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	<title>Medienkompetenz im Netz &#187; Kunst</title>
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	<description>Blog für Medienkompetenz, Kommunikation und Medienkritik</description>
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		<title>Medienkompetenz Teil III &#8211; Ästhetik als medienpädagogischer Orientierungsrahmen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2009 19:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Definition]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Baacke]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211; Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg, Juli &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-3/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Kapitel stützt sich wesentlich auf die Expertise „Kulturelle  Bildung im Medienzeitalter“ zur Vorlage bei der Bund &#8211; Länder &#8211;  Kommission für Bildungsplanung  und Forschungsförderung im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung  und Forschung, verfasst von Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg,  Juli 1999.<span id="more-82"></span></p>
<p>Zunächst ist zu klären, was Kulturelle Bildung ist und  inwieweit man diesen Begriff  auf die oben dargestellte Medienkompetenz beziehen kann. Gemäß den  Richtlinien  des Bundesministeriums für Frauen und Jugend/Kinder und Jugendplan des  Bundes  vom 20.12. 93 wäre demnach folgende Definition gültig:</p>
<blockquote><p>„Kulturelle Bildung soll Kinder und  Jugendliche befähigen, sich mit Kunst, Kultur  und Alltag phantasievoll auseinanderzusetzen. Sie soll das  gestalterisch-ästhetische  Handeln in den Bereichen Bildende Kunst, Film, Fotografie, Literatur,  elektronische Medien, Musik, Rhythmik, Spiel, Tanz, Theater, Video u. a.  fördern. Kulturelle Bildung soll die Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe  soziale Zusammenhänge entwickeln, das Urteilsvermögen junger Menschen  stärken und sie zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der  Gesellschaft ermutigen.”</p></blockquote>
<p>Dieser Definition ist unbedingt  zuzustimmen, beinhaltet sie doch das ganze Rüstzeug, um auf die bildungsrelevanten Herausforderungen des  Medienzeitalters an- gemessen reagieren zu können und Medienkompetenz im oben gemeinten Sinn  herzustellen. Allein ihre Interpretation resp. praktische Umsetzung legt  ein Schatten  auf den sonst so wohlgemeinten Ansatz. Bereits Pazzini &#8211; der dieser  Definition explizit zustimmt &#8211; schränkt den theoretischen Bezugsrahmen  für Kulturelle Bildung ein:</p>
<blockquote><p>“Kulturelle  Bildung betont die Notwendigkeit des Bezugs von Bildung auf die  unterschiedlichen Künste. Sie ist eine notwendige Ergänzung zu den  technischen Veränderungen durch die neuen Medien. Ohne den Bezug zu den  Künsten können die  Chancen der neuen Medien nicht ausgeschöpft werden. Im Gegenteil, es  besteht  ohne einen solchen Bezug die Gefahr der Verdummung und eine schon  deutlich  wahrnehmbare Disqualifikation von Arbeitskräften&#8230;&#8230;”</p></blockquote>
<p>Interessant  ist in diesem Zusammenhang der explizite Bezug der kulturellen Bildung  zur Kunst auf der einen, und die Disqualifizierung ihres Gegenteils &#8211;  “Verdummung”  genannt &#8211; auf der anderen Seite. Dies ist für die Definition des  Begriffs “Kultur” von  ebenso weit reichender Bedeutung wie für die Erlangung von  Medienkompetenz.</p>
<blockquote><p>Noch einmal Pazzini: “Kulturelle Bildung eröffnet die Teilhabe an Werken der Kunst,  an den in ihnen eingeschlossenen Forschungsergebnissen,  Produktionsprozessen  und Rezeptionsmöglichkeiten. Sie sensibilisiert für weit greifende  Veränderungsprozesse eben durch die neuen Medien und macht Zusammenhänge  anders als begrifflich deutlich. Kulturelle Bildung beinhaltet  Möglichkeiten und Ressourcen, die in den  Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der Mathematik und  den  technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht oder nur untergründig zur  Verfügung stehen.”</p></blockquote>
<p>Wir sehen hier, dass kulturelle Bildung  den Wissenschaften, insbesondere den Naturwissenschaften, der  Mathematik und den technisch ausgerichteten Wissenschaften nicht  zugebilligt wird. Tauglich erscheinen allein die Verfahren der Kunst  resp.  der ihr zugrunde liegenden (Geistes)Wissenschaften wie z.B. die  Kunstgeschichte,  die Semiotik oder die Medientheorie.</p>
<p>Konsequenterweise bezieht  Pazzini den Kulturbegriff in diesem Zusammenhang &#8211;  wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste. Das  romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren  (Hölderlin im Turm etwa), das seine Herkunft vom Geist der Romantik und  des Bürgertums nicht verhehlen kann, wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier  Prozesse verstanden werden, die sich in Werken niederschlagen, die  angeregt sind  durch Prozesse und Werke aus den unterschiedlichen Künsten: Musik,  Bildende  Kunst, Tanz, Theater, Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini  das Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Erziehung” im  Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Das steht in einem gewissen  Widerspruch zu Baackes’ Modell, das ja allein den adäquaten Gebrauch von  Medien &#8211; also die Fähigkeit zur Mediennutzung &#8211; als Teil der  Medienkompetenz anerkennt. Um den Widerspruch deutlich zu machen: Müssen   Jugendliche, die in der virtuosen Handhabung eines Joy-Sticks oder in  der perfekten  Beherrschung eines “Games” unschlagbar sind, bereits als  “medienkompentent”  bezeichnet werden? Oder sind Künstler, die zwar in der Lage sind, die  ganze Weltgeschichte in Stein zu meißeln, aber nicht die Fähigkeit haben  eine Internetseite zu  besuchen, in diesem Sinne hoffnungslos inkompetent?</p>
<p>Auf der einen  Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der hohen  Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr ausschließlich  aus dem  ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern vielmehr durch den neuen  “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness repräsentiert wird),  auf der anderen  Seite steht die triviale Pop-, Design- und Kitschkultur, die mit  kultureller Bildung offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber  mit der der moderne Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>Neil  Postman konstatiert 1988, dass jenes Medium die kulturelle Ausprägung  einer  Kultur bestimme, welches es schaffe, Gedanken im kommunikativen  Austausch am  bequemsten zu transportieren. Und jene Gedanken, die sich bequem  ausdrücken  ließen, würden dann unweigerlich zum wesentlichen Inhalt einer Kultur  (iPod, iPod,  und nochmals iPod). Deswegen seien die „Wahrheitsbegriffe  jeweils sehr eng mit  den Perspektiven bestimmter Ausdrucksformen verknüpft“. Damit  lehnt er sich eng  an Marshall McLuhans “Das Medium ist  die Botschaft” an.</p>
<p>In diesem Kontext stehen auch die  Segnungen der Markenmultis und des Designs,  hier vor allem des industriell gefertigten Designs, das eigentlich in  der Lage sein soll- te, die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die  Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu ermöglichen  (wie z. B.  noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von ungefähr ist heute alles  Design,  was in irgendeiner Weise gefertigt wird, ob Hair-Design, Schmuck- oder  Fingernagel-Design, Grafik- oder Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design,  vom Food-Design  ganz zu schweigen. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem  Jugendliche  über Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen.</p>
<p>Zwischen der Leitkultur einer bürgerlich  kanonisierten Gesellschaft und den subkulturellen Lebensformen einer  zunehmend durch Massenmedien geprägten Jugend  liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie Leistung,  Höflichkeit  und Toleranz steht die Integration durch Einbeziehung aller auch noch so  trivialen  kulturellen Auswüchse &#8211; und damit aller Mitglieder der Gesellschaft &#8211;  entgegen. Wie  aber schafft man es, “Rappern” oder “Gamern” die Schönheit einer  Klaviersonate  von Schumann beizubringen?</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil IV" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-4/">Medienkompetenz Teil IV – Die visuelle Rhetorik des Bildes / audio-visuelle Bildung</a></p>
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		<title>Medienkompetenz Teil II &#8211; Was versteht man unter &#8216;Medienkompetenz&#8217;?</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-2/</link>
		<comments>http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-2/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 May 2009 12:44:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Definition]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Baacke]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengestaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[In vielen gesellschaftlichen Bereichen gilt Medienkompetenz als eine der Schlüsselqualifikationen von Gegenwart und Zukunft. Die Forderung, die mit diesem Begriff gestellt wird, ist die Befähigung von Menschen, sich in einer immer mehr von Medien durchdrungenen Welt kompetent orientieren zu können. &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/medienkompetenz-teil-2/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In vielen gesellschaftlichen Bereichen gilt Medienkompetenz als eine der  Schlüsselqualifikationen von Gegenwart und Zukunft. Die Forderung, die  mit diesem Begriff gestellt wird, ist die Befähigung von Menschen, sich  in einer immer mehr von Medien durchdrungenen Welt kompetent orientieren  zu können. Das Spektrum der Medienkompetenz ist entsprechend breit  gestreut. Es reicht vom praktischen Umgang mit Medienangeboten im Alltag  über das Wissen um technische, historische, politische, kulturelle,  ökonomische und nicht zuletzt ethische Bedingungen, d.h..  Medienkompentenz umfasst alle gesellschaftlich-kulturellen Belange des  Lebens.<span id="more-55"></span></p>
<p>Es gilt, die Anforderungen und Wirkungen verschiedener Mediensysteme zu  kennen, die Fähigkeit zu besitzen, medial vermittelte Wirklichkeiten zu  reflektieren und  mit Medien aktiv kommunizieren zu können. Somit sind Entscheidungs- und  Handlungskompetenzen des Einzelnen gefordert, damit möglichst jeder  sowohl an individueller als auch an kollektiver Medienkommunikation  aktiv und autonom teilhaben  kann. Der Schwerpunkt, der in diesem Zusammenhang diskutiert wird,  konzentriert  sich gegenwärtig auf die Vermittlung praktischer Medienkompetenzen. Wir  gehen  aber weiter und fragen auch nach den Auswirkungen dieser Bedingungen für  die  künstlerische Reflexion einerseits, und den künstlerischen  Produktionsprozess andererseits.</p>
<p>Blickt man zurück auf die  Geschichte des Begriffs “Medienkompetenz” (und in dem  Zusammenhang auch auf die Medienpädagogik als ihre Vermittlungsinstanz),  sind  bestimmte Strömungen und Zyklen erkennbar. Diese Zyklen sind immer auch  Ausdruck ihres jeweiligen gesellschaftspolitischen und  kulturell-ästhetischen Kontextes.</p>
<p>Ursprünglich stellten die  „Massenmedien“ den Hauptgegenstand der Diskussion  dar. Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte  Brecht ganz  konkrete und pragmatische Forderungen zur Befähigung des einfachen  Bürgers in  der Anwendung und Nutzung der Medien, indem er 1927 eine  Demokratisierung  des Rundfunks forderte. Siegfried Kracauer konstatierte im gleichen  Jahr: “In den  Illustrierten sieht das Publikum die Welt, an deren Wahrnehmung es die  Illustrierten  hindern.” (aus “Die Fotografie”, Frankfurter Zeitung, 1927). Und Walter  Benjamin &#8211;  dessen Begriff der Aura uns bis heute beschäftigt &#8211; fügt 4 Jahre später  hellsichtig  hinzu: “Nicht der Schrift-, sondern der Fotografieunkundige wird der  Analphabet  der Zukunft sein” (1931, Kleine Geschichte der Fotografie).</p>
<p>War  bislang also immer von Massenmedien die Rede, kam gegen Ende der 60er  Jah- re im Zusammenhang mit Studentenbewegung und der Revitalisierung  marxistischer  Theorien der Begriff der „Medienkompetenz“ auf. Die Bevölkerung solle,  so forder- te etwa Hans Magnus Enzensberger in Anlehnung an Brecht, überall dabei  sein,  auch bei der Produktion von Medien. Er postuliert in einer zentralen  Stelle seiner  Theorie der Medien: „Ein revolutionärer Entwurf muss nicht die  Manipulateure zum  Verschwinden bringen; er hat im Gegenteil einen jeden zum Manipulateur  zu machen“. Etwas später erklärt Beuys “jeden Menschen” zum Künstler.</p>
<p>Vor  allem sog. “linke Positionen” setzten Anfang der 70er Jahre die  Forderung nach  Demokratisierung der Medien frei und der Begriff Medienkompetenz erfuhr  einen  Bedeutungswandel. Die Medien wurden nun als Gefährdung betrachtet, und  die  Experten, Hochschullehrer und Pädagogen nahmen häufig eine  bewahrpädagogische Grundhaltung ein. Diese regelrechte Angst vor dem  Fernsehen und den neuen  Medien allgemein beruhte auf der Annahme vieler Pädagogen, das Buch sei  das  wertvollere Medium. Man wollte daher die alten Kulturwerte durch  pädagogische  Maßnahmen bewahren (entspricht dem Leitbild humanistischer Bildung).</p>
<p>Durch  handlungsorientierte Pädagogik und Kulturarbeit in den 70er und 80er  Jahren  gewann dann aber eine nicht mehr nur abwehrende Haltung gegenüber den  Medien die Oberhand. Die Medien wurden nun in ihren  gestalterisch-kreativen Potenzialen für die Bildungssozialisation  wahrgenommen. Als Leitbegriffe dominierten jetzt  kommunikative Kompetenz, Lebenswelt, Alltag, authentische Erfahrung,  handeln- des Lernen und vor allem Handlungskompetenz und Medienkompetenz. Durch  handelndes Lernen im Gegenstandsbereich der sozialen Realität sollte in  der Verbindung von Reflexion und Handeln die Realität sowohl angeeignet  als auch mitgestaltet und verändert werden. Studiengänge wie “Visuelle  Kommunikation”, die in den  70er Jahren eingeführt wurden, sind Ausdruck dieses Paradigmenwechsels,  ebenso  wie z.B. der “Subjektive Dokumentarismus” in der Fotografie in den 70er  Jahren.</p>
<p>In den letzten Jahren hat Dieter Baackes Definition von  Medienkompetenz besonde- re Bedeutung erlangt. Baacke gliedert den Begriff in vier Dimensionen:  Medienkritik,  Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Um das komplexe  Begriffsystem anschaulich zu machen, ist folgendes Diagramm hilfreich,  wobei die beiden Aspekte Medienkritik und Medienkunde die Dimension der  Vermittlung umfassen. Die  Dimension der Zielorientierung liegt im Handeln des Menschen. Hierbei  spielt also  die Nutzung von Medien eine gewichtige Rolle.</p>
<table style="border: 1px dashed #b3a389;" border="0" cellspacing="1" cellpadding="3" width="100%">
<tbody>
<tr>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" colspan="4">MEDIENKOMPETENZ</td>
</tr>
<tr>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" colspan="2">VERMITTLUNG</td>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" colspan="2">ZIELORIENTIERUNG</td>
</tr>
<tr>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" valign="top">Medienkritik</p>
<ol>
<li>Analytisch</li>
<li>reflexiv</li>
<li>ethisch</li>
</ol>
</td>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" valign="top">Medienkunde</p>
<ol>
<li>informativ</li>
<li>instumentell-qualifikatorisch</li>
</ol>
</td>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" valign="top">Mediennutzung</p>
<ol>
<li>rezeptiv, anwenden</li>
<li>interaktiv, anbieten</li>
</ol>
</td>
<td style="border: 1px dashed #b3a389;" valign="top">Mediengestaltung</p>
<ol>
<li>inovativ</li>
<li>kreativ</li>
</ol>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>Medienkritik</strong><br />
soll  analytisch problematische gesellschaftliche Prozesse angemessen  erfassen. Jeder  Mensch sollte reflexiv in der Lage sein, das analytische Wissen auf sich  selbst und  sein Handeln anzuwenden. Die ethische Dimension daran ist, das  analytische Denken und den reflexiven Bezug als sozial verantwortet  abzustimmen und zu definieren.</p>
<p><strong>Medienkunde</strong><br />
umfasst  das Wissen über die heutigen Mediensysteme. Die informative Dimension  der Medienkunde beinhaltet klassische Wissensbestände. Die  instrumentell-qualifikatorische Dimension meint die Fähigkeit, neue  Geräte auch bedienen zu können.</p>
<p><strong>Mediennutzung</strong><br />
ist  doppelt zu verstehen: Medien sollen rezeptiv angewendet werden  (Programm- Nutzungskompetenz) und interaktive Angebote genutzt werden können.</p>
<p><strong>Mediengestaltung</strong><br />
stellt in Baackes  Ausdifferenzierung den vierten Bereich der Medienkompetenz dar.  In den Bereich Mediengestaltung fallen die innovativen Veränderungen und  Entwicklungen des Mediensystems und die kreativen ästhetischen  Varianten, die über  die Grenzen der alltäglichen Kommunikationsroutinen hinausgehen. &#8211; Dies  also  könnte der Kunst zugeschlagen werden.</p>
<p>Es zeigt sich bereits bei  dieser überblicksartigen Betrachtung des Begriffs Medienkompetenz und den Möglichkeiten seiner Vermittlung, dass sich ein  Hauptaspekt  herauskristallisiert: durch aktive (Be-)Nutzung der Medien soll sich  eine Kritikfähig- keit herausbilden, die zum Auswählen unterschiedlicher Medienangebote  genutzt  werden kann. Kurz: Die eigene aktive Arbeit mit einem Medium ermöglicht  dessen  kritische Nutzung im beruflichen und privaten Alltag.</p>
<p><a title="Medienkompetenz Teil III" href="http://hypercommerce.de/medienkompetenz-teil-3/">Medienkompetenz Teil III – Ästhetik als medienpädagogischer Orientierungsrahmen</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil V: Lösungen</title>
		<link>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-5-loesungen/</link>
		<comments>http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-5-loesungen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 22:19:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Türcke]]></category>
		<category><![CDATA[Foto]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Weizenbaum]]></category>
		<category><![CDATA[Kitsch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Pisa]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Lehren aus PISA wurden zum Teil gezogen, die Verbesserungen beim letzten PISA-Test scheinen das zu belegen. Aber dies betrifft &#8211; wie gezeigt &#8211; nur die Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer, bei den Kernkompetenzen Lesen und Schreiben sowie der sozialen &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-5-loesungen/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Lehren aus PISA wurden zum Teil gezogen, die Verbesserungen beim  letzten PISA-Test scheinen das zu belegen. Aber dies betrifft &#8211; wie  gezeigt &#8211; nur die Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer, bei  den Kernkompetenzen Lesen und Schreiben sowie der sozialen  Gerechtigkeit sieht es nach wie vor düster aus.</p>
<p>Die meisten Ansätze zur Verbesserung zielen auf Leistungsförderung ab, die Diskussion um das beste Schulsystem reißt nicht ab (Gesamtschule, 2- oder 3-gliedriges Schulsystem, Zwergschulen mit individueller Förderung, aktive statt passive Schulen &#8211; um nur einige Beispiele zu nennen). Für das Viertel von Schülern, die weder Lesen noch Schreiben noch sich richtig artikulieren kann und das Problem der Integration wurden bislang noch keine adäquaten Lösungen angeboten.<span id="more-350"></span></p>
<p>Hier  scheint der Computer einen Ausweg zu bieten, mit der flächendeckenden  EDV-Bestückung aller Lehreinrichtungen und des damit einhergehenden  Erwerbs von Medienkompetenz sollen diese Probleme gelindert werden.  Allein: das Bedienen-können eines Operating Systems oder bestimmter  Programme ist noch lange kein Garant für das Verstehen, im Gegenteil  besteht die Gefahr , zu bloßen “Apparat-Funktionären” (Flusser) oder  “funktionalen Analphabeten” (Weizenbaum) zu mutieren. Eine Beobachtung,  die ich im übrigen bei meinen Studenten immer wieder bestätigt finde.</p>
<blockquote><p>Josef  Weizenbaum, langjähriger Leiter des M.I.T., wendet sich ab vom  High-Tech und plädiert für eine Renaissance der Sprache und des  kritischen Denkens: “Es wird viel  geredet über Medienkompetenz. Was wir brauchen ist die Kompetenz,  kritisch zu denken und kritisch zuzuhören. Und das beruht alles auf der  Kompetenz der Sprache&#8230;. Die erste Priorität für unsere Schulen ist:  Wir müssen das kritische Denken unterstützen. Es geht darum, eine Art  Skepsis zu lehren.  Damit Kinder und Jugendliche lernen zu fragen und zu hinterfragen. Das  Wort Informationsgesellschaft &#8211; what the hell does it mean? Was ist denn  überhaupt Information? Was Sie in der Zeitung lesen, was im Computer so  rumflackert, das sind Signale. Nur der Mensch kann Informationen  herstellen. Er interpretiert diese Signale. Die Kunst zu interpretieren  ist die Kunst, kritisch zu denken.”</p></blockquote>
<p>Christoph Türcke,  Philosoph und Medientheoretiker an der HGB Leipzig, merkt an, dass sich ‘Sinn nur über den Kontext’ erschließt.  Schrift, ihres Sinns beraubt, verliert ihren Hinweischarakter als  Offenbarungsmedium und wird wie das moderne Bild zur Botschaft ihrer  selbst, zum bloßen Symbol, zum marktgerechten Werbeimpuls. &#8211; Dies lässt  sich im heutigen Schriftgebrauch &#8211; der so genannten “modernen  Typografie” &#8211; sehr häufig nachweisen.</p>
<p>Was wir also haben,  ist eine Medienkultur ohne Kompetenz. Die von der Bund-Länder-Kommission  in Auftrag gegebene Pazzini-Expertise geht in die richtige Richtung und  hat viele brauchbare Ansätze zu Tage gefördert. Sie an dieser Stelle zu  diskutieren, würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen. Dennoch einige  kurze Empfehlungen daraus:</p>
<p>Der so genannte „Delors-Bericht”  (UNESCO-Bericht zur Bildung im 21. Jahrhundert) spricht von „vier Säulen  der Bildung”:</p>
<ol>
<li>Lernen, Wissen zu erwerben</li>
<li>Lernen, zu handeln</li>
<li>Lernen, zusammen leben zu können</li>
<li>Lernen für das Leben.</li>
</ol>
<p>Es ist offensichtlich, dass hier ein Bildungsverständnis zugrunde  liegt, welches weit über ein enges Konzept schulischer und/oder  beruflicher Qualifizierung hinausgeht.</p>
<p>Max Fuchs schlägt am Ende  seiner Untersuchung zur Pazzini-Expertise „Kulturelle Bildung im  Medienzeitalter” ein Programm vor, das aus verschiedenen Förderfeldern  besteht.</p>
<p>1. Förderfeld Neues  Lernen: hier könnten innovative Projekte gefördert werden, die  den Gedanken der kulturellen (auch beruflichen) Grundbildung forcieren.  „Neues Lernen” heißt auch, Bewältigung von Komplexität, Denken in  vernetzten Strukturen. Die Integration alter und neuer Kulturtechniken  lässt erahnen, dass hier der alte pädagogische Traum eines  selbstgesteuerten Lernens kreativ umgesetzt werden kann.</p>
<p>2.  Förderfeld Neue Subjektivität: Hier sind solche Projekte zu  unterstützen, die sich auf die elementaren oder auch komplexen Prozesse  der Wahrnehmung und Bewertung, des Erkennens, der Sinnbildung einlassen.  Was heißt „Wirklichkeit”, welche „Wirklichkeit” hat wofür Relevanz, wie  schafft man eigene „Wirklichkeiten”: all dies sind relevante  Forschungsfragen, zu denen auch die Frage der Identitätsbildung mit  Hilfe Neuer Medien gehört.</p>
<p>3. Förderfeld Ästhetik – Künste und neue  Medien im Vergleich: hier hat der Verf. keine Ausführungen  gemacht, also: Schiller gegen Bill Gates? Mies van der Rohe gegen den  iPod?</p>
<p>4. Förderfeld  Zielgruppenspezifische Umgangsweisen: alt-jung; Mann-Frau;  ethnische Herkunft etc.</p>
<p>5. Förderfeld Kooperation: Entwicklung  und Erprobung neuer Kooperationen; Frage der Partizipation;  Interdisziplinäre Arbeitsansätze.</p>
<p>6. Förderfeld Qualifizierung: Neue  Modelle der Aus- und Fortbildung der Pädagogen/Multiplikatoren und der  Weiterbildung.</p>
<p>7. Förderfeld  neue und alte technische Medien: Entwicklung der Fotografie, des  Films, des Fernsehens, des Radios unter Nutzung der Neuen Medien (Anm.  des Verf.: z.B. Video on Demand, Handy-Fernsehen, etc.).</p>
<p>8. Förderfeld Information/Dokumentation:  Sichtung und Verfügbarmachen entwickelter Modelle und Programme.</p>
<p>Speziell  für den Fotografie-, DTP- und Kunst-Bereich habe ich bereits bei einem  früheren Vortrag einen Katalog der “Vermittlungspraxis” genannt, der  wesentlich aus den Säulen “Produktionsästhetik” und “Rezeptionsästhetik”  besteht und den ich an dieser Stelle zusammen fassen möchte:</p>
<p>1. Vermittlungspraxis Technik  (Produktionsästhetik)</p>
<ul>
<li>Vermittlung der digitalen Aufnahmetechniken (sofern Geräte dafür  zur Verfügung stehen).  Die Besonderheiten digitaler Kameras, One-Shot-  Verfahren, HMI-Licht u.a.</li>
<li>Vermittlung der notwendigen Hardware-Voraussetzungen  (Eingabegeräte, Prozessoergeschwindigkeit, Monitore, Ausgabegeräte,  Transfer- und Speichermedien u.a.)</li>
<li>Vermittlung von EBV-Softwarekenntnissen (welches Programm für  welchen Zweck, Techniken für Screen-Design, Web-Publishing, Techniken  für Druck-Ausgabe, Datentransfer zwischen Programmen, Dateiformate u.a.)</li>
</ul>
<p>2. Vermittlungspraxis Bildästhetik  (Rezeptionsästhetik)</p>
<p>Was ist Fotografie? &#8211; Worin besteht  die Glaubwürdigkeit eines Fotobildes? &#8211; was bewirkt, dass ein Foto  glaubwürdig erscheint? &#8211; Was ist ein schönes Bild? &#8211; Was ist ein gutes  Bild? &#8211; Was ist Design? Kommerz? Kitsch? &#8211; Sind Designer Künstler? &#8211; Was  sind reine Verfahren, was hybride? &#8211; Ist Fotografie Kunst, wenn ein  Foto 1&#215;1 m gross ist? &#8211; Worin liegt die Funktion der Zentralperspektive?  &#8211; Was geschieht, wenn die Perspektive aufgehoben wird? &#8211; ist ein  unscharfes Foto gleichbedeutend mit &#8220;schlechter Fotografie&#8221;? &#8211; was  geschieht, wenn auf einem Bild kein Gegenstand mehr zu erkennen ist?  Diese Fragen werden in thematischen Kursen innerhalb der Bereiche  Fotografie, Foto-Design, Kommunikation und Kunst behandelt und  reflektiert.</p>
<ul>
<li>Thema 1: Fotografien/Bilder sind Berichte, die einen Vorgang  schildern, ohne Berichterstatter zu benennen (z.B. Passbilder,  Objektaufnahmen für einen Katalog)</li>
<li>Thema 2: Fotografien/Bilder sind Geschichten (die narrative  Funktion, als Einzelbild, Serie, Tableau, Sequenz u.a.)</li>
<li>Thema 3: Fotografien/Zeichen/Plakate sind eindeutige Botschaften  (Semiotik: Syntax, Se-mantik, Pragmatik)</li>
<li>Thema 4: Fotografien/Bilder/Werbekampagnen sind Inszenierungen  (Irritation, Aufmerksamkeit)</li>
<li>Thema 5: Eine Welt aus 2., 3. und 4. Hand &#8211; Recycelte Bilder, die  Aura der reproduzierten Reproduktion, aus dem das Medium selbst spricht  (Copy &amp; Paste)</li>
</ul>
<p>Wer nun glaubt, mit einem solchen Instrumentarium die aufgezeigten  Probleme lösen zu können, geht natürlich fehl. Es ist die  selbstverständliche Aufgabe von Pädagogen und Lehrern, sich Gedanken  darüber zu machen, auf welche Weise Schülern (und Studenten und  Erwachsenen, muss man hinzufügen) das Lernen vermittelt werden kann.  Begreift man “Lernen” als lebenslange Aufgabe und in der Folge als die  erste Kulturtechnik schlechthin, kommt man an einer Integration aller  außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen und der uns  umgebenden kulturellen Realität nicht vorbei. Um eine Metapher aus dem  EDV-Bereich zu bemühen: neben der “Hardware” (das sind unsere  traditionellen Lehrstätten mit ihren Lehrplänen, Curricula, dem  Basiswissen) führt die “Software” (das ist das individuelle Erleben und  Erfahren, die Tradition, die Straße, der Markt) ein mindestens  gleichberechtigtes Dasein. Die Aufgabe ist nun, diese bisher  vernachlässigten Größen als gleichwertige Kulturtechnik begreifbar und  ver-mittelbar zu machen. Zugleich müssen wir uns eingestehen, dass die  Medien die Kunst überrollt haben und die “hohe” Kunst als elementare  Kulturtechnik der Bildung ausgedient hat. Diese hat im Museum ihren  Platz gefunden, und vor den Museumstüren tobt das Leben.</p>
<p>Das  Schlusswort überlasse ich Thomas E. Schmidt, der mit seinem ebenso  brillianten wie messerscharfen Essay “Mit der Rasierklinge ins Auge”  allerdings keinen allzu großen Optimismus verbreitet:</p>
<blockquote><p>“Bedeutende Kunst steht in einem Verhältnis  misstrauischer , wenn nicht aggressiver Gleichgültigkeit zur heutigen  Gesellschaft. Die Welt soll ja gar nicht mehr ästhetisiert werden, die  Träume der Avantgarden sind ausgeträumt. Jede politisch geschürte  Kampfeslust der Künste hat sich verbraucht&#8230; Wo ein Künstler über einen  langen Zeitraum hinweg seine private Mythologie entfaltet, wo er sich  als Talkshow-Gast, als Kritiker und als Kommentator Zurückhaltung  auferlegt, da gibt es ein gewisses Indiz für das Vorkommen von Kunst&#8230;  Bestenfalls geht es in der Kunst ums geistige Überleben, um eine andere  Weise wahrzunehmen, zu fühlen, vielleicht auch zu denken. Man kann nicht  einmal benennen, worin die Belohnung des Ästhetischen für denjenigen  besteht, der sich ihm ausliefert. Große Kunst bleibt für den  gegensäkularen Zeitgeist eine schlechte Verbündete, und zwar nicht nur,  weil sie vollkommen weltlich, sondern auch, weil sie radikal  individualistisch ist: Kunst redet von Flucht, nicht von Utopie.”</p></blockquote>
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		<title>PISA extended &#8211; über die Notwendigkeit kultureller Kompetenz Teil IV: Kunst und Kultur</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 23:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>P. Fischer-Piel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Karl-Josef Pazzini]]></category>
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		<description><![CDATA[Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und zugleich auf die &#8230; <a href="http://medienkompetenz-blog.de/pisa-extended-uber-die-notwendigkeit-kultureller-kompetenz-teil-4-kunst-und-kultur/">Weiterlesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für Mieke Bal (Gründungsdirektorin der Amsterdam School for Cultural  Analysis) gehört zur Kultur schlicht “das Exponierte”, mithin alles, was  Menschen als sinnhaft darbieten. Eine weitreichende Definition, die  “Alltags- oder Stadtkultur” wie Design oder das Graffiti einschließt und  zugleich auf die klassische resp. museal anerkannte Kunst hinlenkt. In  diesem Kulturbegriff gehört das Kulturelle nicht mehr zum Objekt wie  etwa der Finger zu seinem Abdruck (André Bazin zur Ontologie des  fotografischen Bildes). Vielmehr entsteht Kultur in der Spannung  zwischen Macher , Werk und Betrachter: was passiert, wenn wir etwa  durchs Museum gehen, was geschieht, wenn wir lesen oder ein Bild  betrachten? Denn wie das Verstehen selbst als produktiver Akt das  Kunstwerk erst in uns hervorbringt, redet das Werk zu uns &#8211; wenn wir es  lassen &#8211; und beeinflusst unsere Sicht der Dinge. Kultur , das ist für  Mielke Bal genau dieses Geschehen (aus: Mieke Bal: Kulturanalyse,  Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2002, Zusammenfassung aus Zeit 26/2003).<span id="more-343"></span></p>
<p>Das entspricht etwa dem aus der Semiotik bekannten Modell  “Sender-Werk-Empfänger” und  setzt voraus, dass beim Empfänger die Bereitschaft resp. Sensibilität  zur “kulturellen Annäherung resp. Auseinandersetzung” vorhanden ist.  Trotz der Bezugnahme auf die “Alltagskunst” ist bei Bal eine gewisse  Sympathie für die “hohe Kunst” (die Sinnhaftigkeit, das Lesen und  Betrachten, der Werkbegriff) nicht zu übersehen. Kultur &#8211; eine  individuelle Lebenstechnik also und damit ein Luxusgut?</p>
<p>Pazzini  grenzt den Begriff der Kultur vom “Luxus” ab und greift einen  Zusammenhang auf, der uns auch noch später begegnen wird: “Man könnte meinen, es gehe bei kultureller  Bildung um eine luxurierende Zutat. Dem ist nicht so. Kunst entsteht  nicht erst im Überfluss, sondern ist Luxus aus der Not heraus, um diese  Not zu wenden, bzw. Not nicht entstehen zu lassen”.  Konsequenterweise bezieht Pazzini den Kulturbegriff in diesem  Zusammenhang &#8211; wie schon eingangs angedeutet &#8211; eindeutig auf die Künste.  Das romantische Künstler(selbst)bild, aus der Not oder wenigstens aus  Notwendigkeit zu produzieren (Hölderlin im Turm etwa), das seine  Herkunft vom Geist der Romantik und des Bürgertums nicht verhehlen kann,  wird hier reaktiviert: “Unter  „kulturell“ sollen hier Prozesse verstanden werden, die sich in Werken  niederschlagen, die angeregt sind durch Prozesse und Werke aus den  unterschiedlichen Künsten: Musik, Bildende Kunst, Tanz, Theater ,  Literatur &#8230;”. &#8211; Wir finden also auch bei Pazzini das  Eingebettetsein der Kultur in die “hohe” Kunst. Wenn also in seiner  Expertise von “Kultureller Bildung” die Rede ist, so wäre dies demnach  als “Ästhetische Bildung” im Schillerschen Verständnis zu lesen.</p>
<p>Mit  einem so benutzten Kulturbegriff kehren wir wieder an den Ausgang jener  bürgerlich de- terminierten Epoche zurück, welche mit Kultur alle Wunden dieser Welt  glaubte heilen zu können. Seit dem 18. Jahrhundert ist die bürgerliche  Kultur mit einem umfassenden, universalen Anspruch aufgetreten. Ihre  Werte wie Leistung und Disziplin, Bildung und Benehmen, Höflichkeit und  Toleranz sollten den Maßstab für Glück und gelungenes Zusammenleben quer  durch die ganze Gesellschaft bilden. Die industrielle Arbeiterschaft  machte sich das bürgerliche Werte-, Verhaltens- und Kulturmodell seit  der Mitte des 19. Jahrhunderts als Leitbild zu Eigen und propagierte es  in ihrer eigenen Avantgarde, der sozialdemokratischen und  gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Auf historisch beispiellose Weise  partizipierten untere Schichten an der Demokratie des 20. Jahrhunderts  und ließen dadurch die Vision einer universellen bürgerlichen  Gesellschaft greifbar nahe erscheinen.</p>
<p>Seit den 60er und 70er  Jahren ist das Leitbild der Verbürgerlichung in den unteren Schichten  immer stärker zerbröckelt. Nicht zuletzt deshalb, weil das bürgerliche  Kulturmodell in den bürgerlichen Schichten selbst an Überzeugungskraft  einbüßte. Zugleich löste sich die alte Klassengesellschaft auf, die eng  an die jeweilige Arbeit des Menschen gekoppelt war . Damit war auch die  Auflösung der kulturellen Identität verbunden. Thomas E. Schmidt setzt  im Kern bei dem romantisch-bürgerlichen Künstlerbild an, zieht aber eine  gänzlich andere Schlussfolgerung wie Pazzini, weil dieses Bild für die  heutige Zeit nicht mehr passt. Sein pessimistisches Fazit ist für  jedwelchen Ansatz zur Etablierung “Kultureller Bildung” partout nicht  geeignet: “Die Wahrheit ist: Kunst und Kultur sind zwei vollkommen  unterschiedliche Formen des Lebens. Kultur ist für sich auch wichtig,  aber sie ist weiß Gott nicht die Schiene, auf der die Kunst in die  Gesellschaft flutscht und mit ihr der vermisste Sinn des Ganzen.  Außerdem ist Kunst etwas, das nur selten vorkommt, viel seltener, als  die meisten  vermuten. Und sie macht das Leben auch nicht leichter für den, der sich  auf sie einlässt, sondern eher schwieriger. sie verkompliziert das  Dasein. Auf schmerzliche Weise konfrontiert sie mit den Gebresten (den  Nöten, der Verf.) des eigenen Ich. Sie sorgt nicht für soziale  Gleichheit und stiftet keine Gemeinschaften im Zeichen irgendeines  weltanschaulichen Konsenses.”</p>
<p>Genau das aber &#8211; soziale  Gleichheit, Gemeinschaft, weltanschaulicher Konsens und Toleranz &#8211; sind  die Ziele, die sich mit kultureller Bildung &#8211; gleichsam als Nebenprodukt  von Pisa &#8211; verbinden. Wie nun soll diese eingelöst werden, wenn Kunst  offensichtlich ein höchst subjektives, und dazu noch schmerzhaftes Tun  ist (sowohl für den Sender als auch den Empfänger)? Der ausschließliche  Bezug auf die Künste scheint hierbei wenig tauglich zu sein, und dennoch  schrauben sich die Ansprüche, die von der Kultur an die Kunst gerichtet  werden, immer höher: Kunst soll den Stress der modernen Gesellschaften  lindern, sie soll Sinn stiften, möglichst normative Eindeutigkeit  herstellen und zuletzt auch noch die Kinder zu Friedensengeln erziehen.</p>
<p>Pius  Knüsel gibt diesem Anspruch den letzten Rest und fordert zugleich die  Kenntnisnahme der Kultur von allen für Alle, im Ergebnis also die  Akzeptanz der “niedrigen” Künste, der vermeintlichen “Verdummung”:  Kulturbetriebe, öffentlich oder privat, müssten sich wie  Unterhaltungsbetriebe gebärden, brauchten Events und Skandale und  müssten sich nach dem Publikum strecken. Als Selbstverteidigung betreibe  das kulturelle Establishment eine noch schärfere Trennung von Kunst und  Unterhaltung, von Geist und Kommerz. Kulturpolitik, auf Breite  angelegt, verenge sich auf die Förderung der Künstler , auf Seinshilfe  für das Schwierige und Unverstandene. Der Innovation verschrieben,  schließe sie weite Bereiche von der Kunst aus, indem sie das in den 70er  Jahren so beklagte Gefälle zwischen hoher und niedriger Kunst bestärke.  Knüsel: “Sie intellektualisiert den Kunstgenuss, indem sie Kunst zu  einer von der Bildung abhängigen Verstehensleistung emporhebt und  Emotionalität als Anzeichen von Kitsch deutet; sie rehabilitiert die  Elite und verteufelt den Erfolg, sie negiert die Tradition als ordnende  Kraft und verachtet das Populäre&#8230;&#8230;.Die Entwicklung hat, und hier  liegt die eigentliche Tragik, zu einer fundamentalen Umdeutung des  Kunstbegriffs geführt: Kunst kann nur dort sein, wo auch Subvention ist.  Alles andere ist Kommerz, Folklorismus oder Entertainment”.</p>
<p>Auf  der einen Seite also sehen wir kulturelle Bildung im Klammergriff der  hohen Kunst und des kulturellen Establishments (das nicht mehr  ausschließlich aus dem ehemaligen Bildungsbürgertum besteht, sondern  vielmehr durch den neuen “Geldadel” aus Wirtschaft, Politik und  Showbusiness repräsentiert wird), auf der anderen Seite steht die  triviale Pop-, Design- und Kitschkultur , die mit kultureller Bildung  offensichtlich nicht das Geringste zu tun hat (aber mit der der moderne  Kulturrepräsentant häufig seine Brötchen verdient).</p>
<p>In enger  Beziehung zum subkulturellen Charakter dieser Trivialkultur steht das  PISA-Ergebnis, dass rund 1/4 der deutschen Schüler die  Basis-Kulturtechniken Lesen und Schreiben nicht beherrschen und nicht in  der Lage sind, eine Bewerbung selbst zu schreiben. Dass dieses Defizit  vor allem auch an sozialer Ungerechtigkeit liegt, wurde mit PISA  gezeigt, über die Herkunft dieses Viertels darf spekuliert werden, die  Richtung liegt jedoch nahe: unten. Womit wir wieder bei der Verbindung  zwischen Kultur und Not wären, und damit ein Erklärungsmuster für den  Siegeszug der Medien hätten.Tatsächlich stehen Kultur und Not in einem  engen Zusammenhang: Nach Adolf Muschg haben-Menschen höheren Aufwand  treiben gelernt, um sich gröberen vom Hals zu halten. Der Sammelbegriff  für diese Aktivität sei &#8216;Kultur’ , die sich nicht in bloßer Ökonomie  erschöpfe. Kultur in vollem Wortsinn gebe es nicht ohne Überfluss und  fange vielleicht erst da richtig an, wo dieser Überfluss nötig,  notwendig, lebenswichtig gefunden wird.</p>
<p>Der Bedeutungsverlust der  Arbeit (nicht nur in Form von Arbeitslosigkeit oder  Wochenstunden-Quantität, sondern in der verbreiteten gesellschaftlichen  Minderschätzung als Job) haben ebenfalls dazu beigetragen, dass  persönliche Identität und soziale Zugehörigkeit in wachsendem Maße  kulturell statt sozialökonomisch definiert werden. Deshalb ist die neue  Massenkultur zugleich zu einer Klassenkultur der neuen Unterschichten &#8211;  Sub-Kultur oder Sub-Proletariat genannt &#8211; geworden.</p>
<p>Das  Freizeitverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen war in den  letzten Jahren  tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt. Zentral ist dabei vor allem die  wachsende Bedeutung der Medien für die Gestaltung der Freizeit. Die  neuen Unterschichten werden fast ausschließlich von den Medien gespeist  und bedient. Ob Fast Food oder Pay-TV, Nike oder H&amp;M, Rapper 50 Cent  oder auch Sir Simon Rattle: alles ist Kultur , und mit Kultur lässt  sich alles verkaufen und verramschen.</p>
<p>In diesem Kontext stehen  auch die Segnungen der Markenmultis und des Designs, hier vor allem des  industriell gefertigten Designs, das eigentlich in der Lage sein sollte,  die Gegenstände des täglichen Gebrauchs kulturell zu “erhöhen” und  damit die Partizipation aller Bevölkerungsschichten an der Kultur zu  ermöglichen (wie z. B. noch das Bauhaus in den 20er Jahren). Nicht von  ungefähr ist heute alles Design, was in irgendeiner Weise gefertigt  wird, ob Hair-Design,  Schmuck- oder Fingernagel-Design, Grafik- oder  Foto-Design, Möbel- oder Mode-Design, vom Food-Design ganz zu schweigen.  Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sich vor allem Jugendliche über  Marken definieren und artikulieren, ja ihre ganze Identität aus der  Markenkultur beziehen. Während die einen also eine neue “Leitkultur”  einfordern und ihre ästhetischen Gärten sorgsam pflegen (das ist die  eingangs erwähnte “Kulturseligkeit” des Establishments), reklamieren  andere gerade die Ausdehnung des Kulturbegriffs auf die Massen.</p>
<p>Dazu  schreibt Paul Nolte in der Leitkultur-Position: “Wir stehen vor einem  Neubeginn, einem  Paradigmenwechsel im politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind  zu lange einem  Konzept gefolgt, das man als fürsorgliche Vernachlässigung bezeichnen  könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge der  Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und kultureller  Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein, Kulturen der Armut und  der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der Unselbstständigkeit nicht  sich selbst zu überlassen, sondern sich einzumischen, sie  herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um Integration in die  Mehrheitsgesellschaft, aber auch &#8211; für viele ein heikleres Thema &#8211; um  die Vermittlung kultureller Standards und Leitbilder &#8230; Die  Bildungspolitik ist wahrscheinlich das wichtigste Feld, auf dem ein  gewisser Integrationszwang ausgeübt werden muss &#8211; siehe die Debatte um  deutsche Sprachkompetenz und rechtzeitige Sprachförderung”.</p>
<p>So  sei Literatur nicht nur Goethe, Mozart auf seine Weise auch Pop. Und  doch könnten wir der Frage nach der Bewertung und Rangordnung von Kultur  nicht ausweichen. Lesen sei tatsächlich besser als Fernsehen oder  Gameboy, und die Lektüre eines guten Romans oder Sachbuchs wiederum  besser als die von Trivialliteratur oder der allgegenwärtigen Ratgeber .  Besser habe dabei nichts mit Bildungsdünkel zu tun, sondern lasse sich  konkret übersetzen in: Kreativität fördernd, soziale Kompetenzen  stärkend, individuelle Chancen eröffnend”. Es überrascht nicht, wenn  Nolte am Ende feststellt: “Es ist kein Zufall, dass dieser kulturelle  Katalog eine bürgerliche Herkunft und auch weiterhin ein bürgerliches  Gepräge besitzt.” (Paul Nolte, Zeit 52/2003)</p>
<p>Gegen dieses  “bürgerliche Gepräge” der Kultur argumentiert Pius Knüsel, indem er  fordert,  dass kulturelle Intelligenz erst dann möglich wird, wenn der Großteil  der Bevölkerung von der Kultur eben nicht ausgeschlossen wird, wenn  begriffen wird, dass Kultur zum Großteil vor , und nicht hinter den  Museumstüren stattfindet: “In der Club-Music, am Computer , in den  Weblogs, den Online-Games, den Jugendhäusern und den Amateurtheatern und  Freizeitorchestern und  den TV-Serien manifestiert sich Kultur genauso wie im experimentellen  Video; ihre scheinbare Einfachheit behindert ihre Aussagekraft nicht, im  Gegenteil. &#8230;&#8230; Dabei ist klar , dass Computerspiele eine prägende  Kulturform der Gegenwart sind. Dass jeder dritte Jugendliche sich  intensiv damit beschäftigt. Und dass Games ganz wichtige  Projektionsflächen sind für Verhaltensmodelle. Dass sie die Wahrnehmung  prägen und ästhetische Muster liefern, die zunehmend unsern Alltag  prägen&#8230;&#8230;.. Also muss eine zukunftsorientierte Kulturpolitik sich  damit auseinander setzen. Sie muss sich nicht der Durchsetzung von  kulturellen Standards – die immer einem zufälligen Kanon entsprechen –  widmen, sondern der Hebung der Intelligenz”.</p>
<p>Zwischen der  Leitkultur einer bürgerlich kanonisierten Gesellschaft und den  subkulturellen Lebensformen einer zunehmend durch Massenmedien geprägten  Jugend liegen Welten. Dem Integrationsmodell durch Leitbilder wie  Leistung, Höflichkeit und Toleranz steht die Integration durch  intelligente Einbeziehung aller Spielarten &#8211; und damit aller Mitglieder  der Gesellschaft &#8211; entgegen. &#8211; Sicher ist, dass die bürgerlich geprägte  Mittel- und Oberschicht eine moralisch-soziale Verantwortung für  Randgruppen aufbringt, ja aufbringen muss. Wie aber schafft man es,  “Rappern” oder “Gamern”die Schönheit einer Klaviersonate von Schumann  beizubringen? In diesen offenbar unversöhnlichen Positionen spiegelt  sich das ganze Dilemma der skizzierten Kulturdiskussion wider: “Geiz ist  geil” lässt sich eben nicht mit den Wertmaßstäben einer bürgerlich  geprägten Kultur verschmelzen, das eine ist Ware, das andere Kunst. Mit  anderen Worten: es geht hier um den alten Kampf des Guten gegen das  Böse.</p>
<p>So einfach ist es indes nicht, denn der Übergang von der  traditionell-bürgerlichen zur modernen multikulturellen Gesellschaft  lässt zwar viel Raum für solchermaßen polarisierende Planspiele, hat  aber keinen Platz für die wichtigste Voraussetzung von Kultur , nämlich  die Identität. Übrig bleibt nur noch ein leerer Rahmen für kurze und  laute Identifizierungen, die so schnell wechseln wie die Marken in den  Medien.</p>
<p>In einem bemerkenswerten Essay zu Kafka und Moderne  schreibt Zafer Senocak: “In der modernen Welt denkt man nicht mehr , um  dazuzugehören, sondern um sich abzusondern. Gemeinschaft ist nur  möglich, wenn Denken ersetzt wird von einer Chiffrierung des Geistes, in  der das Formelhafte das Prozesshafte ablöst, nicht hinterfragbare  Symbole allgewaltig Macht ausüben und die innere Struktur des Ich von  außen nicht mehr erreichbar ist&#8230;.. Es ist der Grundzustand der  modernen menschlichen Seele, die in einem immer leistungsfähigeren  Kör-per ein Exilantendasein führt.” (TAZ vom 25.1.2004)</p>
<p>Denken  wir an die zu einem einzigen Werbeträger umfunktionierte moderne  Gesellschaft und die durch Marken identifizierte Jugend, wird die  kulturelle Bedeutung des Symbols &#8211; des Logos, des Markenzeichens &#8211;  offensichtlich. Lassen wir andererseits die schmerzhafte Erkenntnis zu,  dass sich die uns vertrauten Strukturen in allen Bereichen des Lebens in  Auflösung befinden, uns der historische Boden unter den Füßen  weggerissen und die Tradition kein Garant für Kultur und Bildung mehr  ist, entschwindet das Fundament für Identität. “Wenn die Sprache ihre  Deutungshoheit über die Zeichen verliert”, schreibt Zafer Senocak weiter  , “zieht sich die Überlieferung der Tradition auf Symbole zurück”. Die  einzige Funktion des Symbols ist die einer Markierung, indem es die  gesetzte, vorgeschriebene Identität markiert. Durch den Verlust der  Tradition und deren einstige Gesetze entstehen Angst und  Orientierungslosigkeit, die wiederum durch schnelllebige  Marken-Identifikationen und flüchtige Reize sublimiert werden. 1970  verkleideten sich Terroristen als Spießer , um nicht aufzufallen. Heute  werden Models als Terroristen verkleidet, um aufzufallen. Mittlerweile  ist auch die RAF zu einem Pop-Phänomen geworden. In dem Film “Baader”  erscheint Baader als cooler Dandy, posieren Models als Terroristen. Da  liegt dann der tote Schleyer im Kofferraum, daneben stehen zwei Models,  Andreas und Gudrun, und im Text heißt es: “Andreas trägt Sandalen von  Woolworth&#8230;..”</p>
<p>In der noch immer zunehmenden und kaum noch zu  entkommenden Überflutung durch Medien, Waren und Werbung gewinnen alte  Werte allerdings neue Bedeutung. Die Religion ist wieder ein ernst zu  nehmender Zufluchtsort, aber auch die Kunst, und damit einhergehend die  Tradition und Identität. So groß ist das Unbehagen an der Welt, dass der  Verfall der Moral, die Zerstörung der Welt durch die Globalisierung,  die Verschmutzung der Städte und des Geistes durch Werbung, die  Auswüchse der Wissenschaft, die Verblödung der Massen, kurz: die alles  umfassende Sinnentleerung anscheinend nur noch durch eine Rhetorik des  Hochheiligen oder des Letztgültigen im Zaum gehalten werden kann.</p>
<p>Ob  Pabst-krankheit, Pabst-tod, Pabst-wahl, Pabst-krönung, Pabst-andachten  bei kirchlichen Massenveranstaltungen, oder die langen Schlangen vor den  Museumstüren bei den großen  Werken der Kunst: hier bahnt sich ein Paradigmenwechsel an, eine neue  Sinnsuche. Inmitten dieses gleitenden Übergangs markiert die Kunst eine  Grenze. Sie ist weltlich, aber es umgibt sie mehr denn je eine Aura die  Gegenwart überschreitender, transzendenter Wahrheit. Noch immer bildet  sie den geistigen Mittelpunkt des geltenden Kulturbegriffs: Ars longa,  vita brevis, die Kunst währt lange, das Leben kurz.</p>
<p>Die Realität  zeitgenössischer Kunst aber heißt nicht “große Kunst”, sondern Anpassung  an den großen, satt machenden Kulturbetrieb. Milliarden fließen  jährlich in ihn hinein &#8211; und für viele wieder heraus. Für seine  Protagonisten lautet die Devise daher, dem Publikum gefallen statt es  aufzuklären, die Schönheit inszenieren statt politischer Information,  Service und Kundenfreundlichkeit statt Reflexion. Nie zuvor hatten so  viele Menschen Gelegenheit, Kunst wahrzunehmen und Kunst zu erleben; auf  der Produktionsseite als Künstler zu leben mit der einzigartigen  Chance, über die Medien ein tausendfaches Publikum zu erreichen.</p>
<p>Die  Kunst ist zweckfrei, ihre Freiheit durch das Grundgesetz geschützt.  Theoretisch müssten  wir in einem goldenen Zeitalter leben, aber der überwiegende Anteil an  der zeitgenössischen  Kunst ist nichts anderes als &#8211; Kunstgewerbe oder schlichtweg Schrott. Es  wird hergestellt und produziert, was das Zeug hält &#8211; um den Markt der  Bücher, Kunsthandlungen und Galerien zu bedienen, oder auch nur, um den  Kulturbetrieb in seiner jetzigen Form am Leben zu erhalten. Ganz nach  dem Motto: Kultur ist affirmativ, die Kunst provokativ. Künstlerische  Provokationen und ästhetische Kontroversen sind daher nötig, aber bloß,  um die Diskussion in Schwung zu halten.  “Das Traurigste ist” sagt Franziska Augstein, Tochter des  Spiegel-Gründers, “dass man keinen Ärger mehr riskieren will.”</p>
<blockquote><p>Jörn  Vanhöfen, Leiter und Dozent der Schule “Fotografie am Schiffbauerdamm”  in Berlin, bemerkt hierzu speziell für den Bereich der Fotografie: “Neben den  äußerlichen Merkmalen hat  sich die inhaltliche Bedürfnislage der Fotografen verändert. Waren in  den 80er Jahren wesentliche Merkmale der fotografischen  Hochschulausbildung auf Autorenschaft sowie soziale und  gesellschaftliche Verortung gelegt, vertraut man heute fast  ausschließlich den eigenen gestalterischen und ästhetischen  Möglichkeiten im Sinne der Anpassung an Moden und Märkte” (Photo-News  12/2005).</p></blockquote>
<p>Darin scheint die kulturelle Funktion des Ästhetischen  zu liegen: Solange Kultur funktioniert als öffentlich sichtbare  Bestätigung, dass überhaupt noch irgendein Sinn produziert wird, dass  die Gesellschaft munter weiter plaudert und kein Blut fließt, sind auch  Politik und Wirtschaft beruhigt: So schlimm kann’s doch gar nicht sein. &#8211;  Kulturelle Kompetenz freilich wird dadurch nicht erzeugt!</p>
<blockquote><p>“Wir stehen an einem Wendepunkt”,  fasst Pius Knüsel zusammen. “Unsere  Kulturpolitik erreicht weite Teile der Gesellschaft nicht. Das gewaltig gewachsene  Angebot hat aber auch den Status des Kunstwerks wie seines Erschaffers  verändert. Letzterer ist nicht mehr der Empfänger heiliger Inspiration  mit direktem Draht zu Gott und zum Konto seines Mäzens. Er ist,  gefördert oder nicht, Anbieter eines Produkts. Genauso die  Institutionen. Alle stehen in Konkurrenz zu allen. Daraus erwächst eine  Vielfalt von Konzepten und Ansätzen, in der die Maßstäbe sich auflösen.  Alles, fast alles kann heute Kunst sein, je nach Standpunkt des  Betrachters.”</p></blockquote>
<p>Das verwirrt in der Tat!</p>
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