  jährlich in ihn hinein &#8211; und für viele wieder heraus. Für seine  Protagonisten lautet die Devise daher, dem Publikum gefallen statt es  aufzuklären, die Schönheit inszenieren statt politischer Information,  Service und Kundenfreundlichkeit statt Reflexion. Nie zuvor hatten so  viele Menschen Gelegenheit, Kunst wahrzunehmen und Kunst zu erleben; auf  der Produktionsseite als Künstler zu leben mit der einzigartigen  Chance, über die Medien ein tausendfaches Publikum zu erreichen.</p>
<p>Die  Kunst ist zweckfrei, ihre Freiheit durch das Grundgesetz geschützt.  Theoretisch müssten  wir in einem goldenen Zeitalter leben, aber der überwiegende Anteil an  der zeitgenössischen  Kunst ist nichts anderes als &#8211; Kunstgewerbe oder schlichtweg Schrott. Es  wird hergestellt und produziert, was das Zeug hält &#8211; um den Markt der  Bücher, Kunsthandlungen und Galerien zu bedienen, oder auch nur, um den  Kulturbetrieb in seiner jetzigen Form am Leben zu erhalten. Ganz nach  dem Motto: Kultur ist affirmativ, die Kunst provokativ. Künstlerische  Provokationen und ästhetische Kontroversen sind daher nötig, aber bloß,  um die Diskussion in Schwung zu halten.  “Das Traurigste ist” sagt Franziska Augstein, Tochter des  Spiegel-Gründers, “dass man keinen Ärger mehr riskieren will.”</p>
<blockquote><p>Jörn  Vanhöfen, Leiter und Dozent der Schule “Fotografie am Schiffbauerdamm”  in Berlin, bemerkt hierzu speziell für den Bereich der Fotografie: “Neben den  äußerlichen Merkmalen hat  sich die inhaltliche Bedürfnislage der Fotografen verändert. Waren in  den 80er Jahren wesentliche Merkmale der fotografischen  Hochschulausbildung auf Autorenschaft sowie soziale und  gesellschaftliche Verortung gelegt, vertraut man heute fast  ausschließlich den eigenen gestalterischen und ästhetischen  Möglichkeiten im Sinne der Anpassung an Moden und Märkte” (Photo-News  12/2005).</p></blockquote>
<p>Darin scheint die kulturelle Funktion des Ästhetischen  zu liegen: Solange Kultur funktioniert als öffentlich sichtbare  Bestätigung, dass überhaupt noch irgendein Sinn produziert wird, dass  die Gesellschaft munter weiter plaudert und kein Blut fließt, sind auch  Politik und Wirtschaft beruhigt: So schlimm kann’s doch gar nicht sein. &#8211;  Kulturelle Kompetenz freilich wird dadurch nicht erzeugt!</p>
<blockquote><p>“Wir stehen an einem Wendepunkt”,  fasst Pius Knüsel zusammen. “Unsere  Kulturpolitik erreicht weite Teile der Gesellschaft nicht. Das gewaltig gewachsene  Angebot hat aber auch den Status des Kunstwerks wie seines Erschaffers  verändert. Letzterer ist nicht mehr der Empfänger heiliger Inspiration  mit direktem Draht zu Gott und zum Konto seines Mäzens. Er ist,  gefördert oder nicht, Anbieter eines Produkts. Genauso die  Institutionen. Alle stehen in Konkurrenz zu allen. Daraus erwächst eine  Vielfalt von Konzepten und Ansätzen, in der die Maßstäbe sich auflösen.  Alles, fast alles kann heute Kunst sein, je nach Standpunkt des  Betrachters.”</p></blockquote>
<p>Das verwirrt in der Tat!</p>
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